Freitag, 17. Juli 2015

Vor längerer Zeit geschrieben - dennoch leider aktuell

Aus meinen alten Blog übertragen:

Eine Szene inspiriert durch den gestrigen Abend

"Ernst-Peter, wir müssen noch darüber beraten, was es zu Mutters Geburtstag zu essen geben wird!"
Ernst-Peter schaut gelangweilt von seiner Frankfurter auf und gähnt:
"Bitte nicht jetzt, ich studiere gerade die Börsenkurse."
Annemarie setzt sich auf die Sessellehne und streicht ihrem Angetrauten übers Haar.
"Schatz, es ist wirklich wichtig. Weißt du, ich habe mir gedacht, dass es auf keinen Fall eine Suppe als Vorspeise geben darf!"
Ernst-Peter schaut seine Frau entgeistert an.
"Warum denn das, du weißt doch, wie gern ich eine richtig gute Rindfleischsuppe esse. Du kannst die ja nicht kochen, wenn ich da so an die Sonntagssuppe meiner Mutter denke, läuft mir noch heute das Wasser im Mund zusammen."
Annemarie springt verärgert auf und kreischt:
"Ja, ja, deine Mutter. Aber hast du auch mal dran gedacht, dass deine Mutter beim Essen lüllt, dass einem der Appetit vergehen kann? Was werden die Gäste sagen, wenn sie sich so daneben benimmt? Ich hatte da an ein kleines Büffet gedacht, das kann sie sich die Häppchen in den Mund schieben und macht keine Schweinerei beim Essen."
Hasserfüllt sieht Ernst-Peter seine Annemarie an.
'Ist das noch die Frau, die ich einmal gerheiratet habe, die ich geliebt habe?'
Er faltet seine Zeitung zusammen und verlässt das Wohnzimmer.
"Vielleicht sollten wir die Feier absagen!", murmelt er noch, dann wird er für den Rest des Tages nicht mehr gesehen.

05.05.2005 Regina Meier zu Verl

Kommentare:

  1. Liebe Regina,
    eine Kleinigkeit - und diese Auswirkungen.
    Warum muss man so gehäsig werden?
    Geht es nicht auch anders?
    Einen guten Start ins Wochenende wünscht dir
    Irmi

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  2. Liebe Regina, es sieht aus, als ob sich Annemarie für ihre Schwiegermutter schämt. Es ist nicht gut, sich zu schämen, denn wir alle werden nicht mit den Jahren besser. Ich hasse den Satz, " was sollen die Leute sagen". Annemarie, steh zu deiner Schwiegermutter und Ernst-Peter. Das ist meine Antwort und Ansicht.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende. Liebe Grüße, Margot.

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  3. Wegen Kleinigkeiten kriegt man sich in die Kletten. Männer lassen oft nichts auf ihre Mütter kommen und sind sehr beleidigt wenn man Negatives über sie sagt. Soll Annemarie doch über den Dingen stehen und die Schwiegermutter sabbern lassen, jeder ist doch für sich selbst verantwortlich.Eine typische Alltagssituation, das kommt bestimmt nicht selten vor. Ein schöner Post
    Liebe Grüße, Klärchen

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  4. Ach Regina, da hat die Gute wohl nicht gewusst, dass die Männer manchmal überreagieren, wenn es um ihre Mutter geht!!! Die Situation ist vorstellbar - in zig Wohnzimmern!!! Einen schönen Abend! Martina

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  5. Liebe Regina, solche Situationen sind so traurig und man braucht sie weiß Gott nicht. Schönes Wochenende Eva

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  6. Da gibt es doch die kleine Geschichte, ich glaube die Brüder Grimm haben sie aufgeschrieben.
    Der Großvater muss immer in der Ecke sitzen und aus einer Holzschüssel essen, weil er sabbert.
    Eines Tages sehen die Eltern wie ihr kleiner Sohn an einem Stück Holz schnitzt.
    Auf die Frage, was er da macht, meint der Kleine. "Ich schnitze eine Schüssel, aus der ihr später einmal essen müsst"
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, LGLore

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  7. Ist schon schlimm, dass Menschen sich wegen solcher Kleinigkeiten derartig angiften - statt einfach mit Humor zu reagieren...
    Wenn Annemarie schon nicht sehen kann, wie ihre Schwiegermutter sabbert und kleckert (wofür sie vermutlich gar nichts kann), dann könnte sie sich doch so setzen, dass sie nicht dauernd hinschauen muss! Auf den Tisch kommen Sets zum Abwischen, oder eine beschichtete Tischdecke, und gut ist.
    Die Gäste werden doch wissen, dass die alte Dame nicht mehr richtig essen kann und sich deshalb bestimmt nicht so aufregen wie Annemarie selber. Abgesehen davon: den Satz "Was werden die Leute denken" hasse ich wie der Teufel das Weihwasser! :-(
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Christine

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  8. Aktuell? Wie kommt's? Ich hoffe nicht, dass du ein in der Art gestaltetes Gespräch ertragen musstest.
    Was die Leute denken, tja, das interessiert eigentlich nur den Teufel. Soll er damit glücklich werden, aber das kann er ja auch nicht.
    Lass dich von nichts runterziehen, Liebes!
    Umarmung
    deine Ele

    'lüllen', das Wort kannte ich noch nicht.

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  9. Liebe Regina,
    ich denke doch, dass die Leute, die zur Geburtstagsfeier geladen sind, eher aus dem Familienkreis sind. Die Gäste wissen also, dass die alte Dame beim Essen ihre Schwierigkeiten hat. Wer weiß, wie es uns mal geht.
    Das Wort "lüllen" war mir auch unbekannt und ich musste erst einmal überlegen, was gemeint ist.
    LG und lass es Dir gut gehen.
    Astrid

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