Mittwoch, 23. Oktober 2013

Oma Neumann (4)



Sie schloss das Fenster und setzte ihr Frühstück fort. Dabei überlegte sie, was sie dem netten Lehrer denn wohl anbieten könnte, wenn er später zum Kaffee kam. Ob er die kleine Lotta wohl mitbringen würde?
„Püfferchen“, rief Frau Neumann erfreut aus. „Ich werde Püfferchen backen, dafür habe ich alles im Haus und das wird ihm schmecken. Wenn er allein kommen sollte, dann würde sie ihm einfach einen Teller voll mitgeben für die Familie. Ja, so würde sie es machen. Sie setzten den Teig an, der ja eine Weile ruhen musste, wegen der Hefe. In der Zeit putzte sie im Wohnzimmer Staub und legte eine frische Tischdecke auf den Tisch. Voller Vorfreude schaltete sie das Radio ein und sang mit, wenn sie einen Schlager kannte. Sie hatte immer gern gesungen, doch seit ihr Mann nicht mehr da war, war sie nie wieder auf den Gedanken gekommen. Was waren das für herrliche Stunden gewesen, wenn Klaus am Klavier gesessen hatte und sie dazu gesungen hatte.
Fast hätte sie die Türklingel überhört, doch der Briefträger Müller wartete geduldig und freute sich, als er die Musik in Frau Neumanns Wohnung hörte. Eindringlich drückte er nochmals auf den Klingelknopf und jetzt hatte sie es wohl gehört, denn die Musik verstummte und die Tür wurde kurz darauf geöffnet.
„Herr Briefträger, wie schön“, rief Frau Neumann vergnügt.
Herr Müller lächelte.
„Moin, Frau Neumann, hat sich die Sache mit der kleinen Lotta geklärt?“
Frau Neumann nickte eifrig und erzählte ihm dann, was am Vormittag passiert war.
„Ich bin so aufgeregt und so froh und das habe ich nur Ihnen zu verdanken. Danke, Herr Briefträger, ehm, Herr Müller meine ich natürlich.“
„Nicht dafür, liebe Frau Neumann. Ich bin froh, dass ich helfen konnte. Dann wünsche ich Ihnen viel Spaß mit dem Besuch und lassen sie mir ein Püfferchen übrig, die esse ich doch auch so gern“, schmeichelte er.
„Ehrensache“, versprach Oma Neumann.
Herr Müller drückte ihr noch eine Karte in die Hand und machte sich wieder auf den Weg. Frau Neumann holte ihre Lesebrille und setzte sich an den Küchentisch. Zunächst betrachtete sie das Bild. Diesmal war es eine bunte Herbstlandschaft. Die Karte gefiel ihr sehr, sie stammte von einer Katharina, die eine wundervolle geschwungene Handschrift hatte.
Sie schrieb:
Wir kennen uns nicht, liebe Frau Neumann, aber ich weiß, dass auch Sie allein sind und deshalb möchte ich einen herzlichen Gruß an Sie senden. Bunt wie das Herbstlaub soll ihr Leben sein und es soll viele kleine Lichtpünktchen haben, wie wenn die Sonne einen Regentropfen zum Funkeln bringt. Liebe Grüße von Katharina

Frau Neumann seufzte tief. Wie wunderbar war das, ihr Leben hatte sich verändert, spannend war es geworden, seit sie immer wieder diese schönen Karten bekam. Wenn sie doch nur wüsste, wem sie das zu verdanken hatte. Aber eigentlich war das egal, die Hauptsache war doch, dass sie wieder Freude am Leben bekommen hatte und heute Nachmittag würde sie Besuch bekommen, das war einfach nur … cool, würden die jungen Leute wohl sagen. Frau Neumann grinste, ja, sie fand das auch cool.





Kommentare:

  1. Das ist ja richtig spannend! Freue mich auf die Fortsetzung...
    LG Calendula

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  2. So richtig spannend und herzerfrischend liebe Regina. Wie wunderbar es doch ist der alten Frau Neumann mit einer kleinen Karte so viel Freude zu bereiten. Bin gespannt wie es weiter geht.

    Liebe Abendgrüße
    Angelika

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  3. Liebe Regina, wunderschön geht diese Geschichte weiter, und die Freude ist auf meiner Seite.
    Hab vielen Dank dafür.
    Ganz liebe Grüße, Margot.

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  4. *seufz* eine herzergreifende Geschichte, da mag man hoffen die Briefträgerinnen und Briefträger der Welt werden diese lesen und sich den vielen "Oma Neumanns" der Welt annehmen und damit ein wenig Freude verbreiten :)

    Lieben Gruß
    Björn :)

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  5. Ach ja, wie hell wird nun Oma Neumanns Leben. Die Idee von Briefträger Müller zieht immer weitere Kreise. Nun freue ich mich schon auf die Fortsetzung. herzliche Grüße, Loer

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