Dienstag, 26. Mai 2015

Reizwortgeschichte: Stau auf der Autobahn



Spielteppich im Zimmer meines Enkels


Weitere Geschichten zu den Reizwörtern: 
Projekt, Schlafmütze, mürrisch, bedauernswert, stapfen
lest bitte hier:



Lore   Martina    Eva     Christine   EVA V 

Sophie



Stau auf der Autobahn

Papa trommelt nervös auf dem Lenkrad. Seit einer gefühlten Ewigkeit stehen wir im Stau. Ich finde das eigentlich ganz witzig, denn neben uns schleicht ein Auto im Schneckentempo voran, in dem ebenfalls Kinder auf der Rückbank sitzen. Meine Schwester Jule und ich machen uns einen Spaß daraus, uns gegenseitig mit Grimassen zu erfreuen. Die Kinder im Nachbarauto machen begeistert mit. Das geht natürlich nicht ohne Geräusche und je lauter wir werden, desto ärgerlicher wird Papa.
„Ruhe da hinten!“, ruft er mürrisch. Mama legt besänftigend die Hand auf seinen Arm. Doch das hilft nicht. Papa schimpft:
Schlafmützen, alles Schlafmützen da vorn. Können die denn nicht einfach weiterfahren?“
„Können sie nicht und nun beruhige dich. Der Stau wird sich schon irgendwann auflösen und dann sind es ja nur noch ein paar Kilometer bis nach Hause. Nimm noch einen Schluck Kaffee“, schlägt Mama vor.
„Papa, warum hast du nicht auf die nette Frau im Navi gehört?“, will ich nun wissen, denn die hatte schon am Beginn des Staus vorgeschlagen, die Autobahn zu verlassen. Papa tut so, als habe er meine Frage nicht gehört. Mama legt den Zeigefinger auf die Lippen. „Sei still!“, heißt das. Ich überlege. Warum muss ich still sein? Ich habe doch nur gefragt und möchte wissen, warum Papa einfach nicht hören kann, wenn man ihm doch einen guten Vorschlag macht.
„Die hat keine Ahnung!“, trompetet Papa jetzt und er macht ein Gesicht, als habe er heftige Schmerzen. Bedauernswert!
Ich ziehe es vor, keine weiteren Fragen zu stellen.
Meine Wasserflasche ist leer, kaum habe ich das bemerkt, meldet sich meine Blase. Das Wasser will raus.
„Ich muss mal!“, verkünde ich. Jule stimmt ein. „Ich auch!“
„Das hat uns ja gerade noch gefehlt!“, sagt Papa und sein Gesicht rötet sich. „Wir sind auf der linken Spur, kannst du mir mal sagen, wie ich da rüber kommen soll, damit wir den nächsten Parkplatz aufsuchen können?“
‚Hat er den Führerschein, oder ich?’, denke ich. Aber das sage ich lieber nicht.
„Halt noch ein bisschen durch“, bittet Mama und schlägt ein Spiel vor. „Wir suchen Reimwörter, ja?“
Mama wirft gleich das erste Wort in die Runde: „Was reimt sich auf Schule?“
„Jule!“, ruft Jule begeistert. „Ich bin dran: Was reimt sich auf Puppe?“
„Suppe!“ Mama ist wieder dran.
„Was reimt sich auf Eis?“
„Scheiß!“, ruft Papa und dafür bekommt er sofort einen Rüffel von Mama. „Jakob! Doch keine Schimpfwörter!“
Papa grinst. „Bin ich trotzdem dran?“
„Also gut!“ Mama ermahnt ihn noch einmal „vernünftige“ Wörter zu nehmen und Papa fragt: „Was reimt sich auf Zapfen?“
Stapfen!“, rufe ich eifrig und endlich bin ich auch dran.
„Was reimt sich auf Annette?“
„Toilette!“, ruft Jule und da meldet sich meine Blase wieder, heftiger diesmal und ich kann es kaum noch aushalten.
„Da kommt gleich ein Parkplatz!“ Mama kurbelt ihre Scheibe runter und deutet dem Wagen neben uns, dass wir rüber wollen in die rechte Spur. Der Fahrer nickt verständnisvoll. Es dauert ein bisschen, bis Platz genug ist, dass wir vor ihm einscheren können, doch nach fünf Minuten ist es geschafft, Wir verlassen die Autobahn und ich renne auf die Toilette. Tut das gut!
Als ich zurückkomme, unterhalten sich meine Eltern mit den Leuten, die uns vorgelassen haben. Die haben nämlich die Bahn ebenfalls verlassen. Schnell haben wir uns mir den Kindern angefreundet, schließlich hatten wir ja schon von Auto zu Auto jede Menge Spaß mit ihnen gehabt.
Nach einem ausgiebigen Picknick auf dem Rastplatz tauschen wir die Adressen aus, dann nehmen wir das Projekt „Heimreise“ wieder auf. Manchmal ist so ein Stau gar nicht schlecht, oder?

© Regina Meier zu Verl 2015



Kommentare:

  1. Danke, Regina, für Deine Stau-Geschichte.

    Wir waren am Sonntag unerwartet im Stau, der lief recht ruhig ab. Daher kamen wir eine Stunde zu spät zu einer großen Geburtstagsfeier.

