Dienstag, 2. Juni 2015

Reizwortgeschichte: Wie viele Beine haben Spinnen?



Spinne, Buch, schreiben, setzen, hingebungsvoll

Das sind die Reizwörter am heutigen Dienstag. Weitere Geschichten lest bitte bei:

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Sophie



Wie viele Beine haben Spinnen?

Nur mit viel Mühe gelingt es Enya, den schweren Eichenstuhl vor das Bücherregal zu schieben. Als sie es geschafft hat, klettert sie auf die Sitzfläche und versucht, das Buch mit den tollen Tierzeichnungen zu erreichen. Leider sind die Arme zu kurz. So sehr Enya sich auch reckt und streckt, es gelingt ihr nicht, das Buch zu fassen.
        Die Stehleiter fällt ihr ein. Die müsste im Keller sein. Enya wuchtet den Stuhl wieder an seinen Platz. Im Keller findet sie die Leiter, doch sie ist zu lang und zu schwer. Unmöglich ist es, diese die Treppe nach oben zu schieben.
        Enya überlegt. Was könnte sie denn noch probieren? Sie möchte unbedingt das Buch haben, weil ihr so langweilig ist und Mama würde erst in zwei Stunden nach Hause kommen. Papa sitzt in seinem Büro; ihn darf sie nur im Notfall stören. Ist das nun ein Notfall? Wahrscheinlich nicht.
        Andererseits ist es aber doch wichtig, denn Enya soll für den Sachunterricht in der Schule eine Spinne zeichnen und sie kann sich einfach nicht erinnern, ob eine Spinne sechs oder acht Beine hat. Deshalb beschließt sie, doch den Vater zu stören.
        Zaghaft klopft sie an die Tür und wartet auf das „Herein“, das mürrisch klingt, nachdem sie das dritte Mal angeklopft hat.
        „Papa, könntest du mir kurz helfen?“, bittet Enya. Papa seufzt. „Warte einen Moment, ich möchte gerade noch diesen Satz zu Ende schreiben“, antwortet Papa und tippt weiter. Enya setzt sich auf das rote Sofa, das in Papas Arbeitszimmer steht. Ihr ist ein wenig kalt, deshalb schnappt sie sich die Decke, die am Fußende bereit liegt. Papa hämmert hingebungsvoll auf der Tastatur herum. Lustig klingt das, fast wie ein Lied, denkt Enya und lauscht. Sie denkt sich einen Text dazu aus: Tipp, tipp, tipp, tipp – schnurrdiburr, Kätzchen tanzt auf der Tastatur. Schreibt dort viele Wörter hin, doch es liegt kein Sinn darin. Tipp, Tipp, Tipp, Tipp, schnurrdiburr, Kätzchen tanzt auf der Tastatur.
        So ein Lied beruhigt. So sehr, dass Enya richtig müde davon wird. Sie kuschelt sich ein und schließt die Augen. Es dauert nicht lange, da ist sie eingeschlafen. Und Papa? Der hat seine Tochter ganz vergessen. Natürlich nicht wirklich, nur so lange, bis Mama nach Hause kommt.
        Während die Eltern das Mittagessen zubereiten, blättert Enya im Tierlexikon, stellt fest, dass Spinnen acht Beine haben und macht eine wunderbare Zeichnung für den Sachunterricht. Das Stündchen Schlaf hat ihr gut getan und weil Papa ein schlechtes Gewissen hat, geht er am Nachmittag mit ihr zum Sportplatz, wo sie eine Runde bolzen. Klasse!

© Regina Meier zu Verl 2015
       



Kommentare:

  1. Liebe Regina,
    eine schöne und so lebensnahe Geschichte.
    "Noch diesen einen Satz!" Wie oft sagt oder denkt man das! Und dann kommt noch einer und noch einer...und man hat vergessen, was man noch tun wollte. Das war nicht böse von dem Papa gemeint und eigentlich muss er auch kein schlechtes Gewissen haben, denn seine Tochter ist ja eingeschlafen. Aber manchmal sind es auch wirklich wichtige Dinge, die wir dadurch vergessen oder verschieben.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid,
      danke für deinen Kommentar. Ja, oft ist es so, dass wir über Dinge hinwegkommen, die wir uns vorgenommen hatten oder gar versprochen und dann kam wieder was dazwischen ... husch, sind sie weg die Gedanken!
      Liebe Grüße dir
      Regina

