Mittwoch, 13. Mai 2015

Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag




Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag

Der kleine Apfelschimmel Zwiebelchen steht auf der Wiese. Er lässt sich das frische Gras schmecken. Es ist eine Freude, ihm dabei zuzuschauen. Ab und zu schüttelt er seine zottelige Mähne, dann sucht er weiter mit seinem weichen Maul nach dem leckeren Grün.
Na, Zwiebelchen, ist es dir nicht zu langweilig, so allein hier?“, fragt Jonas, der vor dem Mittagessen schnell noch einen Besuch bei seinem Freund macht.
„Schau her, ich habe dir etwas mitgebracht!“ Jonas holt eine trockene Brotscheibe aus seiner Hosentasche. Die hat er in der Küche stibitzt.
„Mama mag dich auch sehr gut leiden, deshalb ist es sicher nicht so schlimm, dass ich das Brot genommen habe. Weißt du, meine Mama ist die beste Mama von allen!“, erzählt er dem Pferd, das genüsslich kauend zuhört.
„Wo ist eigentlich deine Mutter? Schade, dass du mir nicht antworten kannst. Vielleicht sollte ich den Bauern mal fragen.“ Jonas setzt sich ins Gras. Die Sonne meint es schon gut an diesem Tag in Mai. Endlich kann man wieder ohne Jacke nach draußen gehen. Wunderbar. Alles fühlt sich so leicht an. Jonas lässt sich zurückfallen ins weiche Gras, und es dauert gar nicht lange, da ist er eingeschlafen.
Er träumt von Zwiebelchen, der mit seiner Mutter, einer hübschen Schimmelstute auf der Wiese steht. Es sieht so aus, als ob die Pferde miteinander reden. Jonas lauscht. So gern möchte er wissen, worüber sie sprechen. Aber er kann nichts verstehen. Als sich eine Fliege auf Jonas’ Nase setzt, muss er niesen. Die Pferde erschrecken und galoppieren davon. ‚Bleibt doch!’, ruft Jonas. Doch mit schwebender Leichtigkeit sind sie über das Gatter gesprungen und verschwinden im Wald. Jonas läuft ihnen nach, immer weiter und weiter. Er verliert sie aus den Augen, denn sie sind viel schneller als er. Erschöpft lässt er sich auf den Waldboden fallen. „Mama!“, ruft er, denn es ist dunkel im Wald und er hat sich verlaufen. „Mama!“
„Hier bin ich!“, sagt eine helle Stimme. Jonas öffnet die Augen und schaut in das Gesicht seiner Mutter. Erleichtert springt er auf.
„Oh Mama, ich habe wohl geträumt; im Traum habe ich mich verlaufen …“
Die Mutter nimmt Jonas in den Arm.
„Glücklicherweise bist du nur eingeschlafen. Ich habe dich gesucht und plötzlich hörte ich dich rufen. Da bin ich wohl zur rechten Zeit gekommen.“
„Ja, das bist du. Ich hatte solche Angst! Das arme Zwiebelchen hat keine Mutter, die immer da ist. Mama, ich habe dich so doll lieb!“
Mama lächelt. Ihr Jonas ist ein wunderbarer Junge.
„Zwiebelchen kann schon ganz gut allein auf sich aufpassen und ein bisschen kann ich ja auch seine Mutter sein, wie findest du das?“
„Gute Idee! Und weil doch am Sonntag Muttertag ist, machen wir dann alle zusammen ein Picknick hier, Zwiebelchen, du und ich, okay?“

© Regina Meier zu Verl

Kommentare:

  1. Liebe Regina,
    danke für eine wieder sehr schöne Geschichte!
    Ich wünsche Dir noch einen schönen sonnigen Nachmittag und einen schönen Feiertag morgen!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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    1. Guten Morgen und danke schön, liebe Claudia,
      ich wünsche dir ebenfalls einen schönen Feiertag und grüße dich herzlich
      deine Regina

