Donnerstag, 2. Juni 2016

So klein ist die Welt (2)

Den ersten Teil der Geschichte könnt ihr hier nachlesen KLICK

Teil 2 auch als Hörgeschichte:
https://carl.media/aktuell/nd/hoerbuch-so-klein-ist-die-welt-teil-2/


Teil 2

            Ein herrlicher Tag war zu Ende gegangen. Was für tolle Dinge Merle und Pit heute wieder erlebt hatten! Zuerst hatten sie die Schiffe beobachtet, die in den Hafen fuhren oder aus der Elbe in Richtung Nordsee reisten. Containerschiffe aus aller Welt, beladen mit bunten Kisten, die mit den verschiedensten Waren gefüllt waren gab es ebenso wie Passagierschiffe, die eine große Reise antraten. Ab und zu kamen kleine Motorboote vorbei. Sogar ein Segelschiff konnten sie beobachten. Spannend war es, wenn ein Lotsenschiff hinausfuhr, um einem Schiffsriesen auf den Weg in den Hafen zu lotsen, oder hinaus.
         Am besten aber gefiel es den Kindern, selbst an Bord zu gehen. Da fühlte sich Pit wie ein echter Kapitän und Merle machte auch keine Anstalten, sich als Seeräuberin aufzuführen. Also spielte sie die feine Dame, die eine große Reise machte. Mit Opas Fernglas schaute sie aufs Meer und als sie den Seehundbänken näherkamen, da war Merle die erste, die einen Blick auf die niedlichen Tiere erhaschen konnte.
         „Guck mal, da sind sie, jede Menge Seehunde. Ach, wie putzig die aussehen!“, rief sie und reichte Pit das Fernglas.
         „Die haben einen ganzen Strand für sich allein!“, stellte Pit fest.
         Je näher sie kamen, desto besser konnten sie die Tiere beobachten. So viele auf einmal hatten die Kinder noch nie gesehen. Der Kapitän des Schiffes sagte durch den Lautsprecher durch, dass es immer auch ein wenig Glückssache ist, manchmal seien gar keine Seehunde da. „Die verreisen ab und zu auch mal, genau wie wir!“, behauptete er.
         Auch die Erwachsenen hatten ihre Freude an dem Ausflug. Sie beschlossen, den weiteren Tag miteinander zu verbringen. Merle und Pit gefiel das ausgesprochen gut, denn sie hatten noch eine Menge zu besprechen. Pit hatte angekündigt, dass er eine supertolle Idee hätte, wie man den Urlaub verlängern konnte, auch wenn man längst wieder zu Hause angekommen war. Natürlich war Merle neugierig und als sie später zusammen im Restaurant gegessen hatten und die Erwachsenen noch ein wenig plauderten, gingen die Kinder auf den Spielplatz hinter der Gaststätte.
         „Na, dann schieß mal los. Was hast du für eine Idee!“ Merle war neugierig, was der Pit sich hatte einfallen lassen.
         „Das ist eine längere Geschichte, also hör zu: Ich habe einmal ein Buch gelesen von einem Jungen, der im Urlaub ein Tagebuch in der Schublade seines Ferienzimmers gefunden hat.“
         „Tagebuch? Das ist langweilig!“, behauptete Merle, die lieber eine kurze Erklärung gehabt hätte.
         „Ist es nicht! Der Schreiber des Buches hatte jeden Tag einen kleinen Eintrag geschrieben, alles handelte von seinem Urlaub – ich weiß nicht mehr genau, wo er war, auf jeden Fall auch am Meer. Aber: Es war nicht nur ein Tagebuch, sondern so eine Art Wegweiser für den, der sein Tagebuch gefunden hat.“
         „Sollen wir jetzt auch ein Wegweisertagebuch schreiben, oder was?“, fragte Merle ungeduldig.
         „Hör doch erstmal zu, du bist schrecklich!“, schimpfte Pit. „Diejenigen, die das Buch gelesen haben, bekamen Aufgaben, die zu lösen waren. Überall in dem Ferienort hatte er, wie bei einer Schnitzeljagd, kleine Briefchen versteckt, die gefunden werden mussten. Hatte man alle Hinweise gefunden, gelangte man am Schluss zu einer Adresse, an die man schreiben sollte. Dann wartete ein Gewinn auf den Finder! Der Junge in dem Buch machte sich auf die Suche und erlebte spannende Abenteuer.“
         „Klasse!“, rief Merle. „Aber er war dann wohl der einzige, der die Abenteuer erlebte.“
         „Wieso das denn?“
         „Na, wenn er die Briefe einsammelte, dann waren sie ja weg und niemand anders konnte sie finden!“
         „Stimmt!“ Wenn ich mich richtig erinnere, dann durften die Briefe auch nicht eingesammelt werden. Man musste sie lesen und dann wieder da verstecken, wo man sie gefunden hatte!“
         „Okay, aber was hast du jetzt vor? Was fangen wir damit an?“
         „Ich dachte mir, dass wir in unserem Zimmer einen Brief mit einer Aufgabe hinterlassen. Derjenige, der die Aufgabe löst, findet unsere Adresse und muss uns dann eine Ansichtskarte von hier schicken. Zur Belohnung bekommt er dann Post aus Gütersloh von uns!“
         „Oh ja, wir machen einen Wettbewerb draus, wer die meisten Karten bekommt hat gewonnen!“
         „Einverstanden!“
         „Jetzt müssen wir uns nur überlegen, wo wir unsere Adresse hinterlassen!“, überlegte Merle.
         „Wir haben ja noch ein paar Tage Zeit, da wird uns schon etwas einfallen. Vielleicht können wir später, wenn wir wieder in der Ferienwohnung sind anfangen, den Brief zu schreiben.“
         So machten sie es dann auch. Merle und Pit schrieben den gleichen Brief und sie malten ein Bild  dazu. Dann überlegten sie, wo sie ihre Adressen verstecken könnten. Das war gar nicht so einfach, denn es musste ein wetterfester Platz gefunden werden.
         „Ich hab’s! Oben an der Strandpromenade ist eine Lesehalle, dort gibt es auch viele Kinderbücher. Wir legen unsere Anschrift in ein Buch, jeder in ein anderes, und wer das Buch ausleiht, der findet uns und schreibt uns dann hoffentlich!“, rief Merle begeistert.
         „Okay, dann müssen wir aber noch einen Hinweis in unsere Briefe schreiben, damit die anderen Kinder unsere Anschrift auch finden können.“
         Da der Pit nun mit seinen Eltern nach Hause musste, verabredeten sich die Kinder für den nächsten Tag in der Lesehalle. Dort wollten sie sich die Bücher anschauen, die es dort gab und dann jeweils eines aussuchen, in das sie ihre Adresse legen konnten.
         Merle erzählte ihren Großeltern von dem Plan, den sie gemeinsam mit Pit geschmiedet hatte. Die fanden das richtig toll und Oma hatte gleich eine gute Idee, wie man andere Kinder in die Lesehalle schicken konnte, damit sie den Adressenschatz finden konnten.
         „Schreibt doch so etwas wie:

