Dienstag, 2. September 2014

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte.

Das ist die 5. Geschichte aus der Reihe von Treckergeschichten, die ich für Lukas geschrieben habe. Er liebt diese Geschichten so sehr und hilft mir auch dabei, wieder neue Ideen aufs Papier zu bringen.

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (5)

Mein Bauer, der Josef, hat mir versprochen, mich am Sonntag mit zum Bauernmarkt zu nehmen. Da sind wir früher auch immer gewesen. In den letzten zwei Jahren allerdings hat er mich nicht mitgenommen, sondern den dicken Grünen.
Ich verstehe das nicht, habe ich denn als Ältester keine Vorrechte, so wie der Großvater auf dem Bauernhof? Der darf doch auch alles machen, was ihm Spaß macht. Na ja, fast alles!
Geduld ist nicht meine Stärke, ich kann es nicht erwarten, bis endlich Sonntag sein wird. Dabei sollte ich in meinem Alter doch gelernt haben, dass nicht alles von jetzt auf gleich geht. Gelassenheit, die würde ich mir wünschen. Aber im Motorherzen bin ich immer noch Kind geblieben und das will ich auch gar nicht anders haben.
„Na, mein Kleiner, freust du dich?“, fragt der Josef und tritt mit Schwung an einen der dicken Hinterreifen.
„Aua, das tut doch weh!“, rufe ich.
„Wollen wir doch mal testen, ob du genug Luft hast für eine Spazierfahrt!“, sagt er noch und schon ist er auf die andere Seite gelaufen und tritt nochmal zu.
„Aua!“, kreische ich, aber das stört den Josef nicht die Bohne. Nie hören sie einem zu, meinen immer, dass sie alles besser wissen. Er hätte mich ja nur fragen müssen, ich weiß genau, wie es um meine Luft bestellt ist.
„Alles in Ordnung!“, bemerkt Josef. Habe ich ja gesagt, alles ist okay mit mir. Bis auf den Staub, den müsste mal einer abputzen, am liebsten wäre es mir, wenn der kleine Lukas das machte, denn der ist immer so vorsichtig, weil er mich doch liebt. Das hat er mir jedenfalls gesagt und darauf bin ich besonders stolz. Wenn seine kleinen Hände mich putzen, dann ist das ein so angenehmes Gefühl, dass ich am liebsten wie eine Katze schnurren würde. Aber ich will Lukas nicht erschrecken.
Und tatsächlich, am Samstag kommt mein kleiner Freund. Er hat eine Arbeitshose an und die Gummistiefel und schon geht die Schönheitspflege los. Jetzt verstehe ich auch, warum Josefs Frau immer so gern zum Friseur geht. Ich werde abgespült und eingeschäumt und dann wieder abgespült und dann trocken gerieben. Heiliger Auspuff, ist das gut! Jeden Tag könnte ich das genießen. Aber morgen geht es ja nun erst einmal auf den Bauernmarkt, mit Josef und Lukas. Die Frauen und Großvater kommen mit dem Auto nach.
Am nächsten Tag versammeln sich alle in der Scheune. Ich bekomme noch ein schönes Schild, auf dem steht wie ich heiße, wann ich geboren bin und wie lange ich schon bei Josef lebe. Dann steigt Josef auf, Lukas lässt sich auf den Kindersitz plumpsen und schon geht es los. Mit lautem Getöse und voller Übermut hupend erreichen wir das Gelände, auf dem der Markt stattfindet.
Wohlwollend betrachten mich die Menschen. Ich werde gestreichelt und gelobt. Ist das schön! Das ist wie pflügen, säen und ernten am gleichen Tag, einfach nur traktorisch genial.
Eine anmutige junge Dame interessiert sich besonders für mich. Sie ist Lukas' Freundin aus dem Kindergarten und möchte gern mal eine Runde mitfahren.
Dagegen habe ich nichts einzuwenden, schließlich fährt man nicht jeden Tag eine solche Schönheit durch die Gegend. Sie hat ein bisschen Angst, aber Lukas nimmt ihre Hand und hilft ihr beim Hochklettern.
„Ich pass schon auf sie auf“, flüstert er mir zu und dann fährt der Josef mit seiner kostbaren Fracht los, eine ganze Rund ums Gelände.
Ein schöner Tag war das, denke ich, als ich am Abend wieder in meiner Scheune stehe.
„Lasst mich nicht so lange warten, bis ich wieder gebraucht werde!“, bitte ich leise und dann schlafe ich ein, so erschöpft bin ich.