    Alles Liebe
    Eva :)

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    1. Danke schön Eva,
      ist nicht schön, so ein Stau, aber wenn man ruhig bleibt, dann ist auch alles halb so schlimm!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Zuerst einmal an die die Anderen , ICH bin schuld, dass wir statt stopfen, stapfen genommen haben. Mea culpa!
    Liebe Regina, eine schöne Geschichte und zeigt, dass selbst ein Stau unterhaltsam sein kann.
    Und das schimpfen am Steuer das müssen alle Männer in den Genen haben, mein ruhiger Mann wurde am Steuer zum Rüpel. (grinsen)
    LGLore

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    1. Liebe Lore,
      zum rüpel werde ich zwar nicht, aber ich schimpfe auch - laut!
      Danke und liebe Grüße
      Regina

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  3. Liebe Regina,
    ich musste jetzt richtig lachen. Der Papa in der Geschichte hat mir gefallen, er erinnert mich an meinen Peter. Bestimmt hätte er dasselbe Reimwort gesagt und mit dem Navi streitet mein Mann ja auch immer. Selbst beim Thema Stau ist er nicht ganz unbeteiligt, wie man zum Beispiel im Familien ABC auf meinem Blog (www.lifetellsstories.de) nachlesen kann.
    LG
    Astrid

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    1. Liebe Astrid,
      ich habe es oben schon geschrieben: Ich schimpfe auch und ich rede mit dem Navi!
      Schmunzelgruß
      Regina

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  4. Liebe Regina, die Geschichte war keine Geschichte, sondern ein Erlebnis beim Autofahren. :-)
    Du musst sie erlebt haben, so echt hast du geschrieben. Alle Personen habe ich gesehen und frage mich bitte nicht, an wen sie mich erinnern ... :-)
    Danke für diese kurzweilige, schöne Geschichte.
    Wünsche dir noch eine schöne, wenn auch kurze Woche. Ganz liebe Grüße, Margot.

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    1. Danke schön, liebe Margot,
      stimmt, so oder ähnlich lief das bei uns ab, als wir noch mit unseren kleinen Kindern auf Reisen gingen. Nur das Navi hatten wir damals noch nicht!
      Liebe Grüße
      Regina

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  5. Hey Regina - ich war voll dabei so lebensnah hast du die Reise geschildert

    Ich die Ruhe in Person ;-) kriege beim Stau auch immer die Krise und "Blasenschwäche" - deswegen fahre ich wenn möglich immer von der Autobahn ab und tucker lieber stundenlang über die Landstrasse.

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    1. Liebe Sophie,
      ich fahre auch viel lieber auf der Landstraße, manchmal lässt es sich ja leider nicht vermeiden, die Autobahn zu benutzen.
      Herzliche Grüße
      Regina

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  6. Ja, ich war auch mit im Auto und weißt du was, ich musste auch ganz nötig - wie immer, wenn wir im Stau stehen. Herrlich geschrieben! LG Martina

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    1. Liebe Martina,
      ich halte ja durch von Gütersloh bis Basel - weil ich nicht gut auf fremde Toiletten gehen kann ... etwas hat sich das allerdings verbessert mit den WC auf Autobahnen, die sind doch sauberer als früher!
      Liebe Grüße
      Regina

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  7. Hallo Regina,
    sehr schön Deine Geschichte. So sollte es immer sein. In Zukunft erwarten wir ja immer mehr Staus auf unseren Straßen. Man sollte Stau- Kurse erschaffen, damit die armen Menschen keinen Schaden nehmen. Liebe Grüße Eva

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    1. Das ist eine gute Idee, liebe Eva,
      und ja, es wird merklich schlimmer mit den Staus, schade!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  8. Hallo liebe Regina, habe ich auch schon erlebt wie man gestresst, wenn man im Stau steht. Musste lächeln, denn da fallen mir auch tolle Geschichten ein. Lieben Dank und viele liebe Grüße von Gerda Reichhart

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    1. Liebe Gerda,
      schreib sie auf, deine Geschichten, sicher sind sie lustig zu lesen (auch wenn man in der Situation vielleicht gestresst oder gar betrübt ist).
      Danke und liebe Grüße
      Regina

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  9. Hallo, Regina,
    also, ICH finde Staus überhaupt nicht unterhaltsam - nicht einmal dann, wenn ich in einem Reisebus sitze und im Notfall die Bordtoilette benutzen kann ... im Übrigen hätte ich die gleiche Antwort gegeben wie Jakob! Ich gehöre zu denen, die ihre Erziehung vergessen, wenn sie im Stau stehen - im Sommer muss ich immer darauf achten, dass die Fenster zu sind. Andernfalls hätte ich schon mehrere Beleidigungsklagen am Hals ... **grins**
    Liebe Grüße, und vielen Dank für diese unterhaltsame Stau-Geschichte"
    Christine

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    1. Aber Christine,
      eine Dame flucht doch nicht (hihi). Danke dir und liebe Grüße
      Regina

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  10. Liebe Regina,
    eine schöne Stau-Geschichte ...wer hat es noch nicht erlebt , gerade in der Ferienzeit sind Staus ja vorprogrammiert ....
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und fröhlichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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    1. Stimmt, liebe Claudia,
      das haben sicher alle schonmal erlebt. Ich wünsche dir einen tollen Mittwoch und grüße dich herzlich
      Regina

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  11. Das ist eine schöne Stau-Geschichte mit einem schönen Ende.
    Staus auf der Autobahn mag ich gar nicht. Zum Glück stehen wir da recht selten drin. Mein Mann weicht lieber aus, soweit das geht. Möchtest du vielleicht einen Traumprinzen stricken? Dann kannst du bei mir das Buch dazu gewinnen.
    LG Elke

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  12. Tolle Geschichte! Wenn man nicht am Steuer sitzt, kann man einem Stau vielleicht noch was abgewinnen. Ich bin meistens Beifahrerin und habe Muse mir die Kennzeichen anzusehen und zu überlegen, was sie bedeuten. Ich kenne so ziemlich alle :)
    LG Petra

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