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  2. Zwiebelchen ist ein sooo süßer Name! Unser 'Zwiebelchen' heißt Flocki und steht in der Wiese nebenan - und das nun schon seit bald 30 Jahren. Er kann kaum noch sehen und auch nur wenig hören, doch er wirkt immer noch ganz zufrieden. So ein Picknick würde ihm sicher auch gefallen - mit Möhren und Äpfel und tollen Leckereien! Danke für die schöne Geschichte! LG Martina

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    1. Danke Martina,
      ja, ich fand den Namen auch schon immer schön und er passt auch gut, weil in seinem Schimmelfell auch zwiebelrote Strähnchen sind, ganz ohne Friseur (oder heißt das bei Pferden etwas Pfriseur?)
      Liebe Grüße
      Regina

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  3. Liebe Regina, so schön, Deine Geschichte. Es ist so wichtig, dass Kinder mit Tieren zusammen groß werden. Ist das nicht fürchterlich, wenn sie nur aus Büchern z.B. ein Pferd kennen. Liebe Grüße Eva

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    1. Das stimmt, liebe Eva,
      ich wohne ja auf dem Lande und hier haben die Kinder noch alle Möglichkeiten, die Tiere kennen zu lernen. Gut so!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  4. Mir gefällt der Name "Zwiebelchen" auch sehr gut, auf den ersten Blick passt er gar nicht und dann muss ich sagen, doch er passt :)

    Liebe Grüße und schöne alltagserinnerungen
    Björn :)

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    1. Hallo Björn, Zwiebelchen ist ja unser Pony, er hat rote zwiebellaubähnliche Strähnen in seinem sonst weiß-beigen Fell, daher der Name.
      Danke dir und liebe Grüße
      Regina

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  5. Obwohl ich sie schon kannte, war es doch wieder schön die Geschichte zu lesen, du schreibst einfach wunderbar. LGLore

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    1. Danke schön, liebe Lore,
      das freut mich, dass sie dir gefällt!!!! Sehr!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  6. Liebe Regina
    all deine Geschichten enthalten viel zum extra darüber nachdenken,
    Kinder machen sich so viele Gedanken die so wichtig sind - sie zu wissen - um sie zu verstehen.
    Kinder und Tiere im ländlichen bereich möglich, in der Stadt fehlen sie oft, außer die Eltern hätten Hunde oder Katzen, oder gar ein Häschen im Hinterhaus, sie lernen damit Verantwortung zu übernehmen und die Vierbeiner zu respektieren...
    eine schöne Geschichte ist dies wieder heute von dir....
    sehr empfehlenswert sind diese gedanken...
    dir einen schönen Tag mit Sonnenschein..
    angel

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    1. Liebe Angel,
      danke für dein liebes Kompliment, das tut gut und motiviert mich zum Immerweiterschreiben!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  7. Liebe Regina, zuerst möchte ich dich wieder in deiner Heimat begrüßen. Frisch und erholt kannst du wieder ins Volle gehen, wie ich es auch an deiner Geschichte lese. Deine Geschichten sind für mich immer etwas Besonderes, sie sind mit viel Liebe ausgestaltet und lebensnah. Vielen Dank. Wünsche dir einen wundervollen Feiertag, im Kreise deiner Familie.
    Ganz liebe Grüße, Margot.

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    1. Liebe Margot,
      vielen dank für deine lieben Worte! Ja, ein wenig Urlaub tut so gut und erfrischt. So habe ich nun wieder jede Menge neue Ideen für Geschichten und freue mich, dass ich so treue Leser habe. Herrlich!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  8. Liebe Regina,
    eine ganz besondere Muttertagsgeschichte hast Du Dir ausgedacht. Richtig hübsch und herzlich! Es hat Freude gemacht diese Geschichte zu lesen.
    LG
    Astrid

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    1. Vielen dank, liebe Astrid,
      ich freue mich, dass dir die Geschichte gefallen hat!
      Herzliche Grüße
      Regina

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Ich freue mich über jeden Kommentar. Nicht immer schaffe ich es, alle Kommentare zu beantworten, ich bitte um Verständnis!