Dienstag, 15. April 2014

Reizwortgeschichte: Was Bea von Oma so lernen kann



Operette, Amtsschimmel, grübeln, schwitzen und lachen

Was Bea von Oma so lernen kann

Oma ist zu Besuch bei uns. Sie bleibt für ein paar Tage, weil es Mama gerade nicht so gut geht.
„Auf Oma ist Verlass!“, sagt Papa immer und das stimmt auch.
„Sie ist eine bemerkenswerte Frau, deine Mutter!“ Das ist Mamas Meinung und ich kann beiden nur zustimmen.
Oma ist klasse und wenn sie bei uns ist, dann gibt es die leckersten Sachen zu essen. Nicht, dass Mama nicht kochen kann, nein, aber Oma kocht anders. Mir schmeckt es immer sehr gut.
Ich glaube, dass es daran liegt, dass Oma etwas verschwenderischer mit Zucker und Fett umgeht. Das ist nicht so gesund, aber lecker.
Stundenlang steht sie in der Küche und wenn ich kann, dann bin ich bei ihr. Mit Oma zusammen zu kochen, das ist nämlich ein ganz besonderes Erlebnis. Sie kocht nicht nur, sie singt auch und wir lachen gemeinsam und schwitzen vor Eifer, wenn wir zwischendurch ein Tänzchen zu Omas Musik wagen.
Ich liebe Musik, habe auch schon einen Blockflötenkurs gemacht. Dabei ist es erstmal geblieben, aber irgendwann, dann suche ich mit ein Instrument aus, das ich dann erlernen kann. Noch bin ich nicht ganz sicher, welches es werden wird, denn Oma bringt mich immer wieder auf neue Ideen.
Mama löst im Wohnzimmer Kreuzworträtsel und ich bin bei Oma in der Küche.
Heute singt Oma Operettenlieder, die mag sie besonders gern. Ich kann schon einige mitsingen.
Zum Beispiel das Lied von der Juliska aus Budapest. Oma fängt an:
Die Juliska, die Juliska aus Buda-Budapest, die hat ein Herz voll Paprika, das keinem Ruhe lässt…
Und wenn dann die Stelle kommt, wo es heißt: „Joi, Joi Mama, was die alles kann, die zieht genau wie ein Magnet die Männerherzen an“ da setze ich ein, ganz kräftig und das Joi Joi, das macht mir riesengroßen Spaß.
„Ja, ja, meine liebe Bea“, sagt Oma. „Wenn du so weiter machst, dann wirst du auch mal eine Sängerin und singst dann in der Oper!“
„Na ja, ich weiß nicht so richtig. Oper ist langweilig, sagt Papa immer!“, wende ich ein. Aber Oma ist anderer Meinung.
„Dein Vater mag keine Opern, weil er sich damit noch nie beschäftigt hat. Ich habe ihm das leider auch nicht beibringen können.“, erklärt Oma. und dann grübelt sie darüber nach, was wir kochen wollen.
„Ich habs!“, ruft sie plötzlich, dann macht sie Mi-mi-mi-mi, zum Stimme aufwärmen und dann geht es los:
„Salzburger Nockerln, Salzburger Nockerln
süss wie die Liebe und zart wie ein Kuss
Salzburger Nockerln, Salzburger Nockerln
sind wie ein himmlischer Gruss“
Ich bin begeistert, ich mag Salzburger Nockerln so gern. Gemeinsam richten wir alles her, singen noch ein bisschen dazu, aber getanzt wird heute nicht mehr.
„Dann fallen mir noch die Nockerln zusammen, das wäre fatal!“, meint Oma.
„Mama!“, ruft Mama aus dem Wohnzimmer. Sie meint natürlich Oma, aber das ist ja ihre Mama.
„Mama!“, ruft sie da schon wieder. Oma grinst, sie ahnt schon, was kommt.
„Bin ja schon unterwegs“, ruft sie und eilt ins Wohnzimmer. Ich hinterher.
„Hilf mir mal: ich suche einen Begriff mit 12 Buchstaben für „Behördliche Umständlichkeit“.“
Oma überlegt.
„Hast du schon Buchstaben?“, fragt sie.
„Ja, der erste ist ein A, dann sind drei leere Felder, dann ein S und hinten ein L.“
„Dann passt „Bürokratie“ nicht, aber Moment“, Oma zählt mit den Fingern ab und strahlt:
Amtsschimmel passt!“, jubelt sie und Mama freut sich.
„Ja, passt genau. Ein altes Wort, nicht wahr?“
„Es passt aber immer noch!“, meint Oma und dann flitzt sie wieder in die Küche, gerade rechtzeitig, denn die Nockerln sind schon goldbraun und es riecht so köstlich, dass mir das Wasser im Mund zusammenläuft.
Zu den Nockerl gibt es eingemachte Pflaumen, die hat Oma von zu Hause mitgebracht.
Mit vollem Mund, was mir einen bösen Blick von Mama einbringt, frage ich dann noch mal nach:
„Wann kommt denn unser Amtsschimmel nach Hause?“ Schließlich arbeitet mein Papa ja bei der Stadt und oft sagt Mama, dass dort lauter Bürokraten arbeiten.
„Bea, das ist kein freundliches Wort!“, sagt Mama entsetzt. „Sag das bloß nicht zu Papa!“
„Aber Mama, du hast doch selbst …“ Ein Blick in Mamas Gesicht sagt mir, dass ich den Rest des Satzes lieber verschlucken sollte. Da habe ich schon mal was verstanden und dann ist es auch wieder nicht richtig!

