Dienstag, 11. März 2014

Lisa und die Kochkiste

Der Dienstag ist Tag der Reizwortgeschichten mit Martina und Lore, heute sind folgende Wörter eingebaut worden:

Wildfang, Milchreis, lieben, anschmiegsam, neumodisch



Lisa und die Kochkiste



Das Bauernhofmuseum finde ich supertoll. Wir fahren oft hin, meine Eltern, Oma und ich. Immer wieder gibt es etwas zu entdecken, das wir beim letzten Besuch noch nicht gesehen haben.

„Dort gibt es keinen neumodischen Kram“, sagt Oma immer und dann muss ich lachen, denn meine Oma ist eine supermoderne Frau, die ein Handy hat und ständig ihr Notebook mit sich herumträgt. Was sie unterwegs damit anfangen will, weiß ich auch nicht. Aber wenn sie nicht beides bei sich hat, dann wird sie nervös.

Papa meint, dass das am Elektrosmog liegen muss, dass sie so nervös ist. Ich vermute aber eher, dass sie Angst hat, eine Nachricht von ihren Freunden zu verpassen und das kann ich gut verstehen. Freunde sind wichtig, ohne Freunde ist das Leben langweilig.

Ich habe viele Freunde, doch davon will ich eigentlich gar nicht erzählen.

Heute möchte ich vom Museum erzählen, denn da waren wir am letzten Sonntag und das war spannend. Wir haben uns die Bauernhäuser angeschaut, die noch genauso eingerichtet sind wie vor hundert Jahren.

Ich könnte mir sogar vorstellen, in einem dieser Häuser zu leben. Wenigstens für eine Weile, vielleicht in den Sommerferien. Da könnte ich dann bei der Ernte helfen, mit Pferd und Wagen. Das stelle ich mir toll vor. Ein paar Katzen sollten auch da sein, zum Kuscheln, die waren so wunderbar anschmiegsam. Aber das war nur ein Traum.

„Die Menschen damals haben schwer arbeiten müssen“, hat mir Papa erklärt. Das glaube ich ihm, sie hatten ja auch keinen Trecker, keinen Rasenmäher und auch keinen Elektroherd. Ein Feuer zu machen, das war mühsam. Jeden Morgen mussten sie den Küchenherd anheizen und das Holz dafür mussten sie auch selbst vorbereiten.

Oma hat das nicht mehr erlebt, dafür ist sie zu jung. Aber ihre Eltern und Großeltern, die kannten das noch und sie haben viel darüber erzählt.

Am letzten Sonntag habe ich dann etwas entdeckt, das mich völlig begeistert hat. Eine Kochkiste. Sie stand in einer der Küchen und ich wusste natürlich zuerst nicht, was das war.

Oma kannte sich aus. Sie erklärte mir, wofür man diese Holzkiste benutzte.

„Schau, die Kiste ist groß genug, dass ein großer Topf hineinpasst. Sie ist ausgekleidet mit Holzwolle und Heu. Wenn man einen Topf hineinpackt und den Deckel der Kiste verschließt, dann bleibt das Essen im Topf warm und kann sogar fortkochen!“

„Wie jetzt? Fortkochen? Ist es dann weg?“, habe ich gefragt.

Oma hat laut gelacht.

„Nein, es kocht weiter. Du kennst das doch.“

„Nein, das kenne ich nicht!“, behauptete ich und dann dämmerte es mir. Sollte Oma vielleicht den Milchreis meinen, den Mama nach dem Aufkochen immer im Bett weiterkochte?

Da hatte ich den Nagel auf den Kopf getroffen.

„Früher haben die Menschen auch schon versucht zu sparen. Wenn sie einen Eintopf kochten und der stundenlang auf dem Feuer gestanden hätte, dann wäre dabei viel zu viel Feuerholz verbraucht worden. Also ließen sie sich etwas einfallen und erfanden die Kochkiste.“

Oma holte ihr Handy aus der Handtasche und wollte nachsehen, wann genau man diese Kiste erfunden hatte, aber Papa schimpfte.

„Mutter, nun lass doch mal das blöde Handy. Das ist doch jetzt nicht wichtig!“

Oma war beleidigt und sprach nicht mehr mit Papa.

„Komm, Lisa, wir machen uns selbständig. Vielleicht bekommen wir irgendwo ein Stückchen Kuchen!“, schlug sie vor.

„Dein Papa war früher ein richtiger Wildfang und er hatte nur Blödsinn im Kopf“, verriet mir Oma. „Heute ist er mir ein bisschen zu vernünftig, ewig diese Meckerei!“, schimpfte sie.

Ich drückte ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange, um sie zu besänftigen.

„Was sich liebt, das neckt sich, stimmt’s, Oma?“, fragte ich sie und schon lachte sie wieder.

Meine Oma ist super, Papa aber auch – und Mama sowieso!

Kommentare:

  1. Kommentar bei : Klümpchen für die Seele" LG Christa

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    1. Danke schön, liebe Christa,
      ich freue mich über deinen Besuch und Kommentar!

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  2. Ach wie schön liebe Regina, ich bin begeistert und erinnere mich an meine Oma und Kindheit.
    Danke für die tolle Geschichte.

    Liebe Dienstagsgrüße
    Angelika

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  3. Liebe Regina, danke für diese schöne Erzählung, sie erinnert mich an meine Kindheit und Jugendzeit.
    Wir hatten keine Kochkiste, aber das Federbett war gut, um Essen fertig zu kochen. Oder auch, um das Essen warmzuhalten.
    Dir wünsche ich einen schönen Tag. Liebe Grüße, Margot.

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  4. Liebe Regina,
    ich habe es schon bei Lore gsagt Gar nicht leicht, aus diesen Worten eine
    Geschichte zu basteln.
    Dir ist das wieder hervorragend gelungen.
    Einen schönen Tag wünscht Dir
    Irmi

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  5. Liebe Regina,
    Deine Geschichte ist auch wieder so schön und hat auch beim mir Kindheitserinnerungen geweckt!
    Die Worte heute gefielen mir besonders gut :O) ... ich glaub, ich geh jetzt Milchreis kochen ;O)
    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  6. tolle Geschichte hast du aus den Worten gemacht!
    Lieben Gruss Elke

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  7. Hallo Regina :)
    eine schöne Geschichte, ich bin ja ein absoluter Fan von solchen Bauernmuseen und besuche sie immer wieder gerne (wer hätte es bei mir gedacht ;) Ich staune immer wieder, vieles war schon lange verschwunden als ich auf die Welt gekommen bin, aber manches kenne ich noch von meinen Eltern. Als mein Vater klein war wurde er noch mit auf den Acker genommen, heute sitzen die Kinder an der Playstation ;)
    Lieben Gruß
    Björn :)

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