Dienstag, 6. Oktober 2015

Annelie und ich





Danke für die lieben Kommentare zur letzten Geschichte. hier nun die neue Geschichte:

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. Bitte lest auch bei meinen reizenden Kolleginnen:



Glas, Paradeiser, blicken, ersehnen, glücklich

Annelie und ich

Ich setzte das letzte Wort unter meine Geschichte. Ende! Zufrieden blickte ich auf die Seitenzahl. Zweihundertzwanzig Seiten, ein umfangreiches Manuskript war es geworden. Klar, nach der Überarbeitung würde es etwas schlanker werden. Doch im Moment war ich erstmal glücklich, dass ich durchgehalten hatte.
Lange hatte ich davon geträumt, diese Geschichte endlich aufschreiben zu können. Stets hatte mich etwas davon abgehalten oder der richtige Zeitpunkt war einfach noch nicht gekommen. Ich hatte mir dieses Gefühl ersehnt und genauso vorgestellt. Es war einfach wunderbar.
Nachdenklich drehte ich das Glas in den Händen, das ich mir zur Feier des Abends eingeschenkt hatte.  Ich dachte an den Moment in der Buchhandlung, der dazu geführt hatte, dass ich mich endlich an die Geschichte gemacht hatte. Ich war zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem ganz besonders schönen Buch, das ich meinem Patenkind schenken wollte. In der gemütlichen Leseinsel hatte ich es mir bequem gemacht, als ein kleines Mädchen mich am Arm zupfte.
„Kannst du mir vorlesen?“, fragte das Kind und schaute mich erwartungsvoll an.
„Sicher, das kann ich, aber bist du denn ganz allein hier? Wo ist deine Mutter?“, fragte ich. Das Kind deutete nach oben.
„Mama ist da oben. Mir ist aber so langweilig und lesen kann ich noch nicht!“
In der oberen Abteilung der Buchhandlung befanden sich die wissenschaftlichen Bücher, sicher suchte die Mutter dort nach einem Werk und hatte das Mädchen in die Kinderbuchabteilung geschickt.
„Also gut, dann lese ich dir vor!“, willigte ich ein. „Was möchtest du hören?“
„Etwas, das ich noch nicht kenne!“
Das war aber nicht so einfach, wie sich schnell herausstellte. Das Kind kannte alle Bücher, die ich vorschlug.
„Dann such du doch etwas aus und bring es mir, dann lese ich für dich!“ Die Kleine zögerte, bevor sie fragte:
„Kannst du auch einfach so erzählen? Etwas ganz Neues, das ich noch nie gehört habe?“
Ich lachte. Das Kind war eine Herausforderung, oder sah man mir etwa an, dass sie selbst Geschichten schrieb?
„Kann ich auch, aber zuerst möchte ich wissen wie du heißt!“
„Ich heiße Annelie“, die Kleine stand auf und machte einen Knicks, ganz so, wie die Kinder das früher gelernt hatten, wenn sie Erwachsene begrüßten.
„Also gut, Annelie, dann erzähle ich dir jetzt von einer Geschichte, die noch gar nicht geschrieben ist und schon ganz lange in meinem Kopf wohnt.“
Die Augen des Kindes strahlten. Vertrauensvoll kuschelte sich Annelie an mich. Ich erzählte ihr vom Gasthaus Zum Paradeiser, in dem die kleine Annelie ihren Teddy Franz vergessen hatte und wie sie sich ganz allein auf den Weg machte, um ihn zurückzuholen. Es war eine lange Geschichte mit vielen spannenden Abenteuern.
Irgendwann waren alle Besucher der Buchhandlung gegangen und der Besitzer kam in die Leseinsel.
„Na, Annelie, hast du wieder jemanden gefunden, der dir vorliest?“, fragte er.
Das Kind drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Ja, Papa. So eine schöne Geschichte habe ich lange nicht gehört!“
„Leider müssen wir jetzt nach Hause, Oma wartet mit dem Abendessen. Ihnen danke ich sehr, dass Sie für meine Tochter da waren. Nachmittags nehme ich sie immer mit hierher, da ist sie gut aufgehoben und manchmal begegnet sie lieben Menschen wie Ihnen, die ihr vorlesen.“
Ich ahnte in diesem Moment, dass Annelie, als sie nach oben deutete und sagte, dass ihre Mutter da oben sei, den Himmel meinte. Das stimmte auch. Das habe ich aber viel später erfahren, denn von da an ging ich jede Woche in die Buchhandlung und erzählte meine Geschichte weiter.
Jetzt habe ich sie auch zu Papier gebracht und sobald sie überarbeitet und gedruckt ist, werde ich sie Annelie schenken.

