Dienstag, 28. April 2015

Reizwortgeschichte: Birkengrün und Hexenbesen

 


Hier ist meine Geschichte zu den heutigen Reizwörtern. Weitere Geschichten lest bitte bei:

Lore   Martina    Eva     Christine   EVA V

Aberglaube - Verlegenheit - tadeln - fragen - unmöglich

Birkengrün und Hexenbesen

"Sie sehen heute so verändert aus, meine Liebe! Es ist Ihr Haarkleid, das in der Sonne wie der junge Frühling strahlt!" Die Eiche schaut ihre Nachbarin, die Birke, bewundernd an.
"Wie reizend von Ihnen, Sie bringen mich in Verlegenheit, liebe Nachbarin!" Die Birke reckt sich  und wenn sie könnte, dann würde sie sich eine wenig nach rechts und dann wieder ein wenig nach links drehen, damit ihre feinen Zweige von allen Seiten zu sehen wären.
"Ich muss ja leider noch warten, meine Krone ist noch kahl. Aber es kribbelt in den Knospen, lange wird es nicht mehr dauern", stellt die Eiche fest, dann schmeichelt sie weiter:
"Und Ihre Haut, die ist silberhell und glatt. Ich kann mich gar nicht satt sehen an Ihrer Schönheit. Darf ich sie etwas fragen?"
"Aber sicher, fragen Sie nur!"
"Wussten Sie, dass früher die Hexen ihre Besen aus ihren Zweigen hergestellt haben? Mir hat es neulich ein Rabe erzählt, der lange bei einer Hexe gelebt hat."
Die Birke hüstelt, sie ärgert sich.
"Was ist das für ein Unfug? Ein alter Aberglaube! Gehört habe ich davon auch schon, aber es ist nichts Wahres dran. Sie sollten es doch besser wissen, sie haben doch die Weisheit des Alters, oder etwa nicht?", tadelt sie die Eiche.
"Sie sind wirklich unmöglich! Bei jeder Gelegenheit weisen Sie auf mein Alter hin. Das tut man nicht, schon gar nicht unter Freunden!" Nun ist die Eiche ebenfalls verstimmt.
Eine Weile schweigen beide, dann räuspert sich die Eiche und nimmt die Unterhaltung wieder auf.
"Ich wollte Ihnen nur ein Kompliment machen und sie gehen mich so an. Das ist nicht fair."
"Schönes Kompliment, wenn sie sagen, dass meine Zweige nur für Hexenbesen taugen!", mäkelt die Birke.
"Habe ich ja gar nicht gesagt. Ich habe das neue Grün bewundert, mehr nicht!"
Die Birke überlegt einen Moment und besinnt sich dann. Die Eiche hat ja wirklich nur ganz nette Sachen zu ihr gesagt und dass ihr der Rabe so einen Blödsinn erzählt hat, dafür kann sie nichts.
"Sollen wir uns wieder vertragen?", fragt sie deshalb, denn plötzlich wird ihr klar, dass sie es nebeneinander noch lange miteinander aushalten müssen. Sie sind sich nicht ähnlich, aber sie sind beide Bäume und die müssen doch zusammenhalten, oder?

© Regina Meier zu Verl 2015

Kommentare:

  1. Schön, welche Geschichte(n) doch aus fünf kleinen Wörtern entstehen kann / können.
    Ja, Nachbarn sollten sich vertragen. Das ist nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei Tieren und sogar bei Pflanzen der Fall.
    Die liebe Birke macht mir mit ihren Pollen etwas zu schaffen, denn wie sich herausgestellt hat, bin ich allergisch gegen diese und andere Pollen.
    Danke, dass Du für Deine Leser so eine schöne Geschichte geschrieben hast.
    LG
    Astrid

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  2. Danke, Regina, für Deine Geschichte über die Bäume. Wieder was gelernt, das von den Hexenbesen wußte ich nicht :)

    Alles Liebe
    Eva :)
    https://evasgeschichten.wordpress.com/

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  3. eine wunderschöne Geschichte, die Birke sieht wirklich so glitzernd aus und ich mag sie sehr auch wenn ich genauso wegen ihren Pollen kämpfen muss von ihr.
    Das hast du mal wieder toll geschrieben.
    Lieben Gruss Elke

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  4. Liebe Regina,
    Deine Geschichte gefällt mir super! Auch wenn ich mit den Pollen der Birke (und vermutlich auch noch anderen) seit 3 Jahren so meine Probleme habe, mag ich sie sehr. Und die Idee mit dem Hexenbesen passt in diese Woche - am Donnerstag geht's ja wieder rund ... **grins**.
    Genial, was für tolle Beiträge die paar Reizwörter immer hervorbringen ...
    Liebe Grüße
    Christine

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  5. Bald ist ja wieder Walburgisnacht, da fliegen die Hexen. Ich finde es immer wieder schön, wie sich "deine Bäume" unterhalten können.
    LG Elke

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  6. Wenn es zwischen Menschen zu einem Streit kommt, dann gehen sie oft auseinander. Den beiden hier war das ja nicht möglich - umso besser, dass sie sich wieder vertragen haben. Eine schöne Geschichte hast du uns da wieder geschrieben! Danke! Martina

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  7. Liebe Regina,
    danke für eine wieder sehr schöne Geschichte!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  8. Liebe Regina, du hast eine wunderschöne Geschichte geschrieben. Die Unterhaltung zwischen den Bäumen, kann auch zwischen den Menschen passieren. Ich musste Lachen, weil ich so eine Geschichte mit den Komplimenten, schon zwischen Menschen erlebt habe. Vielen Dank. :-)
    Wünsche dir noch eine schöne Woche. Herzliche Grüße, Margot.

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  9. Bäume müssen zusammenhalten, auch wenn es in den Knospen kribbelt.
    So süss ist die Geschichte!!
    Liebe Grüsse, Klärchen

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  10. Liebe Regina, bin über die Sprache der zwei Bäume begeistert, wie im richtigen Leben. Liebe Grüße Gerda Reichhart.

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  11. Ich liebe Birke, vieleicht habe ich ja in einem früheren Leben einen Besen durch sie bekommen (grinsen) Raben aber mag ich nicht so besonders, aber dafür schwarze Katzen, Hilfe jetzt komm ich in grübeln.
    Wenigstens werde ich durch ihre Pollen nicht geplagt, ein Glück. LGLore


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  12. Liebe Regina, wunderschön deine Geschichte. Gut, dass sie sich wieder vertragen haben. Wie man weiß, ist das bei den Pflanzen auch nicht immer der Fall.
    Liebe Grüße Eva
    PS Schönen Urlaub wünsche ich dir.

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