Dienstag, 10. Juni 2014

Reizwortgeschichte: Die Katzenmutter und das Brathähnchen



Wolke, Duft, leben, wohltuend, öffnen

Die Katzenmutter und das Brathähnchen

Die Menschen nennen mich Streuner. Das klingt abfällig, finde ich. Sie haben keine gute Meinung von mir, deshalb habe ich auch kein Problem damit, sie zu bestehlen.

In einem alten Baumstamm am Feldrand habe ich einen Platz für mich und meine drei Kinder gefunden. Dort leben wir sicher, aber es geht uns nicht gut. Wir haben Hunger. Meine Milch reicht nicht mehr für die Kinder. Kraftlos bin ich und abgemagert. Mich plagen Zecken. Irgendwie aber muss ich für meine Drei sorgen. Ab und zu wage ich es, zu den Gärten der Zweibeiner zu gehen und dort nach Nahrung zu suchen.

Meine feine Nase ist mir dabei eine große Hilfe. Gerade jetzt, im Sommer, nehme ich herrliche Düfte wahr. Toll ist es, wenn gegrillt wird. Da findet sich oft ein Leckerbissen, den ich dann nach Hause tragen kann. Ich darf mich nur nicht erwischen lassen.



Einmal fand ich ein ganzes Bratwürstchen. Wie herrlich das roch! Das Wasser lief mir im Maul zusammen. Wie gern hätte ich es an Ort und Stelle verspeist. Dann aber kamen mir meine Kinder in den Sinn und ich verzichtete, obwohl ich am Morgen nur ein winzig kleines Mäuschen gefressen hatte. Für die Kleinen hatte es nur ein paar Tröpfchen Milch gegeben und ich musste sie jämmerlich vor Hunger maunzend zurücklassen. Das tut einer Mutter weh, sehr weh. Die Kinder haben sich so sehr gefreut, als ich das Würstchen mitbrachte, es war eine Freude, sie beim Fressen zu beobachten.



Heute habe ich wohl kein Glück, seit Stunden schon versuche ich, etwas Essbares zu ergattern. Nichts! Es ist zum Verzweifeln, eine dicke Wolke hängt über diesem Tag. Mein Magen knurrt so laut, dass ich mich nicht einmal mehr in die Nähe von Menschen wagen kann.

Doch manchmal öffnen sich Türen, wo man es nie vermutet hätte. Heute ist das der Fall beim Restaurant „Zum sanften Heinrich“. Ein Büffet vom Allerfeinsten wird dort angeliefert, sicher findet eine große Feier statt. Die Türen des Lieferwagens sind geöffnet, der Fahrer trägt gerade ein Tablett in den Hintereingang. Ich springe auf die Ladefläche, schaue mich kurz um und entscheide mich für ein halbes Brathähnchen. Das ist groß genug und leicht zu transportieren.

Als ich meine Kinder mit dem Festmahl erreiche bin ich stolz auf mich. Es ist wohltuend für meine Seele, den Kleinen beim Fressen zuzuschauen. Auch für mich bleibt noch ein wenig übrig und nachdem wir alle ein wenig geschlafen haben, gibt es auch als Nachtisch wieder etwas Milch für die Kinder. Für heute sind wir satt und zufrieden. Was uns der morgige Tag bringen wird, das werden wir dann sehen. Es geht immer irgendwie weiter. Stimmt doch, oder?



© Regina Meier zu Verl


Lore              Martina                     Eva 

Ich weiß nicht, ob er schon in dieser Woche dabei ist, auf jeden Fall demnächst gibt es auch bei Jörg Reizwortgeschichten ...   Jörg

Kommentare:

  1. Ach was für eine zu Herzen gehende Geschichte, Mutterliebe pur, hoffentlich findet Streuner morgen wieder so ein herrliches sättigendes Mahl für sich und ihre Kinder. LGLore

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    1. Danke schön, liebe Lore,
      ich werde das beobachten!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. rührende Tiergeschichte und ich denke auch an manch Menschenherz der Mütter die ihre Kinder über die Runde bringen müssen und so ähnelt es im Leben der Streunermutter genauso und wie schwer sie es haben...
    Mitgefühl den Katzen die kein Zuhause haben!
    Toll erzählt!

    Lieben Gruss Elke

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    1. Vielen Dank, liebe Elke!
      Ja, nicht nur Katzemnmütter haben es schwer, es gibt so viele Familien, denen es ähnlich geht.
      Herzliche Grüße an die Nordsee
      Regina

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  3. Meine liebe Regina,
    was für eine rührende Geschichte! Ja, irgendwie geht es immer weiter!
    Ich wünsch Dir einen schönen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße , Deine Claudia ♥

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    1. Danke schön, liebe Claudia,
      ja, es geht immer irgendwie weiter, man darf nur die Hoffnung nicht verlieren. Manchmal finden sich ja auch mitfühlende Menschen, die verwilderte Katzen füttern. Ich wünsche es meiner Streunerin auch.
      Herzliche Grüße
      deine Regina

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  4. Danke, Regina - Mutterliebe und Tiere, wunderschön!

    Alles Liebe
    Eva :)

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    1. Vielen lieben Dank, Eva :)
      Herzliche Grüße
      REgina

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  5. Liebe Regina, es ist eine herrliche Geschichte, die zu Herzen geht.
    Ja, es geht immer weiter, und es ist gut so.
    Liebe Grüße und einen schönen Tag, Margot.

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    1. Stimmt, liebe Margot
      und das ist gut so!
      Danke für deinen lieben Kommentar,
      liebe Grüße
      Regina

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  6. Wunderschöne Geschichte - vielen Dank dafür LG Christa

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    1. Danke schön, liebe Christa,
      ich freue mich sehr über deinen lieben Kommentar
      liebe Grüße
      Regina

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  7. Liebe Regina,
    eine traurig schöne Geschichte. Unsere verwöhnten Stubentiger
    wissen gar nicht, was es heißt, für sich und drei kleine Kätzchen zu sorgen.
    Danke für diese Geschichte.
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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    1. Ich danke dir, liebe Irmi,
      für deinen lieben Kommentar!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  8. Das war ja am Ende noch ein richtiges Festmahl für die armen Kätzchen, eine schöne Geschichte.
    LG Elke

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  9. Eigentlich eine ganz traurige Geschichte, auch wenn sie für heute ein gutes Ende hat ..... und sie kann auch für Menschen stehen .... und als Mutter muss man immer weiter machen lg Renate

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