© Regina Meier zu Verl

Kommentare:

  1. ... und uns doch auch - oder? Ich - nein Wir möchten die Teddy-Geschichte auch hören. Wenn das Buch fertig ist und du deine erste Lesung in der Buchhandlung abhältst, dann sag Bescheid! Ich komme! Indianderehrenwort!!! Danke für die einfühlsame Geschichte, liebe Regina! Grüß mir Lukas - liest er dir inzwischen die Geschichten vor oder darfst du noch? :-) LG Martina

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  2. Danke für diese schöne berührende Geschichte. Ich habe schon die kleine Annelie gesehen, wie sie aufmerksam zuhört.
    LG Elke

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  3. Liebe Regina,
    das war eine schöne Geschichte, die ich wieder gerne gelesen habe. Neugierig bin ich auf die Teddygeschichte geworden, die ich mir spannend vorstelle.
    Die kleine Annelie war schlau, denn so hat sie immer einen schönen Nachmittag verlebt und konnte den vorgelesenen und erzählten Geschichten lauschen.
    LG
    Astrid

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  4. Danke, Regina, für Deine erzählerische Geschichte aus der Buchhandlung!

    Alles Liebe und viel Freude beim Schreiben weiterhin
    Eva :)

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  5. Liebe Regina,

    deine spannende Geschichte schenkt mir Freude.
    Alles Liebe
    Elisabeth

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  6. Liebe Regina,
    wie schön, dass Du dem kleinen, mutterlosen Mädchen mit Deiner Geschichte eine Freude machen konntest!
    Auch ich hoffe natürlich, dass es die Teddybär-Geschichte irgendwann zu kaufen gibt! Zur "Autorenlesung" werde ich vermutlich nicht kommen können (dazu ist der Weg dann doch zu weit **grins**), aber das Buch möchte ich haben!
    Liebe Grüße
    Christine

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  7. Hallo, meine liebe Regina,
    eine wunderbare Geschichte, und ich kann mich nur anschliessen ...auch ich würde sehr gern diese Teddy-Geschichte hören oder lesen eines Tages :O)))
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  8. Liebe Regina
    was für eine herrliche berührende Geschichte und die Annelie hatte immer was besonderes in Ppas Buchhandlöung nämlich ein Mensch zu finden der all die wunderabren Geschichten ihr erzählen konnte und ich freu mich mit dir wenn die Teddygeschichte öffentlich in einen Buch stehen würde!
    Lieben Gruss Elke

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  9. Liebe Regina, deine Geschichten sind sehr schön geschrieben und ich glaube, du erzählst aus deinem Leben. Es sind dir diese Dinge passiert, so wie mit Annelie, du schmückst sie nur noch aus. Egal wie es auch sei, du berührst mein Herz mit diesen Geschichten, hab vielen Dank.
    Ganz liebe Grüße, Margot.

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  10. Liebe Regina, freue mich schon auf Dein Buch, alles Liebe Eva

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  11. Wieder ist dir eine ganz wunderbare einfühlsame Geschichte gelungen, eben eine Regine-Geschichte. Danke dir und ein schönes Wochenende. LGLore

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