Dienstag, 17. Juni 2014

Reizwortgeschichte: Jan und der Wackelpudding



WaldmeisterVorsatz grün – buntrupfen

Jan und der Wackelpudding



Meine Familie ist ein wenig anders, besonders Mama. Aber ich sollte uns zuerst einmal vorstellen, damit man sich ein Bild machen kann.

            Also, da ist zunächst einmal Papa, unser Familienvorstand, wie er sich selbst gern nennt. Papa ist Lehrer an einer Berufsschule. Wenn er nach Hause kommt, dann hat er vom Lehren genug. Er lässt sich in seinen Sessel plumpsen und macht ein Schläfchen. Dabei dürfen wir ihn nicht stören, denn nach seinem Ruhestündchen ist er plötzlich kein Lehrer mehr, sondern einfach Papa. Das ist gut so. Er spielt mit mir und hat auch meist Lust, etwas zu unternehmen, wenn er nicht gerade Klassenarbeiten bewerten muss oder kurz vor den Zeugnissen steht.

            Meine Schwester Lena ist gerade in der Pubertät. Das muss eine schlimme Krankheit sein, denn sie hat sich völlig verändert seitdem. Ab und zu ist sie ganz bunt im Gesicht, vor lauter Schminke, die sie über ihre Pickel schmiert. Grauslich sieht das aus. Mama sagt, dass ich sie einfach in Ruhe lassen soll, denn sie stehe im Moment neben sich, was immer das auch bedeuten soll.

Stundenlang liegt sie auf ihrem Bett und starrt das Telefon an und wehe, wenn ich mal etwas fragen möchte, dann braust sie auf und schreit und kreischt. Ich hatte den festen Vorsatz, sie einfach nicht mehr anzusprechen, manchmal vergesse ich das leider. Dann schaut sie mich an, als wolle sie mich auffressen.

            Deshalb ziehe ich es vor, mit Olli zu spielen. Das ist unser Hund, eine putzige Promenadenmischung. Mama hat ihn aus dem Tierheim geholt. Aber das ist schon lange her, Olli ist praktisch schon ein Senior. Genau wie Opa, der auch bei uns wohnt. Opa erzählt mir Geschichten und die scheinen ihm nicht auszugehen. Ich mag besonders die Geschichten von früher, als Opa noch ein Junge war.

            Jetzt komme ich zu Mama. Meine Mama kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben. Deshalb erzähle ich am besten, was letzte Woche bei uns passiert ist. Dann merkt ihr selbst, was bei uns so abgeht.

            Ich hatte Wandertag in der Schule, den ganzen Tag. Papa war wegen der Zeugniskonferenzen ebenfalls den ganzen Tag außer Haus und Opa besuchte einen alten Freund. Sie wollten zusammen Karten spielen. Lena hatte sich nach der Schule mit Jan verabredet, sie wollten sicher wieder knutschen.

Mama war also allein zu Haus und sie tat das, was sie am allerliebsten tut, wenn keiner da ist, sie räumt um. Wir kennen das schon. Küche und Esszimmer gefielen ihr nicht mehr. Da musste eine Veränderung her. Sie hat also kurzerhand das Esszimmer ausgeräumt und die Wände grün gestrichen. An den Fenstern wurden grün-gelbe Gardinen angebracht und die neuen Stuhlkissen strahlten in frischem Gelb. Da die Küche offen ist zum Esszimmer hin, wurden auch hier die Wände grün gestrichen und alle Dekorationen ausgetauscht. Sie muss sich dabei ganz schön angestrengt haben, denn sie sah aus wie ein gerupftes Huhn, als ich nach Hause kam.

            „Ich habe eine Überraschung, Jan!“, rief sie, als ich die Haustür öffnete. „Was ist es denn?“, fragte ich neugierig.

            „Waldmeister-Wackelpudding, der passt so schön zur neuen Küchendeko!“, stolz präsentierte sie mir ihr Werk und ich staunte Bauklötze. „Na, wie findest du es?“

            „Klasse, Mama. Ich weiß zwar nicht, ob es Papas Geschmack ist, aber ich bin begeistert!“, lobte ich sie und meinte es auch ganz ehrlich. Natürlich freute ich mich auch auf den Pudding, der im Moment noch als Dekoration auf dem Tisch stand.

            „Im Kühlschrank steht eine Extraportion für dich“, verkündete Mama. „Ich zieh mich schnell um, bevor Papa kommt!“ Sie verschwand in der oberen Etage und ich machte mich über den Pudding her. Ich liebe Waldmeister-Geschmack, aber ich finde, dass Mama ruhig  noch ein paar gelbe Tupfen an die Wand machen könnte, dann wäre alles stilecht, wegen der Vanillesoße, die für mich unbedingt dazu gehört.

