Samstag, 1. Oktober 2016

Reizwortgeschichte am 1.10.

Die Linkliste in meinem Blog ist nun völlig verschwunden und meine Neuigkeiten werden auch in anderen Blogs nicht mehr angezeigt - ich werde also mit meinem Blog umziehen. Einen Link wohin werde ich hier rechtzeitig mitteilen und ich würde mich freuen, wenn ihr mich trotzdem nicht vergesst.



Fast verschlafen - sorry!
Heute habe ich es mir leicht gemacht, die folgende Geschichte habe ich schon vor ein paar Tagen geschrieben und hier noch nicht vorgestellt - aber Eva und Astrid haben sie bereits in einem meiner anderen Blogs gelesen. Sie ist also nicht taufrisch. Für alle anderen Leser zeige ich sie hier noch einmal!
Bitte lest auch bei meinen "reizenden" Kolleginnen:






Ernte, Feuer, husten, lachen, traurig

So war das früher bei der Kartoffelernte

Wenn wir die Kartoffelernte einfuhren, dann kam immer die ganze Familie zusammen. Wir Kinder halfen fleißig mit, aber auch die Tanten und Onkel reisten an, denn alle bekamen ihre Ration an Kartoffeln mit nach Hause und die musste dann über den Winter reichen. Die Verwandten brachten selbstverständlich auch alle ihre Kinder mit. Ging ja auch nicht anders, wo hätten sie die sonst lassen sollen. Junge, war das eine Freude, wenn alle Cousinen und Cousins versammelt waren.
Oh, wir hatten viel Spaß bei der Arbeit und am Abend waren wir schwarz wie die Kohlenkerle. Einer wie der andere. Gut, ich gebe es zu: die Mädchen etwas weniger. Dann wurde gebadet, in der großen Zinkwanne in der Küche. Der Sauberste zuerst und streng nach Geschlechtern getrennt. Öffentlich badeten natürlich nur die Kinder, die Erwachsenen machten das unter sich aus. Aber die waren auch meist nicht so dreckig wie wir, da reichte es, sich zu waschen. Das glaube ich jedenfalls. Als ich selbst erwachsen war, pflanzten meine Großeltern keine Kartoffeln mehr an, höchstens ein paar Meter für den eigenen Bedarf.
Manchmal waren seltsame Formen zu finden, Herzen, oder sogar Gesichter. Wir haben uns kaputtgelacht, wenn wir wieder einen Zwerg mit langer Nase oder irgendein hässliches Gebilde gefunden hatten. Die Herzen bekamen die Mädchen, die wollten sie für ihren Liebsten verwahren. Wie albern! Die wurden doch grün oder sogar faul, bis sie den gefunden hätten. Na ja.
Zum Abendessen gab es Milchsuppe und Butterbrote. In der großen Gemeinschaft schmeckte mir sogar das, obwohl ich eine deftige Scheibe Wurst vorgezogen hätte. Aber davon gab es nicht so viel, denn ein Schwein wurde immer erst kurz vor dem Winter wieder geschlachtet.
Wenn alle Äcker abgeerntet waren, dann machten wir ein großes Fest, das Kartoffelfeuerfest. Das Laub der Erdäpfel wurde aufgeschichtet, dazwischen Kleinholz und Reisig. Wir Kinder sammelten das mit Feuereifer, denn je mehr von dem Holz aufs Feuer kam, desto länger brannte es. Manchmal qualmte es so sehr, dass wir heftig husten mussten. Das hielt uns aber nicht davon ab, noch näher ranzugehen, unsere Hände zu wärmen und im Schein des Feuers Spielchen zu machen. Hast du schon einmal gesehen, wie gruslig das aussieht im Feuerschein, wenn du furchtbare Grimassen ziehst? Da kann einem angst und bange werden.
Das Allertollste beim Kartoffelfeuerfest waren aber die Kartoffeln, die in der Glut gegart wurden. Die waren so lecker, danach hätte ich mir alle zehn Finger ablecken können. Jeder war für seine eigene Kartoffel verantwortlich, die er dann mit einem Stock aus dem Feuer fischte. Kohlrabenschwarz war die Kartoffel dann. Wenn man sie aufbrach, dann leuchtete das weiße Kartoffelfleisch und es duftete köstlich. Ich hatte immer einen eigenen Salzstreuer in der Hosentasche, das war praktisch.
Onkel Jupp holte dann zur Feier des Tages seine Quetschkommode und alle sangen mit. Die Großen kannten alle Texte auswendig und wir Kinder lernten sie schnell, zumindest die Kehrreime.
Wenn dann alle wieder abreisten, waren wir Kinder doch recht traurig. Denn nun kam erstmal die Jahreszeit, in der man nicht so viel draußen rumtoben konnte wie im Sommer. Alle zusammen waren wir dann erst wieder zu Weihnachten, aber das dauerte. Ist ja immer so, wenn man sich auf etwas ganz besonders freut, nicht wahr?

