Mittwoch, 4. Dezember 2013

Merle hat Anst vorm Nikolaus

Im Kindergarten wurde gemalt, geschnitten, geklebt und gehämmert. Alles sollte schön geschmückt sein, wenn in ein paar Tagen der Nikolaus kommen würde.
Merle beteiligte sich kaum an den Basteleien und auf Nachfrage, ob es ihr nicht gut gehe, antwortete sie: „Alles okay!“
Bis schließlich Frau Wulf den Kopf schüttelte und sagte: „Das kannst du mir nicht erzählen, Merle. Es ist doch was. Magst du es mir nicht sagen?“
Merle schwieg und schaute intensiv auf ihre Fußspitzen, so, als gäbe es dort etwas Wichtiges zu entdecken.
„Sie hat Angst vorm Nikolaus“, rief Florian aus der anderen Ecke des Zimmers so laut, dass jeder es hören musste. Einige Kinder lachten schallend, andere wollten Merle beistehen und versammelten sich um sie.
„Merle, der tut dir doch nichts“, flüsterte Janina und legte den Arm um die Schulter der Freundin.
Freddy, der immer ein wenig vorlaut war, behauptete: „So ein Quatsch, es gibt ja gar keinen Nikolaus, das ist ein altes Märchen!“
„Ich weiß aber genau, dass es ihn gibt“, mischte sich Florian ein. „Ich habe ihn nämlich im letzten Jahr geärgert und an seinem langen Bart gezogen. Ihr könnt mir’s glauben, der war echt!“
„Und, was ist dann passiert? Hast du was mit der Rute gekriegt?“, wollte Freddy wissen.
„Nee, habe ich nicht, weil ich schnell hinter dem Sofa verschwunden war!“
„Kinder, so geht das nicht, ihr macht Merle ja noch mehr Angst. Setzt euch mal alle in die Kuschelecke, ich will etwas vom Nikolaus erzählen!“
Die Kinder kuschelten sich in die Kissen und Frau Wulf erzählte, dass der Nikolaus vor langer langer Zeit gelebt habe und ein ganz besonderer Kinderfreund war. Er war ein Bischof und trug eine Bischofsmütze und einen weiten langen Mantel. Später wurde es dann Brauch, am Vorabend des Heiligen Nikolaustages, am 6. Dezember, den Kindern Süßigkeiten in die Stiefel zu stecken. Mancherorts kommt auch der Nikolaus, der natürlich ein Kostüm trägt und nicht der echte Nikolaus ist, und verteilt Geschenke an die Kinder. Er trägt wohl eine Rute bei sich, aber er benutzt sie nicht.
„Und zu uns kommt der Nikolaus auch und niemand muss Angst vor ihm haben, denn er will uns Freude bringen und das ist doch schön, oder nicht?“, beendete Frau Wulf ihren Vortrag.
„Ja!“, riefen alle Kinder und selbst Merle hatte wieder Farbe im Gesicht.
„Dann muss ich ja keine Angst mehr haben und am Bart werde ich ganz bestimmt nicht ziehen", beschloss Merle und lachte.

(C) Regina Meier zu Verl

Kommentare:

  1. Sehr schön wieder geschrieben, liebe Regina! Die Geschichte erinnert mich an die Zeit, wo ich ncoh im Kindergarten gearbeitet habe .... lang ist's her ....
    Ich wünsch Dir einen schönen und zufriedenen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  2. Ja, der Nikolaustag. Bei uns wird er auch schon herbei gesehnt. Felina glaubt mit ihren 6 Jahren auch noch fest an den Nikolaus und das Christkind. Die Kleine sowieso. Schauen wir mal, wie lange noch.

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  3. Die Geschichte kannte ich noch nicht, es war eine Freude sie zu lesen, wie toll du ich in Kinder rein denken kannst. LGLore

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  4. Liebe Regina, ein herzliches Dankeschön für diese nette Geschichte. Sie lässt mich hautnah an dem Geschehen teilnehmen, denn du schreibst sehr schön. Nun kann der Nikolaus kommen, ich habe keine Angst mehr ... :-)
    Liebe Grüße, Margot.

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  5. Dankeschön für die schöne Geschichte liebe Regina, hast du schön erzählt.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  6. Hallo Regina :)
    eine schöne Geschichte, bei uns hieß der Nikolaus früher "Belznickel" - da bekam man immer erzählt man sollte lieb sein übers Jahr
    sonst gab es für die bösen Kinder die Rute und die lieben bekommen ein Geschenk ;) - glücklicherweise gehörte ich wohl immer zu den letztgenannten ;)
    Lieben Gruß und Dir einen schönen Abend
    Björn :)

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