Donnerstag, 10. September 2015

Storchenreise in den Süden



 

Storchenreise in den Süden

                „Liebster, die Kinder sind längst ausgeflogen. Sollen wir uns auch langsam auf den Weg machen?“
                Vater Storch klappert unwillig mit dem Schnabel. Er hat noch keine Lust, die große Reise nach Afrika anzutreten. Es gibt noch so viele leckere Sachen auf der Wiese und das Wetter ist auch prima.
                „Lass uns noch ein oder zwei Tage warten“, schlägt er deshalb vor.
                Frau Storch weiß, dass ein Widerspruch nichts nützt. Wenn sie doch nur nicht so eine Sehnsucht nach den Kindern hätte, die das Nest schon vor einigen Tagen verlassen hatten und unternehmungslustig gen Süden gezogen waren. Ob sie ihre Kleinen wiedersehen würde?
Als hätte ihr Mann ihre Gedanken gehört, gibt er ihr die Antwort auf die nicht gestellte Frage:
                „Wir werden die Kinder einholen, da bin ich ganz sicher. Und nun friss, du brauchst Kraft für die Reise und da oben am Himmel ist es lausig kalt, da muss dich dein Fett wärmen!“
                Stolz schreitet die Storchenmutter hinter ihrem Mann her und hält die Augen offen. Sie sucht die Wiese nach etwas Essbarem ab und hat Glück. Ein dicker fetter Regenwurm ist die Vorspeise und dann erbeutet sie noch ein paar Heuschrecken. Seit die Kinder sich selbst ernähren konnten, können die Eltern wieder etwas mehr für sich selbst sorgen und das ist auch gut so. Vor einem Mauseloch verharrt Mutter Storch. War da nicht gerade ein Mäuschen verschwunden? Mal abwarten.
                „Die Kinder finden den Weg, sie haben einen inneren Wegweiser. Das weißt du doch!“, sagt Vater Storch, der sich natürlich auch sorgt. Er zeigt es nur nicht so.
                „Ja, ja, das weiß ich ja. Trotzdem darf ich doch an sie denken, oder nicht?“
                „Sicher, aber mach dir nicht zu viele Sorgen. Wir haben es doch auch ohne unsere Eltern geschafft und in diesem Jahr ist es schon das sechste Mal, dass wir die lange Reise antreten.“
                Frau Storch kichert. „Antreten ist gut, ersegeln ist aber besser, oder willst du nach Afrika laufen?“
                Ärgerlich klappert Vater Storch mit dem Schnabel. Es ärgert ihn, dass seine Frau immer das letzte Wort haben muss. Seine Frau hingegen ärgert sich, dass das Mäuschen durch das Geklapper gewarnt ist und sicher nicht so bald wieder aus seinem Loch kommen wird. ‚Blödmann!‘, denkt sie, hütet sich aber, das auszusprechen.
                Am nächsten Tag machen sich die beiden aber dann doch auf, um mit vielen anderen Störchen in den Süden zu reisen. Als sie beim Treffpunkt ankommen, sehen sie auch ihre Kinder wieder. Ist das eine Freude!
                Fast zwei Monate sind die Störche und ihre Freunde dann unterwegs. Ob sie im nächsten Jahr zurückkommen?

© Regina Meier zu Verl 2015
               

Kommentare:

  1. Liebe Regina,
    das ist eine schöne Kindergeschichte mit deren Hilfe sich die Kinder gut in die Welt der Störche versetzen können. Es hat auch mir Freude gemacht sie zu lesen.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid,
      das freut mich sehr, Danke schön und
      liebe Grüße
      REgina

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  2. Hallo, Du Liebe,
    auch das ist wieder eine sehr schöne Geschichte!
    Ich wünsche Dir noch einen angenehmen schönen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße , Deine Claudia ♥
    Übrigens, das wunderschöne bunte Herbstlaub im Hintergund gefällt mir sehr gut .... Du hast den "Indian Summer" eingefangen mit Deinem Blog :O)

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    1. Danke liebe Claudia,
      für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich, dass dir mein neues Blogkleid gefällt!
      Herzliche Grüße
      deine Regina

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  3. Na klar kommen die wieder!!! Soooo eine schöne Geschichte, liebe Regina! Ich freue mich schon, wenn du sie irgendwann ein- und uns vorliest!!! Nee, was hab ich mich darüber amüsiert, dass die Gute über ihren Mann 'Blödmann' denkt. Dass es bei Storchens genau so zugeht, wie bei Menschens, also, das hätte ich ja nicht gedacht! Lach!! Eine wirklich herrliche Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe!! Bis bald! Martina

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    1. Vielen Dank, liebe Martina,
      ich vermute, dass die Störche auch so ihre Problemchen mit der Familie haben. Genau weiß ich das natürlich auch nicht!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  4. Was für eine liebenswerte (und humorvolle!) Geschichte! :-)

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    1. Danke schön, liebe Calendula!
      Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende
      liebe Grüße
      Regina

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  5. Liebe Regina, nicht nur diese wunderschöne Geschichte gefällt mir, sie ist wunderbar mit Fröhlichkeit geschrieben. Sie erinnert mich auch an die Menschen, mit dem Satz: sie muss immer das letzte Wort haben. :-) Nein, auch dein Blog, mit den leuchtenden Herbstfarben gefällt mir. Vielen Dank, wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße, Margot.

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