         Wer steht dir bei bei Regen und Sturm?
         Wer vertreibt die Langeweile?
         Ist das wohl der Bücherwurm,
         der kriecht durch das Buch, liest Zeile für Zeile.
         Suche das Buch, in dem er grad wohnt,
         mit meiner Adresse wirst du belohnt.
         Dann schreib mir und mit ein wenig Glück
         bekommst du Post von mir zurück!“
        
Das gefiel Merle richtig gut und als sie dem Pit das am nächsten Tag vorlas, war der ebenfalls ganz begeistert.

Gemeinsam suchten sie Bücher aus, in denen sie dann ihre Adressen versteckten. Die nette Dame in der Lesehalle weihten sie ein.
         „Da habe ich nichts dagegen, ich freue mich, wenn viele Kinder zum Lesen kommen und ihr dann recht viel Post von hier bekommt, wenn ihr wieder zu Hause seid!“
        
Welche Bücher die beiden Kinder ausgesucht haben, das weiß ich nicht und wenn, dann würde ich es nicht verraten. Ich weiß aber, dass Merle und Pit einige Ansichtskarten erhalten haben und jedes Mal, wenn wieder eine eintrudelte, dann schickten sie dem Sender eine Ansichtskarte aus Gütersloh. Ja, so war das!

© Regina Meier zu Verl 2016

Kommentare:

  1. Das ist eine schöne Geschichte. So konnten sich die Kinder noch lange an den Urlaub erinnern.
    LG Elke

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  2. Liebe Regina,
    eine wunderschöne Geschichte. Die Kinder werden
    den Urlaub nicht so schnelle vergessen.
    Einen wunderschönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  3. Liebe Regina,
    danke für die wunderschöne Fortsetzung dieser Geschichte!
    Ich wünsche Dir einen schönen und angenehmen Tag und einen guten Start in ein schönes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  4. Und ich dachte, es geht jetzt noch weiter :-( - ooohhhh!!! Die Geschichte hat mir super gut gefallen und das Gedicht erst! Klasse!
    Leider ist es jetzt schon nach 15 Uhr, darum nutzt das Daumendrücken nichts mehr - es könnte allerdings auch sein, dass ihr längst stolze Besitzer eines kleinen Autobusses seid! :-)
    LG Martina

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  5. Eine tolle Idee!!! Da haben sich die Kinder echt was Schönes ausgedacht. Sicherlich kommt noch mehr Post bei Pit und Merle an.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    Astrid

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  6. Oh...ich dachte auch es geht weiter ,ein Schluss wäre schon
    super gewesen lach...:-)))
    Aber eine tolle Geschichte ,
    vielleicht geht es ja weiter !!!

    Liebe Grüsse
    Margrit

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