Dienstag, 5. November 2013

Oma Neumann (12)


Es grüßt
Luise Neumann   KLICK HIER


„Das darf ja nicht wahr sein“, schimpfte Frau Neumann als sie am Morgen wach wurde und auf den Wecker schaute.
Halb neun, um diese Zeit hatte sie eigentlich längst gefrühstückt und das wichtigste im Haushalt erledigt. Als junges Mädchen hatte sie schlafen können bis in die Puppen, wie ihre Mutter immer gesagt hatte. Später hatte das nachgelassen und seit sie allein war und am Abend früh zu Bett ging, war sie eben am Morgen immer schon mit den Hühnern wach.
Sie schlug die Decke zur Seite, schlüpfte in die Puschen und ging ins Bad. Es war Dienstag, der Tag, an dem immer die Maria zu ihr kam und die Böden wischte.
Dafür hatte Ulrich gesorgt.
„Mama, lass dir doch helfen“, hatte er gesagt und sie hatte das dankbar angenommen. Alles andere schaffte sie noch gut selbst, aber das Wischen war ihr immer schwerer gefallen, besonders im Treppenhaus.
Schnell zog sie sich an, freute sich, dass es heute reichte kurz mit der Haarbürste durch die neue Frisur zu fahren. Sie sah noch immer prima aus.
„Luise, das war der beste Gedanke seit langem!“, jubelte sie.
Sie setzte Kaffee auf, dienstags immer ein paar Tassen mehr, denn mit Maria hielt sie gerne einen kleinen Plausch, bevor diese sich den Böden widmen konnte und Herr Müller sollte ja auch eine Tasse bekommen. Es war Herbst und morgens schon empfindlich kalt.
Der Brief an Katharina lag bereit, den sollte der Briefträger heute auf die Reise schicken.
Die Kaffeemaschine brodelte noch vor sich hin, als es auch schon an der Tür klingelte, aber es war nicht Maria, wie erwartet, sondern Lotta.
„Kind, was machst du denn hier, musste du nicht in die Schule?“
„Hallo, Frau Neumann! Ich muss erst um zehn da sein heute und da dachte ich, dass ich kurz mal Hallo sage.“
„Na, dann komm mal rein. Weiß denn deine Mutter, dass du bei mir bist?“, fragte Frau Neumann.
„Nein, die ist doch schon zur Arbeit gefahren und ich gehe dann immer allein zur Schule, ist ja nicht weit“, antwortete Lotta und nahm ihren Tornister vom Rücken, stellte ihn an die Garderobe und guckte in die Küche.
„Hier riecht es aber gut, gibt es Toastbrot bei dir?“, fragte sie und schaute die alte Dame verschmitzt an.
„Ja, magst du auch einen Toast essen?“ Frau Neumann hatte das Kind durchschaut.
„Gerne, mit Marmelade.“
„Dann setz dich doch, ich stelle nur schnell noch eine Tasse und einen Teller dazu, dann kann es losgehen!“
Lotta ließ es sich schmecken.
„Es ist viel schöner zu zweit zu frühstücken, stimmt’s?“, fragte Lotta.
„Klar, ich finde das auch schön. Aber du musst es deinen Eltern schon sagen, dass du hier warst und wenn du magst, dann darfst du gern öfter zu mir kommen, wenn Mama und Papa einverstanden sind.“
„Echt?“
„Ja, echt. Später bringe ich dich dann zur Schule. Wir müssen nur auf Maria warten, die kommt heute zum Putzen zu mir. Ach, schau, da kommt der Briefträger, dem will ich gerade einen Kaffee einschenken und einen Brief mitgeben, bin sofort wieder bei dir.“
Frau Neumann schenkte Kaffee ein, einen Löffel Zucker und viel Milch, so mochte Herr Müller ihn gern. Mit dem Becher ging sie zur Tür, da schellte es auch schon.
„Guten Morgen, junge Frau“, flötete der Briefträger.
Frau Neumann lachte laut auf.
„Sie sind ein Schelm, lieber Herr Müller.“
„Ich meine es ganz ernst, Sie sehen toll aus, neue Frisur?“
Frau Neumann errötete leicht, hatte sich aber sofort wieder gefangen.
„War mal nötig, nicht wahr?“
„Sie gefallen mir immer, aber heute eben besonders“, Herr Müller nahm einen Schluck Kaffee, dann noch einen und der Becher war leer. Er seufzte tief:
„Ach, wie gut das tut, danke schön!“
„Gerne, aber ich habe schon wieder eine Bitte. Nehmen Sie für mich einen Brief mit? Ich habe aber keine Marke, das Geld dafür gebe ich Ihnen mit, 58 Cent, stimmt doch, oder?“
„Stimmt genau, nehme ich gern mit und jetzt muss ich auch los. Einen schönen Tag wünsche ich!“
Weg war er, Frau Neumann lächelte, was für ein netter Mensch.
„War das der Briefträger Müller?“, fragte Lotta. „Der kommt bei uns auch immer, er ist nett.“
„Stimmt, er ist supernett. Magst du noch einen Toast?“
Lotta lehnte ab.
„Ich habe ja schon einmal gefrühstückt heute, mit Mama.“
Als Maria dann kam, standen die beiden neuen Freundinnen schon fertig angezogen im Flur.
„Maria, guten Morgen. Darf ich dir meine kleine Freundin Lotta vorstellen? Ich bringe sie schnell zur Schule und wir beide trinken dann später einen Kaffee zusammen. Ist das in Ordnung?“
„Aber sicher, geh nur, Luise. Ich halte die Stellung hier, bis gleich.“
Frau Neumann nahm Lotta an die Hand. Oder nahm Lotta die Frau Neumann an die Hand? Ist ja egal, Hauptsache war, dass sie zusammen gingen und aufeinander aufpassten.

Kommentare:

  1. Welch ein Zufall meine Putzfrau heißt auch Maria und ist außerdem noch Freundin und Nachbarin, lach und auch wir plauschen anschließend noch bei einem Tässchen Kaffee.
    Schön wie sich die Geschichte entwickelt, langsam werde ich "Oma Neumann" süchtig. LGLore

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    1. Ach, das ist ja ein Zufall, liebe Lore,
      oder habe ich das bei dir abgekupfert? Ich freue mich, dass dir Frau Neumann auch schon ans Herz gewachsen ist, ich schreibe gerade an der Fortsetzung für morgen und genieße die Ruhe hier sehr!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Liebe Regina,
    was dir immer so einfällt ist schon beeindruckend.
    Ich bin schon wieder gespannt auf die4 Fortsetzung.
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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  3. Liebe Regina, deine Geschichte wird immer schöner.
    Sie macht einen Menschen ganz warm. Ein herzliches
    Dankeschön.
    Liebe Grüße, Margot.

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  4. Hallo liebe Regina,
    ja, es ist einfach eine Freude, die neuen Erlebnisse von Frau Neumann zu lesen und auch ich bin jedesmal ganz gespannt, wie es ihr weiter ergehen wird!
    Ich wünsch Dir noch einen gemütlichen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  5. Mensch, wie hat sich das Leben von Oma Neumann doch verändert. Es ist so schön, sie zu begleiten.
    LG Martina

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  6. Liebe Regina, was für eine schöne Wende doch das leben von Oma Neumann genommen hat. Sie ist volle Lebensfreude und das tut ihr gut.

    Liebe Grüße
    Angelika

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