Mittwoch, 17. Dezember 2014

Eine Geschichte in Berndeutsch, Der alt Hans u d Wienachtsböim

Meine Geschichte vom alten Johann  und den Weihnachtsbäumen habe ich euch vor ein paar Tagen vorgestellt. Nun hat sich eine Blogfreundin, die ich schon aus den Anfängen meiner Bloggerzeit kenne, die Mühe gemacht, diese Geschichte in "Berndeutsch" zu übersetzen.
Ich habe sie mir gestern Abend laut vorgelesen und viel Freude daran gehabt. Da ich auch Verwandte in der Schweiz habe, kenne ich die Sprachmelodie und kann vieles verstehen. Da ich ja meine Geschichte kenne, erschloss sich mir das Unbekannte aus dem Kontext. Ich finde das sehr spannend, weil sich auch viele Elemente im "Plattdeutschen" wiederfinden.
Marianne hat mir erlaubt, ihre Übersetzung hier zu zeigen - ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und vielleicht verirrt sich ja hier der ein- oder andere Schweizer, der sich über eine Geschichte in Berndeutsch freut.



Der alt Hans u d Wienachtsböim

Sy Gschlächtsname hei mer gar nid kennt. Mir hei ihm alli 'der alt Hans' gseit.

Won i no chly bi gsy, han i chli Angscht gha vor ihm. Sys Gsicht het usgseh wine verschrumpflete Öpfel. Er het geng Gumistifel anne gha u wen er mit öpperem het gredt, hei er syni riisige Händ i der Chuttetäsche versteckt.
I ha ne nid verstande, wül er Plattdütsch u schützlech undütlech gredt het. Myni Mueter het de meischtens begriffe was er het wölle, wen er se mal aagsproche het.

Im Advänt isch der alt Hans vo Huus zu Huus ggange u het sech derby es paar gueti Sache abgläschelet, won er de Tier im Wald het wölle bringe. Er het immer nume für d Tier bbättlet, nie für sech sälber. D Dorfbewohner hei das gwüsst und ihm Öpfel, Höi, Haber und anderi gueti Sache gschänkt, won er de i Wald bbracht het.
Einisch hei ne der Vater und i begleitet. Es isch am Heilige Aabe gsy. Wi's denn isch gsy, vergissen i nie.

Es het gschneit u dick ygmummelet sy mer em Hans in Wald nachegloffe. Der Vater het es Bünteli Höi ufem Rügge treit und e Chorb am Arm, wo d Mueter mit Öpfel und Nüss het gfüllt gha. Der alt Hans het e grosse Sack gschulteret gha und i my Rucksack het mer d Mueter für d Vögel es Päckli Sunnebluemechärne, Hirsechörner und allerlei Saame packt gha. Mir sy lang düre Schnee gstapfet bis der alt Hans isch blybe sta u der Sack abgleit het. Er het es paar verschrumpfleti Öpfel uspackt, mit em Schrubezijer es Loch i se bboret und e Fade derdüürzoge, di beide Fadeändi zämeknüpplet u di bsundere Wienachts-Chugle ane Tannezweig ghänkt. Gly het ei Chugle nach der andere dä Boum u mänge wytere Boum gschmückt. Eh, het das schön usgseh!!

Ds Höi hei mer a de trochene Plätzli unger de Böim verteilet, d Saame u d Nüss übere Schnee gströit. Drufabe het my Vater e Dechi ufemne Boumstamm usbbreitet u mir hei e Bächer heisse Tee trunke. Mmmh, isch das öppis Guets, het der alt Hans gschwärmt u vo eim Ohr bis zum andere grinset. Derby isch sys Gebiss zum Vorschyn cho. Es het nume no us drei Zähn bestande, wo im Muu es einsams Dasy gfrischtet hei.
D Mueter het is Ankeschnitte ypackt gha, wo mer mit grossem Appetit verschlunge hei. Mit jedem Bys isch der alt Hans gsprächiger worde u vo denn aa han i o ke Angscht meh gha vor ihm. I allem, won er is verzellt het, het sech syni grossi Liebi zu de Tier zeigt. Wär d Tier e so gärn het, mues doch o es guets Härz ha.

Der alt Hans läbt jitz scho mängs Jahr nümme. I dänke vil ane, bsunders i der Adväntszyt. Denn gangen i mit myne Ching i Wald u mir schmücke d Böim mit Öpfel u Nüss. D Bursch hei di schöni Tradition gärn, genau win i. Natürlech nähme mer denn o Tee mit u Güetzeli.
 "Mmmh, isch das öppis Guets!"rüefe si de albe bevor merheigö u zämethaft singe mer ds Wienachtslied "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter."

* * *
nach einer Geschichte von Regina Meier zu Verl, übersetzt von Marianne Chopard (Danke, liebe Marianne!)

Kommentare:

  1. Liebe Regina
    Ganz herzlich bedanke ich mich für deine lieben einleitenden Worte zu meiner übersetzten Geschichte. Auf Reaktionen darf man gespannt sein. - Mit lieben Grüssen! Marianne

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    1. Liebe Marianne,
      bis heute wurde die Geschichte 25 Mal angeklickt und hoffentlich auch gelesen. Über die nachfolgenden Kommentare freue ich mich sehr und ich bin gespannt, wie meine Verwandten in der Schweiz das finden werden, wenn sie demnächst Weihnachtspost von mir erhalten werden!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Eine nette Geschichte, die uneingeschränkt zu verstehen ist. Und dieser alemannische Dialekt hat - wie ich finde - seinen ganz eigenen Reiz, der der Geschichte zusätzlich förderlich ist. Klasse!

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    1. Danke schön, lieber Drago,
      ich freue mich sehr über deine lieben Worte. Ich finde auch, dass die Sprache für die Geschichte förderlich ist und vielleicht übersetzt Marianne demnächst weitere Geschichten.
      Liebe Grüße
      Regina

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  3. Ich finde auch, man kann sich gut einlesen. Okay, ich gebe zu: Das man die Geschichte schon kannte, war sicher hilfreich. Am besten liest man sie wirklich laut. Klasse gemacht! LG Martina

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    1. Danke schön, Martina,
      ich habe das immer so gemacht, wenn ich einen plattdeutschen Text lesen wollte, laut! Das macht einen ungeheuren Spaß und man versteht viel besser, was da geschrieben steht.
      Liebe Grüße
      Regina

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  4. Liebe Regina,
    das ist eine so schöne Geschichte! War auhc gar kein Problem mit dem Verstehen :O)
    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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    1. Danke schön, liebe Claudia
      und ganz herzliche Glückwünsche zum 1000 - ten Post in deinem tollen Blog. Ich komm nachher nochmal vorbei!
      Herzliche Grüße
      deine Regina

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  5. Eine tolle Idee! Allerdings verstehe ich doch ein wenig Spanisch :-) .

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    1. Hihi, liebe Gaby,
      du verstehst also Spanisch - ich habe anfangs, wenn ich "meine" Schweizer besucht habe auch immer Spanisch verstanden, aber dann habe ich mich "reingehört" in die Mundart und verstehe heute doch schon viel mehr. Sie dürfen allerdings nicht so schnell sprechen ....
      Liebe Grüße
      Regina

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