Mittwoch, 20. Januar 2016

Das Buch hatte seine Chance



Jedes Buch, das ich lese, bekommt bei mir eine Chance bis zur Seite 50. Wenn es mich bis dahin mitgenommen hat, ohne, dass ich darüber nachdenke, es zur Seite zu legen, stellt sich die Frage gar nicht. Quäle ich mich aber durch die Seiten und empfinde ich keinen Lesegenuss, dann ist genau dort für mich Schluss. Je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, dass ich meine wertvolle Lebenszeit nicht mit Büchern verbringen sollte, die es nicht verdient haben.

Ich schreibe nur selten Rezensionen und wenn, dann auch nur solche, die positiv sind. Dann verkünde ich ganz ehrlich, wie sehr mich eine Geschichte gefangen hat. Dabei geht es nicht nur um die Geschichte, wichtig ist auch, dass das Handwerk des Autors stimmt. Bücher, die vor Fehlern strotzen, fallen durch. Kleine Fehler verzeihe ich gern, es gibt sie in fast jedem Buch. Außerdem mache ich selbst auch Fehler.

Da Ausnahmen die Regel bestätigen, erzähle ich heute von einem Buch, das normalerweise bei Seite 50 auf den Stapel: Hätte ich gern gelesen, leider hat dieses Buch die 50-Seiten-Marke nicht geschafft.
Das passierte mir in der letzten Woche. Ich werde hier nicht den Titel nennen, da ich die junge Autorin nicht in Verruf bringen möchte. Möglicherweise gibt es Leser, die das ganz anders sehen als ich und irgendwas ist dran an dem Buch, das ich weitergelesen habe, nachdem es schon „durchgefallen“ war.

Es geht um zwei Geschichten, eine in der Vergangenheit, die andere in der Gegenwart. Viele (zu viele) Namen strömen bereits auf den ersten Seiten auf mich ein und verwirren mich. Wie soll ich mir die alle merken, fremdklingende Namen, eine Vielzahl in beiden Geschichten. Schwierig. Aber auch die beiden Geschichten verwirren mich. Ich sehe keinen Zusammenhang, der mich neugierig machen würde. Vermutlich müsste ich das Buch bis zum Ende lesen, um es zu verstehen. Es macht mir keinen Spaß, zumal auch viele Worte drin vorkommen, die ich so gar nicht leiden mag. Wenn ein „nichtsdestotrotz“ ein einziges Mal vorkommt, überlese ich das gnädig. Wenn es sich aber häuft, nervt es mich, gewaltig sogar. Was ist das nur für ein Wort? Mich nervt es schon in der gesprochenen Sprache – ist aber vielleicht allein mein Problem, ich weiß es nicht.

Das Buch hat 550 Seiten, ich habe nun ca. ein Drittel gelesen, liege also weit über dem Toleranzschnitt. Gerade gestern Abend habe ich mich wieder eine Weile damit beschäftigt. Mittlerweile habe ich die Namen der Protagonisten ganz gut drauf, da heißen sie plötzlich anders. Ich vermute, dass ich spinne und blättere zurück, suche nach ihrem ersten Auftritt, finde die alten Namen und beruhige mich: ICH spinne nicht! Selbst auf dem Klappentext (da hätte ich es schon merken müssen) heißen sie wie jetzt, nachdem ich festgestellt habe, dass die Namen verändert sind.

Gut, die Autorin hat wohl festgestellt, dass die erste Version der Namen zu schwierig war, um sie sich zu merken und hat sie dann umgetauft. Leider nicht konsequent, möglicherweise hat sie auch einfach nur schlampig gearbeitet oder ihr Lektor, falls sie denn einen gehabt hat. Da ich immer an das Gute im Menschen glaube, zweifle ich aber zunächst mal an mir. Sollte ich etwa überlesen haben, dass da ganz offiziell die Namen verändert wurden, aus welchem Grund auch immer? Ich habe kaum schlafen können heute Nacht, so sehr hat es mich beschäftigt. Ich war drauf und dran, das Buch noch einmal von vorn zu lesen, um sicherzugehen, dass meine Kritik berechtigt ist und ich mich nicht getäuscht habe.

Mache ich aber nicht: meine Lebenszeit ist mir zu wichtig, um mich mit schlecht geschriebenen Büchern zu beschäftigen. Nein, ich bin nicht arrogant – ich habe es doch versucht, oder nicht?

Kommentare:

  1. Ging mir vor einiger Zeit genauso, eine schöne Weihnachtsgeschichte. begann ganz toll und dann auf einmal ein Wirrwarr und Durcheinander und nicht mehr real, das selbst mich als Märchentante verwirrte. schade, denn der Ansatz und die Idee war gut.
    Wüsnche dir einen schönen Tag. Ganz leise kommt bei mir die Lust zum Schreiben wieder. LGLore

    AntwortenLöschen
  2. Oh, viele und fremd klingende Namen mag ich auch ganz und gar nicht in einem Buch. Sie verwirren mich schnell. Warum man allerdings im Laufe eines Buches die Namen der Protagonisten verändert, verstehe ich überhaupt nicht. Sag nicht, dass die Autorin für ihr Buch sogar einen Verlag gefunden hat - dann schreie ich nämlich gleich! LG Martina

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Regina,
    das kenne ich auch, auch ich habe das ein oder ander Buch hier stehen, dem es genauso erging!
    Ich wünsch Dir noch einen wunderschönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar. Nicht immer schaffe ich es, alle Kommentare zu beantworten, ich bitte um Verständnis!