© Regina Meier zu Verl

Kommentare:

  1. Ach Regina, was für eine schöne Geschichte vom roten Trecker und Lukas durfte ihn waschen und schön machen für die Ausfahrt.
    Prima auch, dass du die ersten vier verlinkt hast, wenn ich etwas mehr Zeit habe, dann will ich sie mir noch mal durchlesen, weiß ja jetzt wie ich schnell dorthin komme.
    Schön unser Gespräch eben, hat mir gut getan und nun noch viele liebe Grüße, Lore

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  2. Ich hatte die anderen Geschichten schon mal gelesen, habe sie mir aber gerade noch mal durchgelesen,
    man vergisst ja so manches wieder. Aber die Geschichten sind so schön, wie alle die ich von dir gelesen habe.
    Vielen Dank dafür und mach wieter so. Ich jedenfalls freue mich jede Woche auf alle eure Geschichten.
    LG Christa

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  3. Eine lustige Sache, der Traktor als Hauptperson in einer Geschichte. Die anderen werde ich mir auch noch durchlesen.
    LG Elke

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  4. Schöne Geschich!te über den Traktor und all die andren!

    Schön, sogar die Kindergartenfreundin durfte mitfahren, da war Lukas sicher sehr stolz :)

    Alles Liebe
    Eva :)

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  5. Ui, da wird sich der Lukas aber freuen, dass du ihm wieder eine soooo schöne Geschichte geschrieben hast. Doch leider, leider ist dir ein gaaaanz grober Fehler unterlaufen :-)!!! Der k-l-e-i-n-e Lukas??? Das geht so nicht!!! Er ist doch schon ein Schulkind!!! Also, die Stelle musst du unbedingt ändern, sonst hast du es dir schnell mit deinem Enkel verdorben!!!! Einen schönen Tag und danke für die tolle Trecker-Geschichte! Martina

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  6. Hallo Regina
    So sang und klanglos kann man an Deinen Bauernhof Geschichten nicht vorbei gehen, die sind so gefühlvoll geschrieben. Der alte Traktor wird sich freuen wenn auch die Kommentare an ihn denken.
    Lieben Gruß Joachim

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  7. Hallo Regina,

    ich bin ein großer Fan dieser Traktorgeschichte (bei uns sagt man "Bulldog" dazu).
    Mit meinem Ferdinand durch die Landschaft zu tuckern ist für mich immer noch eine große Freude,
    auch wenn dabei keiner mehr arbeiten muss ;)

    Liebe Grüße
    Björn :)

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  8. Hallo, meine liebe Regina,
    ich liebe Deine Geschichten vom kleinen Trecker und habe sie wieder mit großer Freude verschlungen! Da werd ich nochmal Kind.......
    Ich danke Dir dafür und freu mich schon auf die nächste Geschichte vom kleinen Trecker!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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  9. Liebe Regina
    was für eine tolle schöne Geschichte eines kleinen Trecker und bis zum Schluss lächelte ich mit was er alles erlebte!
    Wunderschön und so lebendig erzählt wie wenn ich der Treccker selber bin und alles so spüre...
    Schönen Abend wünsche ich dir!
    Lieben Gruss Elke

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  10. Hallo liebe Regina,
    so eine schöne Geschichte von dem kleinen Trecker. Diese muss ich unbedingt mal meinem Enkel vorlesen. Es liebt Trecker!
    Viele liebe Grüße
    Tina

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  11. Heiliger Auspuff ... der Tag ist mit diesem Ausruf gerettet .. Toll Regina, wiedermal, deine Treckergeschichte.
    Gruß vonner Grete

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  12. Liebe Regina, musste lächeln, als ich mir vorstellte, dass diese Bulldogg - Geschichte deinem Enkelchen Lukas für Freude bereitet, wenn ich mich schon so freue. Danke dir und dir ganz liebe Grüße von Gerda Reichhart.

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