Samstag, 13. Dezember 2014

Opa erzählt von den leuchtenden Sternen



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Opa erzählt  von den leuchtenden Sternen

Lina krabbelte auf den Schoß ihres Opas.
            „Erzählst du mir noch einmal die Geschichte von den Zimtsternen?“, bat sie ihn und ihre kleinen Händchen streichelten zärtlich sein Gesicht.
            „Wenn ich so nett verwöhnt werde, dann kann ich ja gar nicht anders!“ Opa Günter schmunzelte, trank einen Schluck Tee und dann begann er:
            „Einmal, vor langer Zeit, da geschah etwas, von dem die Menschen, die es miterlebt hatten noch lange geredet haben. Ich war damals zehn Jahre alt. Es war das Jahr 1948.“
            „Kanntest du da die Omi schon?“, fragte Lina neugierig.
            „Aber nein, ich war doch noch ein Kind, nur ein paar Jahre älter als du es jetzt bist, genaugenommen drei Jahre älter.“
            „Ach so, das ist schon so lange her – jetzt erzähl weiter!“
            „Kleines Fräulein Ungeduld, es geht ja schon weiter. Also: Du kennst das ja, wenn der Abendhimmel so rot ist, dann backen die Engel Plätzchen für das Weihnachtsfest. Im Dezember 1950 war das auch so. Im Himmel war ein reges Treiben in der Backstube. Die Menschen waren nach den Kriegsjahren ausgehungert und freuten sich auf Himmelsgebäck, denn darauf hatten sie lange verzichten müssen. Die Engel hatten alle Hände voll zu tun, aber trotzdem waren sie fröhlich und sangen Weihnachtslieder während der Arbeit. Einer von ihnen, der kleine Gabriel …“
            „Ich habe auch einen Gabriel in meiner Klasse, der ist aber blöd!“, rief Lina dazwischen.
            „Der kleine Gabriel war aber gar nicht blöd, er wollte den Menschen, besonders den Kindern, eine Freude machen und er überlegte, wie er das anstellen sollte. Er war gerade dabei Zimtsterne aus einer riesigen Teigplatte auszustechen und auf ein Backblech zu legen. ‚Die Sterne sind lecker, aber es fehlt ihnen das Besondere!’, dachte er und plötzlich hatte er eine Idee, wie er den Sternen das ganz besondere Etwas hinzufügen konnte.“
            „Das durfte er aber doch gar nicht, oder?“ Lina war ganz aufgeregt, denn sie wusste ja, wie es weitergehen würde.
            „Nein, das durfte er nicht – aber ist es nicht so, dass wir alle mal etwas tun, was uns eigentlich nicht erlaubt ist?“, fragte Opa und lächelte.
            „Stimmt, ich bin gestern ins Bett gegangen, ohne meine Zähne zu putzen!“, verriet ihm Lina schuldbewusst.
            „Siehst du! Gabriel meinte es ja nur gut, er wollte die Kinder überraschen und deshalb hat er die Teigsterne mit einer winzigen Prise Sternenstaub bestäubt. Du weißt ja, dass er mit dem Staub die Sternchen am Himmel zum Leuchten brachte, wenn ihnen die Kraft ausging.“
            „Ja, das weiß ich. Gabriel wollte dann die Zimtsterne zum Leuchten bringen, oder?“
            „Ja, genau! Und so kam es, dass auf unseren Weihnachtstellern Zimtsterne lagen, die zunächst ganz normal aussahen, aber je dunkler es wurde, desto besser konnte man ihr Strahlen erkennen. Du kannst dir sicher vorstellen, wie erstaunt wir waren. Es war ein Wunder, ein richtiges Wunder!“
            „Ihr habt die Sterne doch wohl nicht aufgegessen, Opa?“
            „Erst viel später, nachdem sie ihre Leuchtkraft verloren hatten. Sie haben so gut geschmeckt, das kannst du dir sicher vorstellen!“
            „Ja, das kann ich. Wie gern würde ich auch einmal solche Zimtsterne sehen. Ob der kleine Gabriel wohl noch einmal auf so eine Idee kommt?“
            „Damals wollte er den Menschen einfach eine große Freude machen, denn viele von ihnen hatten Familienangehörige verloren und sie waren traurig und arm. Heute haben wir alles, was man sich wünschen kann, genug zu essen und trinken, eine warme Wohnung und zu Weihnachten gibt es sogar Geschenke!“
            „Wir haben es so gut, Opa! Wir brauchen gar keine leuchtenden Zimtsterne, wir haben ja uns!“
            Lina drückte dem Opa einen feuchten Kuss auf die Wangen, dann hüpfte sie von seinem Schoß und flitzte in die Küche, Zimtsterne holen, für Opa und für sich.

© Regina Meier zu Verl

Kommentare:

  1. Ich liiiieeebe diese Geschichte!!! Sie ist sooooo schön!!! Zum Dahinschmelzen!!!
    Danke, dass du sie mit uns teilst - und einen ganz schönen 3. Advent! Martina

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    1. Danke schön, liebe Martina,
      ich wünsche dir und deinen Lieben ebenfalls einen schönen 3. Advent!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Danke liebe Regina für die schöne Geschichte. Wahrscheinlich habe ich Sternenstaub in die Augen bekommen, denn nach dieser Geschichte leuchten sie. :-)
    Wünsche dir einen wundervollen 3.Advent. Liebe Grüße, Margot.

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    1. Danke schön, liebe Margot,
      ich freue mich über deine leuchtenden Augen! Hab einen schönen Tag!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  3. Wunderschön, Regina! Auf DIE Idee muss man erst mal kommen ...
    Liebe Grüße und einen besinnlichen 3. Adventssonntag!
    Christine

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    1. Danke schön, liebe Christine,
      manchmal fliegen sie mich an, die Ideen. Dann heißt es nur sie schnell aufzuschreiben, damit sie nicht wieder davon fliegen!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  4. wie schön und rührend vom Sternenstaub zu erfahren.. ach herrlich diene Geschichte!
    Danke für diese wunderbare Geschichte.. ich wünsche dir einen schönen 3 Advent!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Vielen Dank, liebe Elke,
      ich freue mich, dass dir die Geschichte gefällt!
      Herzliche Grüße an dich
      Regina

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  5. Was für eine schöne Geschichte liebe Regina, danke.

    Einen schönen 3. Advent und liebe Grüße
    Angelika

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    1. Danke schön, liebe Angelika,
      ich wünsche dir auch einen schönen 3. Advent!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  6. Liebe Regina, ein Dankeschön dir weil sie wieder wunderschön ist deine Geschichte hier. Sie ist so zärtlich gestaltet wie der Opa der Lina von den Zimtsternen erzählt und sie sich mit einem Streicheln von Opas Wangen bedankt. Da werde ich ja ganz rührselig.
    Herzliche Grüße Gerda R.

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  7. Zimtsterne die leuchten, was für eine wunderbare Idee und das Leuchten nach dem bitteren Krieg drang in alle Herzen.
    Weihnachten bedeutet eben auch Hoffnung!

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