© Regina Meier zu Verl

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Kommentare:

  1. Liebe Regina,
    es ist eine wunderschöne Geschichte, wieder aus dem Leben geschrieben. Sie gefällt mir sehr gut ... :-))
    Danke.
    Liebe Grüße, Margot.

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    1. Danke schön,. liebe margot,
      das freut mich sehr!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Guten Morgen liebe Regina,

    wie lange habe ich von Marika Rökk und Peter Alexander nichts mehr gehört. Mit ihrer Musik bin ich aufgewachsen. Deine nette Geschichte erinnert mich daran, mal wieder ihrer Musik zu lauschen und dabei zu träumen.

    Einen schönen Tag und liebe Grüße

    Anita

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    1. Danke, liebe Anita,
      schön, dass ich dich anregen konnte, die alten Klassiker mal wieder anzuhören.
      Herzliche Grüße
      Regina

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  3. Liebe Regina,
    eine sehr schöne Geschichte, vor allem mit dem lustigen Ende. Das ist ja so eine Sache mit dem, was wir Erwachsenen so in Gegenwart von Kindern sagen. Da muss man schon vorsichtig sein, besonders wenn die Kleinen gerade sprechen lernen.
    LG Elke

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    1. Danke schön, liebe Elke,
      stimmt, man sollte genau überlegen, was man sagt. Auch bei uns gab es schon viele Situationen, in den die Kinder Dinge "mitbekommen" haben, die für ihre Ohren eigentlich nicht bestimmt waren. Manchmal ist es aber witzig, was sie daraus machen!
      Liebe Grüße
      Regina

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  4. Meine liebe Regina,
    Du hast den Amtsschimmel super eingebaut :O) Ich mußte zum Schluß richtig lachen! Danke!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Deine Claudia ♥

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    1. Danke schön, liebe Claudia,
      ich freu mich immer, wenn ich meine Leser zu Lachen bringen konnte!
      Liebste Grüße
      deine Regina

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  5. Eine herliche Geschichte liebe Regina und den Amtsschimmel hast du tolle eingebaut. Ach ja ich liebe Opern, Operetten und früher hatte ich sogar ein ABO im Theater, doch hier auf dem Land gibts das nicht.
    Man kann eben nicht alles haben.

    Liebe Nachmittagsgrüße
    Angelika

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    1. Danke, liebe Angelika,
      ich habe früher auch immer ein ABo gehabt, vielleicht werde ich das demnächst auch mal wieder anstreben.
      Herzliche Grüße
      REgina

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  6. Hallo Regina,

    eine schöne Geschichte von Dir, nun habe ich das Lied von den "Salzburger Nockerln" im Ohr ;)
    ich mag ja diese alten Schlager sehr gerne und auch die Filme, welche meist in den 1950/60er Jahren dazu entstanden :)

    Lieben Gruß und einen netten Abend
    Björn :)

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    1. Ich mag sie auch, lieber Björn,
      die alten Schlager und Filme. Schön, dass du nun einen Wohrwurm hast, :)
      Auch dir einen schönen Abend und liebe Grüße
      Regina

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    2. Liebe Regina,
      gestern ging es nicht - daher habe ich heute das große Vergnügen, diese
      herrliche Geschichte lesen zu dürfen - und leise konnte ich auch mitsingen.
      Es hört mich ja keiner - dann geht es.
      Eine ganz wunderbare Geschichte. Hoffentlich fallen euch noch lange Reizworte
      ein.
      Einen schönen Wochenteiler wünscht Dir
      Irmi

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