            Lena hat von all dem nichts mitbekommen, die verschwand nämlich heulend in ihrem Zimmer. Papa, der meine Mama wirklich liebt, hat das Grün einfach nur phänomenal gefunden und Opa hat sich wohl nicht getraut, seine Meinung dazu zu sagen. Er ist ja froh, dass er uns hat, da kommt es nicht auf die Farbe an, nicht wahr?



© Regina Meier zu Verl



           

Lore           Martina           Eva






Kommentare:

  1. Eine ganz tolle Familie, bei der könnte ich mich auch wohl fühlen. Und Waldmeister-Wackelpudding ist klasse und mit Vanillesoße sensationell gut - auch wenn er bei mir nicht unbedingt zur Kücheneinrichtung passt! Herrliche Geschichte, liebe Regina!

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    1. Liebe Martina,
      zu meiner Küche passt nur Karamellpudding und den mag ich nicht.
      Liebe Grüße
      Regina (und danke schön!)

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  2. Wenn du mich sehen könntest, ich lache nur noch, erstens die bunte Lena in der Pubertät, dann die grünwütige Mama, die sogar den grünen Wackelpudding stilvoll an die Küche anpasst.
    Arme Famile, ob es wohl in Zunkunft nur noch Spinat, Brokkoli, Rosenkohl usw, gibt.
    Herrlich deine Geschichte, bei dieser Familie möchte sofort einziehen.
    Nun gehe ich ein Häuschen weiter zu Martina, mal sehen wie die den Waldmeister verarbeitet hat.
    Kichernde Grüße, Lore

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    1. Liebe Lore,
      stimmt, Broccoli und rosenkohl würden auch gut passen und alles (bis auf den Wackelpudding) ist soooo gesund!
      Liebe Grüße
      Regina

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  3. ja der Jan und die Mama ich habe erst gestern eine Portion davon gegessen mhm lecker da wäre mir auch die grüne Farbe egal gewesen mit den Tupfer da gebe ich ihm recht wäre passend gewesen aber deine Familie von Jan ach bisschen verrückt aber doch ganz normal und schön alle in einem Haus vor zu finden.. eine tolle Geschichte hast du aus den einzelnen Wörtern gemacht!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Danke schön, liebe Elke,
      ich freue mich, dass dir meine Familie gefällt, asuch wenn sie ein wenig verrückt ist! Ich bekomme gerade schon wieder Puddinghunger, diesmal auf Rote Grütze!
      Liebe Grüße
      Regina

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  4. Tolle Idee, Regina, ich stell mir das Grün und Bunte durch Deine Worte so richtig vor!

    Alles Liebe
    Eva :)

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    1. Danke schön, liebe Eva,
      bei dir konnt ich es erschnuppern, das Waldmeistergrün!
      Liebe Grüße
      Regina

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  5. Tolle Geschichte, da bekommt man direkt Appetit auf Waldmeisterpudding.
    LG Christa

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    1. Danke schön, liebe Christa,
      wenn es ginge, dann würd ich dir hier ein Schälchen hinstellen, mit Vanillesoße!
      Liebe Grüße
      Regina

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  6. Zimmer ausräumen und streichen, würde ich nicht allein schaffen, aber eine neue Deko und Wackelpudding schon. Eine wunderbare Geschichte, es grünt so gün...
    LG Elke

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    1. ...wenn Sapniens Blüten blühen - DANKE, liebe Elke,
      jetzt habe ich einen Ohrwurm, aber einen netten!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  7. Meine liebe Regina,
    was für eine schöne Geschichte! Die merk ich mir für den Tag, an dem wir das Wohnzimmer neu streichen wollen, dann mach ich auch Wackelpudding hinterher *lach*,
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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    1. Liebe Claudia,
      Wackelpudding gibt es ja in vier Farben, in grün, rot, gelb und orange - ist deine Farbe denn wohl dabei?
      Liebe Grüße
      deine Regina

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  8. Liebe Regina,
    jetzt habe ich Tränen gelacht. Ich stelle mir gerade vor, wenn mein
    Mann nach Hause gekommen wäre und ich hätte alles grün gestrichen.
    Deine Geschichte ist so herzerfrischend. Danke dafür.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Und ich danke dir für jeden Lacher und jedes Freudentränchen, das dir die Geschichte beschert hat, das motiviert zum Weitermachen!
      Danke liebe Irmi und herzliche 'Grüße
      Regina

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