Donnerstag, 4. Dezember 2014

Felix und der Weihnachtsbaum




Felix und der Weihnachtsbaum

Felix schlich durch die Wohnung. Seine Menschen schliefen längst. Er aber war hellwach und wusste nichts mit sich anzufangen. Zum Mäusejagen war er viel zu faul und draußen war es bitter kalt. Es hatte schon die ganze Woche heftig geschneit, im Vorgarten stand eine Schneemannfamilie und die war ihm nicht so ganz geheuer. Noch ein Grund, sich nicht allzu lange im Garten aufzuhalten. Wer weiß, ob sich diese Schneemenschen nicht doch einmal rührten und ihn dann jagten.
Der Vatermensch hatte auf dem Weg zum Haus Salz gestreut, das brannte so furchtbar an den Pfoten. Besonders die wunde Stelle, die er sich bei einem Revierkämpfchen mit dem dicken Mozart zugezogen hatte, schmerzte gewaltig.
Mozart war sowieso ein ganz blöder Kater. Seine Menschen verhätschelten ihn so, weil er angeblich hochmusikalisch war und die kleine Nachtmusik in und auswendig kannte. Dabei klang das so schauerlich, wenn er sang, dass Felix sich die Ohren mit den Pfoten zuhalten musste.
Im Wohnzimmer stand seit ein paar Tagen der Baum, den Alina und ihre Mutter festlich geschmückt hatten. Felix umrundete ihn und stupste mal hier, mal da mit der Pfote an. Das klingelte so lustig und in den Kugeln spiegelte sich das Licht der Fenstergirlanden.
Am Abend hatte der Vatermensch gesagt, dass Weihnachten schon bald vorbei ist. „Nur noch ein Tag“, hatte er geseufzt.
Wenn Weihnachten nun bald vorbei wäre, dann könnte Felix doch wagen, den Engel mit dem Rauschehaar dort oben von der Spitze zu holen. Er umrundete den Baum ein weiteres Mal, um zu prüfen, an welcher Seite er am besten hinauf kommen könnte.
Man könnte zuerst auf den blauen Sessel, dann auf das Kaminsims und anschließend auf den Baum springen. So müsste es gehen.
Felix sprang auf den Sessel, aufs Kaminsims, auf den Baum … der wackelte gewaltig und er piekte entsetzlich. Felix konnte sich nicht halten und zappelte und quiekte. Der Baum fiel um und Felix fiel direkt neben das Jesuskind, das da in der Krippe schlief.
Verdutzt blieb er dort liegen und schon regte sich das schlechte Gewissen. Was würden wohl die Menschen sagen, wenn sie die Bescherung am Morgen entdeckten?
Vorsichtshalber blieb neben der Krippe liegen, hier würde ihn niemand entdecken, denn über dem Stall lag ja der Baum.
Richtig gemütlich war das, fast wie im Wald und es duftete herrlich. Felix schlief ein und schlummerte selig. Er träumte von Katzendamen mit goldenem Engelhaar, die ihn zärtlich beschnupperten und wurde unsanft geweckt, als der Vatermensch den Baum anhob und mit lauter Stimme rief: „Nun sieh sich einer diesen Schlingel an. Zuerst kippt er den Baum um und dann sucht er Schutz beim Christkind!“
Alina und ihre Mutter kamen in die Stube und hielten sich die Bäuche vor Lachen. Nur eine einzige Kugel war zerbrochen und keiner war so richtig böse auf ihn. Felix streckte sich und maunzte und ließ sich dann von Alina ein wenig kraulen. Sie war zwar keine Engelskatze, aber auch ganz schön und vor allem sehr zärtlich.
Und der dicke Mozart saß draußen auf der Fensterbank und wurde vor Neid ganz blass.

© Regina Meier zu Verl
 



Kommentare:

  1. Da hat der Felix aber sehr gutmütige Menschen um sich herum. Gott sei Dank ist ihm nichts passiert. Aber ob er wirklich Streicheleinheiten verdient hatte, der kleine Schlingel?!? LG Martina

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  2. Eine wirklich schöne Geschichte, konnte ich mir so richtig bildlich vorstellen wie der Felix da so herumschlich - Glück hatte er noch dazu, in vielen Familien wäre da ein Donnerwetter gefolgt, aber wenn er so unschuldig am Kripperl schläft - wer könnte da schon schimpfen ;)

    Liebe Grüße
    Björn :)

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  3. Meine liebe Regina,
    eine wunderschöne Geschichte! Ich mußte schmunzeln, denn ich konnte mir das Treiben von Felix so gut bildlich vorstellen, und wie er dann in dem Wirrwarr so friedlich geschlummert hat :O)
    Ich wünsch Dir einen schönen und gemütlichen Aabend!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  4. Sehr schön bildhaft geschrieben. Der Kater weiss wo es gemütlich ist, man verzeiht in dieser Zeit und auch sonst
    Adventliche Grüsse, Klärchen.

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  5. Was für eine herrliche Geschichte, die ich zwar schon kannte, aber immer wieder schön zu lesen.
    Besonders der Kater Mozart und die kleine Nachtmusik? Muss ja schauerlich klingen, hihiii

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