Samstag, 2. November 2013

Oma Neumann (11)


Es grüßt
Luise Neumann   KLICK HIER


Vergnügt betrat Luise Neumann ihre Wohnung, legte ihren Mantel ab, schaute in den Spiegel im Flur und strahlte sich an.
„Gut siehst du aus, Luise!“
Sie nahm das Bild ihres Mannes, das auf der Kommode stand und sagte:
„Ach Klaus, wenn du mich jetzt sehen könntest. Wie schön wäre es, wenn du noch bei mir wärest.“
Es war kein Tag vergangen, an dem sie nicht an ihren Mann gedacht hatte. Irgendwie hatte es sich immer so angefühlt, als wenn sie ihm bald folgen würde. Das war auch für sie in Ordnung gewesen, doch nun hatte sich die Lebensfreude in ihr wieder geregt und sie war davon überzeugt, dass es Klaus gefallen würde.
Sie seufzte und wischte sich kurz über die Augen.
„Ich werde mir nun erst einmal einen Tee kochen, dazu ein schönes Bütterchen und dann mache ich Feierabend!“
Sie musste über sich selbst lachen. Als Rentner Feierabend machen, das war schon lustig, aber es tat gut. Den ganzen Tag nur darauf zu warten, dass man am Abend wieder ins Bett gehen konnte, das war nicht lustig, ganz und gar nicht. Jeder Mensch braucht eine Aufgabe um zufrieden zu sein.
Sie hatte nun wieder eine Aufgabe und das tat gut.
Für den nächsten Tag nahm sie sich vor Notizen zu ihrer Schulzeit zu machen, damit sie in der nächsten Woche in der Schule darüber erzählen konnte.
Die Schreibmaschine fiel ihr wieder ein, gleich am nächsten Tag wollte sie den Nachbarn bitten, sie aus dem Keller zu holen.
Jetzt trug sie aber erst einmal den Tee und ihr Butterbrot ins Wohnzimmer, machte es sich im Fernsehsessel gemütlich und schaute noch ein wenig fern. Es dauerte aber gar nicht lange, da nickte sie ein.
Sie träumte von ihrem karierten Wollkleid, das sie am ersten Schultag getragen hatte und das am Kragen so furchtbar gekratzt hatte. Aber es war chic gewesen und ihre Mutter war sehr stolz auf sie. Im Traum sah sie sich mit einer riesigen Zuckertüte, die sie aber nie besessen hatte, es waren schwere Zeiten.
Irgendwann wurde sie wach, weil ihr kalt geworden war. Sie schaltete den Fernseher aus, brachte das Geschirr in die Küche und machte sich bettfein.
„Ach Klaus, entschuldige, dass ich immer mit dir geschimpft habe, wenn du vor dem Fernseher eingeschlafen bist. Ich bin ja selbst nicht besser“, flüsterte sie und musste schon wieder lachen – wie gut das tat.
Zufrieden betrachtete sie sich noch einmal im Spiegel und dann legte sie sich schlafen, zog die Decke bis ans Kinn und  schlief sofort wieder ein.



Kommentare:

  1. Schön diese Geschichte, so kann aus einer einzigen Idee ein Buch entstehen. Sehe Oma Neumann so richtig vor mir und sie erinnert mich sogar ein bisserl an mich, auch ich spreche mit meinem Mann und lache dann über mich selbst. Das Leben ist wirklich schön, wenn man eine Aufgabe hat. Wünsche dir einen schönen Sonntag und freue mich auf die Fortsetzung. LGLore

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Regina, auch die heutige Fortsetzung ist wunderschön. Sie ist lebendig und spricht jeden Menschen an. (Glaube ich wenigstens.)
    Ich sehe mich als Oma Neumann und freue mich über das was sie sagt, oder auch macht.
    Ein herzliches Dankeschön und ganz liebe Grüße, Margot.

    AntwortenLöschen
  3. Du schaffst es immer, so liebevoll hinzuschauen und den kleinen Alltäglichkeiten etwas Besonderes zu geben.
    Liebe Grüße
    Annette

    AntwortenLöschen
  4. Eine schöne Fortsetzung. Bütterchen, wie lange habe ich das nicht mehr gehört.
    Gruß vonner Grete

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jeden Kommentar. Nicht immer schaffe ich es, alle Kommentare zu beantworten, ich bitte um Verständnis!