Freitag, 25. Oktober 2013

Oma Neumann (5)



Um Punkt drei Uhr am Nachmittag stand Herr Wenzel vor der Tür, Frau Neumann hatte ihn schon kommen sehen und öffnete, bevor er die Türklingel drücken konnte.
„Da sind Sie ja, wie schön und die Lotta ist auch mitgekommen, ich freue mich!“, rief Frau Neumann begeistert und drückt dem Mädchen die Hand.
„Danke für die wunderschöne Karte, die du mir geschickt hast, Lotta!“
Lotta lächelte und hielt Frau Neumann einen kleinen Blumenstrauß hin.
„Die sind aus unserem Garten, mit einem lieben Gruß von meiner Mama!“
„Herbstastern, die liebe ich so. Sie sind wie kleine bunte Sonnen!“ Frau Neumann freute sich sehr.
„Aber nun kommt doch erst einmal in die gute Stube, wir wollen Kaffee trinken. Magst du einen Kakao, Lotta?“
„Ja, gern“, antwortete das Kind höflich.
Sie führte die beiden Gäste ins Wohnzimmer, wo der Tisch liebevoll gedeckt war.
„Bitte schön, nehmt Platz“, sagte sie und holte eine Glasvase aus dem Schrank.
„Ich hole nur schnell den Kaffee und stelle die herrlichen Blumen ins Wasser.“
„Ich helfe Ihnen“, schlug Lotta vor und folgte Frau Neumann in die Küche.
„Schön ist es hier, so gemütlich“, stellte sie fest.
„Magst du die Blumen versorgen, ich bringe den Kaffee ins Wohnzimmer und dann komme ich wieder zu dir, okay?“
„Klar, das mache ich.“
Kurze Zeit später saßen die drei Menschen, die sich gerade erst kennengelernt hatten zusammen am Tisch und plauderten miteinander so, als kennen sie sich schon lange Zeit. Herr Wenzel lobte die Püfferchen.
„Die schmecken so gut, genauso wie die von unserer Oma, nicht wahr, Lotta?“
Lotta, die gerade einen großen Bissen genommen hatte, nickte zustimmend.
Dann kam Herr Wenzel aber zu seinem Anliegen, das er am Morgen noch nicht ausgeführt hatte.
„Frau Neumann, wir würden Sie gern in die Schule einladen. Die Kinder schreiben gerade Geschichten mit dem Titel „Wie es früher war“.  Wir würden gern ein Interview mit Ihnen machen und Ihnen Fragen stellen zu der Zeit, als Sie ein junges Mädchen waren.“
Frau Neumann strahlte.
„Ein richtiges Interview, so wie im Fernsehen?“
„Ja, nur ohne Kamera“, lachte Herr Wenzel.
„Das klingt spannend, gern würde ich das machen. Aber … wie komme ich denn zur Schule?“
„Das ist kein Problem, wir vereinbaren eine Zeit und Lotta und ich, wir holen Sie dann ab und fahren sie auch wieder nach Hause.“
„Abgemacht!“ Frau Neumann reichte dem Lehrer die Hand und er schlug ein.
„Cool!“, rief Lotta erfreut und hielt ihre Hand in die Höhe. Frau Neumann schaute sie fragend an.
„Give me five!“, sagte sie und als Frau Neumann nicht reagierte, erklärte sie: „Das ist Englisch und heißt „Gib mir fünf“ und dann musst du auf meine Hand klatschen und sagen „Check“.“
„Ach so!“, kicherte Frau Neumann, klatschte auf Lottas Hand und rief fröhlich: „Check“
Die drei neuen Freunde plauderten noch lange miteinander, dann packte Frau Neumann die restlichen Püfferchen, bis auf drei, die sie für Herrn Briefträger Müller aufbewahren wollte, ein und gab sie Herrn Wenzel mit.
„Danke! Es war ein schöner Nachmittag und am nächsten Montag hole ich Sie dann in der großen Pause um viertel vor Zehn ab. Wir freuen uns sehr, dass Sie einverstanden sind.“
„Und wie ich mich erst freue“, versicherte Frau Neumann glücklich. Ein Interview, und das in ihrem Alter, meine Güte, was war das toll.

Kommentare:

  1. Ach ist das schön liebe Regina, mir kullern die Tränen. Die Geschichte geht richtig ans Herz, hast du wunderbar geschrieben. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.

    Liebe Grüße und einen schönen Tag
    Angelika

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    1. Vielen Dank, Angelika,
      ich freue mich sehr, dass die Geschichte so gut ankommt!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Danke liebe Regina für diese schöne Geschichte. Die Fortsetzungen sind einfach schön und lebensnah.
    Ich freue mich schon auf die nächste Fortsetzung.
    Dir einen schönen Tag und liebe Grüße.
    Herzlichst Margot.

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    1. Ich danke dir, liebe Margot,
      fürs Lesen und deine lieben Worte!
      Alles Liebe
      Regina

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  3. :) :) :)

    Wünsche dir ein herrliches Wochenende,
    viele Grüsse Babs

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    1. Danke,
      das wünsche ich dir auch, liebe Babs!
      Liebe Grüße
      Regina

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  4. Hallo Regina :)

    Oma Neumann wird ja so richtig geliebt und umsorgt - eine wirklich schöne Geschichte.
    Wäre schön wenn in den Schulen und Kindergärten diese Idee mit aufgegriffen und mehr mit den Senioren unternommen werden würde.

    Lieben Gruß und ein schönes Wochenende
    Björn :)

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    1. Danke, Björn,
      ich finde auch, dass man das ruhig öfter machen sollte. Meine Mutter wurde auch einmal eingeladen, um in der Schule von der Zeit des Krieges zu erzählen, als Zeitzeugin sozusagen.
      Herzliche Grüße
      Regina

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