© Regina Meier zu Verl 2016

Kommentare:

  1. Liebe Regina, aber trotzdem schön, so war meine Kindheit bei meiner Oma auch noch. Werde ich nie vergessen. Liebe Grüsse Eva

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  2. Ja das weckt Erinnerungen, an würzig riechendes Kartoffelfeuer. schwarze leckere Kartoffel und scharze Finger, wenn man nciht aufpasste waren auch die Gesichter schwarz
    Wünsche dir ein schönes entspanntes Wochenende, herzliche Grüße Lore

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  3. Jetzt bin ich fast durch mit den heutigen Reizwortgeschichten - und habe festgestellt, dass mindestens drei von uns die gleiche Idee hatten - das Kartoffelfeuer. Aber die Reizwörter haben sich auch dafür angeboten ...
    Und trotzdem sind alle drei Geschichteen grundverschieden!
    Schon erstaunlich!
    Liebe Grüße und ein erholsames Wochenende!
    Christine

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  4. Liebe Regina,
    ich hatte Dir gerade einen Kommentar geschrieben und dann war er pötzlich weg. Keine Ahnung, ob er bei Dir angekommen ist. Diese Technik macht manchmal was sie will. Ich schreibe jetzt einfach noch einmal:
    Stimmt, ich habe die Geschichte schon einmal bei Dir gelesen. Sie hat mir damals wie heute gut gefallen und in mir Erinnerungen wachgerufen. Nämlich an das Kartoffelfeuer in meinem elterlichen Garten und den einmaligen Geschmack der darin gebratenen Kartoffeln.
    LG
    Astrid

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  5. Liebe Regina,
    ja, das war / ist eine schöne Geschichte, da kommen auch bei mir viel Erinnerungen auf!
    ICh wüsnche Dir einen guten Wochenstart!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  6. Ich glaube, dass es dem Reizwort 'husten' zu verdanken ist, dass wir drei zum Kartoffelfeuer gelenkt wurden. --- Aber jede Geschichte ist anders und erfreut die Leser, die sich gerne an die Kindheit erinnern. --- Danke für diese schöne Geschichte! LG Martina

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  7. mein erster KOmmentar liebe gina war auch wech - schon komisch, auch dass in manchen Blogs plötzlich die Hinweis Links auf andere Seiten verschwanden,da bist du anscheinend nicht die Erste.
    deine reizwortgeschichte ist wieder köstlich lebendig beschreiben, man sieht förmlich alle ums Feuer sitzen wenn sie nicht schon vorher aus Freude darüber eine leckere Kartoffel gar zu kriegen - tanzten.
    So alte Traditionen wie ein Kartoffelfeuer anfachen und in der Gemeinschaft sitzen bis spät in die Nacht, (ja mei - wie oft haben wir früher darüber und miteinander gelacht) gibt es sicher nicht überall und noch lange.
    Obwohl ich`s mir wünschte.
    sehr schön, dass du uns di geschichte noch mal erzählt hast..
    herzlich ein Gruß in deinen Tag
    Angel

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