Freitag, 25. Oktober 2013

Oma Neumann (6)



Bis zum Montag waren es noch vier Tage. Die Zeit nutzte Frau Neumann, um sich die alten Bilderalben anzuschauen, in den Briefen zu stöbern, die ihr ihre Freundinnen vor langer Zeit geschrieben hatten, sogar die alten Zeugnisse kramte sie raus und schaute nach, wie ihre Zensuren damals gewesen waren.
Immer wieder machte sie sich Notizen und es fielen ihr immer mehr Dinge wieder ein, die sie erzählen könnte. Das Spannende daran war aber, dass sie an so etliche Begebenheiten lange nicht mehr gedacht hatte. Es tauchten Bilder vor ihr auf, die sie glaubte vergessen zu haben und immer wieder musste sie laut lachen und manchmal auch weinen, wenn sie die Gefühle übermannten.
Auf jeden Fall war sie gut vorbereitet auf den Besuch in der Schule und sie nahm sich vor, auch danach noch aufzuschreiben, was ihr nun wieder eingefallen war. Vielleicht mochte es ihr Sohn eines Tages lesen oder der Enkel Sebastian, der mittlerweile auch schon erwachsen war und in Amerika studierte.

Am Sonntagmorgen rief Ulrich an, wie jeden Sonntag.
„Hallo Mutter, wie geht es dir?“, fragte er.
„Du glaubst ja nicht, was passiert ist, Ulrich, morgen gehe ich in die Schule“, erzählte Frau Neumann und ihre Stimme überschlug sich fast vor Freude.
„Das war so, ich habe eine Karte bekommen, nein ich habe ganz viele Karten bekommen, aber eine Karte, das war die von Lotta und die hatte vergessen, einen Absender draufzuschreiben und da hat der Herr Müller, du weißt ja, der Briefträger, der immer so nett ist – ja, da hat er für mich nachgefragt und dann kam der Herr Wenzel und hat mich eingeladen und ich habe Püfferchen gebacken, die magst du doch auch so gern. Und dann haben wir uns für morgen verabredet und sie machen ein Interview mit mir, aber ohne Kamera und dann … „
„Halt, Mutter, ich verstehe nur Bahnhof, was ist mit den Püfferchen und warum bringst du die in die Schule?“
Frau Neumann lachte.
„Ulrich, ich bin eine coole Oma und ich werde in der Schule ein Interview geben, ohne Püfferchen.“
Sie erklärte alles noch einmal in Ruhe und Ulrich bestätigte ihr, dass sie eine sehr coole Mutter sei und dass er ganz besonders stolz auf sie ist.
„Wir kommen in der übernächsten Woche nach Hause und wollen dich gern besuchen, passt dir das?“
„Ja, sicher, ich freue mich und es gibt so viel zu erzählen und dann wollen wir ja auch noch meinen achtzigsten Geburtstag planen, stimmt’s?“
„Genau, das wollen wir und eine Überraschung haben wir auch noch für dich, aber die wird noch nicht verraten.“
Frau Neumann lachte.
„Da bin ich aber gespannt, mein Großer.“
„Bis bald, Mama, ich rufe dich morgen Abend nochmal an und frage, wie es in der Schule war und dann sage ich dir auch, wann wir kommen werden“, versprach er.
„Okay“, sagte Frau Neumann, „Give me Five!“
“Was hast du gesagt, Mutter?" 
"Ach, das verstehst du nicht, ich erkläre es dir, wenn du kommst!“








Kommentare:

  1. Jetzt musste ich aber einiges nachholen, um auf dem neuesten Stand i. S. Oma Neumann zu sein. Herrliche Geschichte!
    Falls du übrigens die Möglichkeit hast, mit Frau Neumann zu sprechen, dann frag sie doch bitte nach dem Rezept für die
    Püfferchen. Beim Lesen lief mir schon das Wasser im Mund zusammen. Meine Mutter machte sie manchmal frisch am
    Sonntagnachmittag. Einfach herrlich. Ich habe leider kein Rezept :-(.

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  2. Hi coole Oma, hast du herlich erfrischend geschrieben liebe Regina. Und Püfferchen hat meine Oma auch immer gemacht, einfach lecker.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  3. Liebe Regina, du schreibst die Fortsetzungen wunderbar und erfrischend. Danke dir für diese Geschichtchen. :-)

    Liebe Grüße, Margot.

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  4. Liebe Regina,
    herrlich, was dir alles zu Oma Neumann einfällt. Es wird immer
    spannender.
    jetzt kommt auch noch der Besuch des sohns hinzu. Endlich
    ist wieder etwas los in ihrem Leben.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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  5. Ja, so cool möchte ich in ein paar Jahren auch mal sein. Wie immer super geschrieben.
    Sonntägliche Grüße vonner Grete

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