Freitag, 1. November 2013

Oma Neumann (9)


Es grüßt
Luise Neumann   KLICK HIER



Als Frau Neumann noch jünger war, hatte sie viel auf ihrer alten Schreibmaschine geschrieben. Sogar kleine Gedichte hatte sie verfasst und Geschichten festgehalten, die sie ihrem Sohn erzählt hatte, als er noch ein Kind war. Die Aufzeichnungen hatte sie alle in einen Ordner geheftet, der musste im Keller sein. Vielleicht war ja auch die Schreibmaschine noch da. Nach dem Mittagsschlaf machte sich Frau Neumann auf den Weg in den Keller.
Sie war ein ordentlicher Mensch und fand den gesuchten Ordner sofort in einer Pappkiste, die sie säuberlich beschriftet hatte. Auch die Schreibmaschine stand abgedeckt im Regal, doch diese nach oben zu befördern, das würde ihr wohl nicht gelingen, denn sie musste sich am Geländer festhalten, da sie manchmal etwas unsicher auf den Beinen war.
Sie würde den Nachbarn bitten, wenn sie ihn treffen sollte. Sie ließ also die Kellertür unverschlossen und machte sich mit dem Ordner wieder auf den Weg nach oben.
Es wäre prima, wenn sie wieder anfangen würde zu schreiben, jetzt, wo sie doch wieder etwas erlebte und es Menschen gab, die sich dafür interessierten.
Heutzutage schrieben ja alle auf dem Computer, das würde sie aber nicht mehr anfangen. Irgendwie machten ihr diese Dinger Angst, auch wenn sie es spannend fand, ihrem Sohn mal über die Schulter zu schauen, wenn er zu Besuch war und seine Post im Internet bearbeitete.
„Das kannst du auch, Mutter, ich zeige es dir gern!“, hatte er angeboten, aber sie hatte dankend abgewinkt.
„Lass mal, hinterher mache ich was falsch und dann bist du nicht in der Nähe. Dann kriege ich Panik, ich kenne mich!“
Vielleicht hätte sie doch … ach was, zum Schreiben brauchte man nur einen Stift und Papier, im günstigsten Fall auch eine Schreibmaschine, die hatte sie ja. Ob die allerdings noch funktionierte nach all den Jahren? Man würde sehen.
Wieder in der Wohnung angekommen legte Frau Neumann den Ordner in die Küche und ging erst einmal ins Bad. Es war doch staubig im Keller. Hände waschen war angesagt.
Beim Blick in den Spiegel über dem Waschbecken fasste sie einen weiteren Entschluss.
„Ich muss dringend zum Friseur, ein neuer Schnitt muss her. So gefalle ich mir gar nicht mehr.“
Sie wählte die Nummer ihres Friseursalons.
„Hallo, Luise Neumann hier, wann haben Sie Zeit für mich?“, fragte sie.
„Jederzeit, Frau Neumann, wir haben uns ja so lange nicht gesehen. Geht es Ihnen gut?“
„Bestens! Kann ich heute noch kommen?“
„Ja, hier ist gerade nicht viel los, kommen Sie nur!“
„Ich mache mich sofort auf den Weg, kann zwanzig Minuten dauern, ich bin ja nicht mehr die Jüngste!“ Frau Neumann lachte, die Friseurin auch, dann legten sie auf und fünf Minuten später war sie unterwegs.
„Neuer Schnitt, neues Glück“, flüsterte Frau Neumann, als sie das Haus verließ.






Kommentare:

  1. Oma Neumann wird sich wie neu geboren fühlen, wenn sie vom Friseur zurück kommt - das kann ich förmlich spüren!
    Dir einen ganz schönen Feiertag! LG Martina

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  2. Und, liebe Regina, nicht nur ein neuer Haar-Schnitt für Oma Neumann, sondern eine sehr schöne Fortsetzung dieser Geschichte. Sie ist wirklich aus dem Leben erzählt, ich erkenne mich ... :-) Ein herzliches Dankeschön, und dir einen schönen Tag.
    Liebe Grüße, Margot.

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  3. Ah, ein Friseurbesuch .........ja, ich hab da grad auch dran gedacht, wie schön und erholsam so ein besuch immer war. Seit Jahren aber hab ich die Haare kurz und schneid sie selber ;O)
    Ich freu mich schon drauf, wie es hier weitergeht mit Frau Neumann :O)
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  4. Hallo Regina :)

    Frau Neumann blüht richtig auf :) ich mag es auch auf alten Schreibmaschinen zu schreiben, wenn ich es auch heute nicht mehr sehr oft tue, aber gelernt habe ich noch auf diesen mechanischen Maschinen und deshalb gefällt es mir heute noch.

    Lieben Gruß und viel Spaß beim Friseur Frau Neumann ;)
    Björn :)

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