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  2. Was für eine blühende Phantaise doch Enya hat und sich statt zu langweilen ein Lied gedichtet hat - ganz wunderbar - schnurrdiburra! ;-)

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    1. danke, Sophie,
      für dein SCHNURRDIBURR :)
      Herzliche Grüße
      Regina

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  3. Tipp, Tipp, Tipp, Tipp - schnurridiburr, Kätzchen tanzt auf der Tastatur, was für ein herrlicher Einfall, einfach eine wunderschöne Regina Geschichte.
    Machs gut und halt die Ohren steif, LGLore

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    1. Danke, liebe Lore,
      mache ich, haben wir ja so besprochen!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  4. Danke, Regina, sehr anschaulich beschrieben, ich war voll dabei. So ein Schläfchen tut gut und nachmittags dann tollen!

    Es ist gut, zu wissen, wo etwas zu finden ist ;)

    Alles Liebe
    Eva :)

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    1. Das stimmt, liebe Eva,
      danke für deinen Kommentar und liebe Grüße
      Regina

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  5. eine schöne Geschichte die lebendig war so wie wenn ich selbst die Enya wäre !
    Lieben Gruss Elke

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    1. Vielen Dank, liebe Elke!
      Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende
      herzliche Grüße
      Regina

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  6. Das ist eine sehr schöne Geschichte aus der Sicht eines kleinen Mädchens, das schon sehr schlau ist und sogar dichten kann.
    LG Elke

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    1. Vielen Dank, liebe Elke,
      für deinen Kommentar.
      Ich wünsche dir ein schönes sommerliches Wochenende
      Regina

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  7. Liebe Regina,
    lieb Deine Geschichte und so ein braves Kind. Gut, dass Papa seine Schande wieder gut gemacht hat und mit Tochterchen bolzen ging. LG Eva

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    1. Liebe Eva,
      die Enya, die ich beim Schreiben dieser Geschichte vor Augen hatte, ist auch so ein braves Mädchen, da konnte die Erzählung gar nicht anders verlaufen!
      Herzliche Grüße und danke
      Regina

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  8. He, jetzt hat mir Lore meinen Kommentar geklaut. Egal: Tipp, tipp, tipp, tipp – schnurrdiburr - ist dir eine ganz hervorragende Geschichte gelungen! Danke und LG! Martina

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    1. Also, das ist ja was, klaut die einfach deinen Kommentar, die Lore, ts ts ts
      Fröhliche Grüße
      Regina

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  9. Eine wunderschöne Geschichte, liebe Regina!
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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    1. Danke schön, meine Liebe,
      du pausierst ja momentan, ich hoffe, dass du alles schaffst, was du dir vorgenommen hast!
      Herzliche Grüße
      deine Regina

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  10. Liebe Regina,
    das ist eine Geschichte, wie sie jeden Tag vorkommen kann.
    Wunderschön lebensnah geschrieben. Schön, dass der Papa
    sich die Zeit am Nachmittag für die Kleine genommen hat.
    Einen geruhsamen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Vielen Dank, liebe Irmi,
      für deinen lieben Kommentar!
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und grüße dich herzlich
      Regina

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  11. Hallo, Regina,
    so ist es leider oft - die Kinder haben eine Frage oder eine Bitte, aber Mama oder Papa sind gerade so beschäftigt ... Es geht einem ja selber oft so. Man tut gerade irgend etwas, dann kommt jemand, der einen dabei stört, und man wird manchmal geradezu ungehalten...
    Aber Papa hat ja sein Nachlässigkeit am Nachmittag wieder gutgemacht und sich zum Ausgleich ganz seiner Tochter gewidmet.
    Eine schöne Geschichte. Vielen Dank dafür, und liebe Grüße
    Christine

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    1. Genauso ist das, liebe Christine,
      gut ist es dann, wenn man versucht es wieder gut zu machen, wie der Vater in der Geschichte. Ich versuche das auch immer, denn ich verspreche auch schonmal was, was dann im nächsten Moment im Gedankenfluss untergeht, blubb ...
      Herzliche Grüße und danke
      Regina

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  12. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, das Mittagsschläfchen hat gut getan und so geht es mit Papa gutgelaunt auf den Bolzplatz, schließlich hat er auch geschafft was er wollte.
    Gut geschrieben!
    Ein schönes Wochenende wünsche ich, Klärchen

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