Dienstag, 20. Januar 2015

Reizwortgeschichte: Julius und sein Schneemann



Schneemann, Traum, rasen, kichern, weinen

„Einmal nur möchte ich eine bunte Blumenwiese sehen, das ist mein größter Traum!“, sagt der Schneemann zu Julius, der ihn gebaut hat.
Traurig antwortet der Junge: „Das geht nicht, deine Zeit ist der Winter. Wenn die Sonne wärmer wird, dann wirst du schmelzen!“
„Du hast mich gebaut, also bist du doch mein Vater, stimmt’s?“, fragt der Schneemann.
Julius kichert.
„Das könnte man so sagen!“
„Väter tun alles für ihre Söhne, oder?“
„Alles, was sie können!“, stimmt Julius zu.
„Dann mach, dass ich auf einer Blumenwiese stehen kann!“ Der Schneemann wird immer energischer und Julius immer stiller. Wie soll er seinem Schneemann den Wunsch erfüllen? Er hat keine Idee.
„Mein Vater tut auch alles für mich, aber manche Wünsche kann auch er nicht erfüllen!“
„Es ist aber doch mein einziger Wunsch!“, erwidert der Schneemann.
„Also gut, ich überlege mir was. Aber jetzt muss ich ins Haus, Papa hat schon zum Essen gerufen!“
Als Julius mit seinem Papa am Küchentisch sitzt, fragt er:
„Du, Papa, wenn ich nur einen einzigen Wunsch hätte, würdest du mir den erfüllen?“
„Wenn ich das könnte, dann würde ich es tun. Was wünscht du dir denn?“
„Ach, eigentlich geht es gar nicht um mich, sondern um einen Freund!“
„Erzähl doch mal!“
„Mein Freund der Schneemann draußen wünscht sich auf einer Blumenwiese zu stehen!“
„Wie soll das gehen, es ist doch Winter!“
„Das habe ich ihm auch gesagt, aber er meint, dass es sein einziger Wunsch sei und den möchte ich ihm so gern erfüllen!“, sagt Julius traurig und eigentlich will er gar nicht weinen. Doch da ist es schon passiert, die Tränen kullern die Wangen hinunter.
Papa reicht ihm ein Taschentuch, das er aus der Hosentasche gezaubert hat.
„Mama hätte bestimmt eine Idee“, jammert er. Doch Mama ist nicht da, sie macht eine Kur im Schwarzwald und ist ganz weit weg.
„Vielleicht hätte sie das. Ruf sie doch am Abend mal an!“, schlägt Papa vor.
Plötzlich beginnen Julius’ Augen zu leuchten. Er rast in sein Zimmer und ist in nullkommanichts wieder da. In der Hand hat er ein Bild von Mama.
„Ich hab’s!“, ruft er. „Abends wünsche ich mir immer, dass Mama bei mir ist. Da sie aber nicht kommen kann, nehme ich ihr Bild und schaue es so lange an, bis mir ganz warm wird, vor lauter Liebe und dann geht es mir gleich besser!“
„Das ist schön! Aber was hat das mit dem Schneemann zu tun?“
„Ich male ihm ein Bild und auf dem Bild steht er auf einer bunten Blumenwiese. Das ist dann fast so, als wäre es wahr!“
Papa ist stolz auf seinen Julius und es rührt ihn beinahe zu Tränen, wie klug und gefühlvoll der kleine Mann ist.
Nachdem die beiden den Tisch abgeräumt haben, hilft Papa dabei, ein wunderbares Bild zu malen und später bringt Julius es in den Garten, zu seinem Schneemann. Papa knipst ein Foto vom Schneemann, Julius und dem Blumenwiesenbild und das schicken sie dann zu Mama.
Die wird sich freuen!




© Regina Meier zu Verl 2015



Weitere Geschichten lest bitte hier:





Kommentare:

  1. Liebe Regina, ach wie goldig und Ideenreich deine Geschichte geworden ist, ich drück mir gerade ein Tränchen trocken, danke für diese schöne Geschichte und ich möchte mich für deinen Besuch auf Mondguckerwelt herzlichst bedanken und freue mich dass meine Geschichten dir auch gefallen.
    Ich wünsche dir einen schönen Tag!
    Lieben Gruss Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Elke,
      danke für deinen lieben Kommentar. Ich komme gern in deine Mondguckerwelt und betrachte die schönen Bilder zu deinen Geschichten.
      Herzliche Grüße
      Regina

      Löschen
  2. Liebe Regina,
    eine schöne, auch rührende Geschichte mit einer guten Idee am Ende.
    LG Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank, liebe Elke!
      Es freut mich, dass dir die Geschichte gefallen hat!
      Herzliche Grüße
      Regina

      Löschen
  3. Oh, liebe Regina, da hatte der Julius wahrlich eine grandiose Idee!! Ich hatte mir schon während des Lesens überlegt, wie der Junge wohl aus dieser Situation herauskommen würde. Auf diesen Schluss war ich nicht vorbereitet! Wirklich ganz großartig! Danke für die tolle Geschichte! LG Martina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke schön, liebe Martina,
      ich wusste das anfangs selbst nicht, dann hat es sich entwickelt.
      Herzliche Grüße
      Regina

      Löschen
  4. Mit ein wenig Nachdenken sind sie letztlich alle zufrieden :)
    Schöne Geschichte.

    Liebe Grüße
    Björn :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank, lieber Björn,
      am schönsten ist es ja, wenn die Kinder die Lösung selbst finden, denn die kommt meist vom Herzen!
      Herzliche Grüße
      Regina

      Löschen
  5. Hallo liebe Regina,
    was für eine süße und anrührende Geschichte! Ich danke Dir dafür!
    Ich wünsch Dir noch einen gemütlichen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke schön, meine liebe Claudia,
      ich freu mich, dass dir die Geschichte gefallen hat!
      Herzliche Grüße am Mittwoch
      deine Regina

      Löschen
  6. Danke, Regina, für die berührende Geschichte! Eine schöne Idee mit der Zeichnung :)

    Alles Liebe
    Eva :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke schön, liebe Eva,
      ich habe Lukas gebeten, ein Bild dazu zu malen. Gestern war er aber nicht in Malstimmung!
      Herzliche Grüße
      Regina

      Löschen
  7. Ach wie schön liebe Regina, eine zauberhafte Geschichte. Da wird einem warm ums Herz.

    Liebe Grüße
    Angelika

    AntwortenLöschen
  8. Liebe Regina,
    ich kann mich den anderen Kommentaren nur anschließen!
    Eine tolle Idee, dem Schneemann seinen Wunsch nach einem Blumenbeet zu erfüllen. Damit habe ich beim Lesen ganz und gar nicht gerechnet!
    Liebe Grüße
    Christine

    AntwortenLöschen
  9. Eine süße Geschichte, liebe Regina. :-)
    Und ich liebe Schneemänner. :-)

    Liebe Grüße,
    Martina

    AntwortenLöschen
  10. Eine schöne Geschichte, liebe Regina und eine wunderbare Idee mit perfekter Lösung.
    Hab einen schönen Sonntag.
    LG Gaby

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar. Nicht immer schaffe ich es, alle Kommentare zu beantworten, ich bitte um Verständnis!