Freitag, 16. August 2013

Willi, das Eichhörnchen



Seit einigen Tagen tobte ein heftiger Ostwind im Wald. Die Waldbewohner wagten sich nicht aus ihren Unterschlüpfen. Kalt war es geworden und alle hatten Hunger.
Das Eichhörnchen Willi hatte besonders großen Hunger, doch wie sollte es an Nahrung kommen? Immer wieder steckte es sein Näschen in den Wind und zog sich dann doch wieder in sein gemütliches Kugelnest zurück. Es rollte sich zusammen und regte sich nicht, doch an Schlaf war nicht zu denken, so sehr pfiff der Wind durch die Fichten.
"Wenn das noch ein paar Tage so weiter geht", dachte Willi bei sich, "dann werde ich jämmerlich verhungern. Hätte ich doch nur von meinem Wintervorrat etwas mit ins Nest genommen."
Einsam war er, hungrig und traurig.
Erst am nächsten Tag drehte der Wind, es wurde ein paar Grad wärmer und das tat so gut. Willi verließ das Nest, machte ein paar Dehnübungen und turnte dann flink durch den Wald, zur großen Kiefer, unter der er einen Teil seines Schatzes von Samen und Nüssen vergraben hatte.
Doch als er dort ankam, sah er das Malheur, die Kiefer war vom Sturm entwurzelt worden und lag nun auf dem Boden. Willi konnte nicht an seine Vorräte, dabei fühlte er sich vor Hunger schon ganz schwach. 
Glücklicherweise fand er einen Kieferzapfen, den er mit seinen scharfen Zähnen bearbeitete und dessen Samen er genüsslich verspeiste, aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein, er brauchte viele Kiefernzapfen oder Bucheckern, vielleicht sogar Nüsse. Er musste sich also wieder auf den Weg machen, um sein nächstes Versteck zu suchen.
Plötzlich hörte er Stimmen und Gelächter, flink kletterte auf die Spitze des nächstgelegenen Baumes und verharrte dort. Seine klugen braunen Augen spähten umher und dann sah er sie kommen.
Das mussten Menschen sein. Willi hatte schon von ihnen gehört, aber gesehen hatte er noch keinen.
"Die sind gefährlich", dachte Willi und zitterte vor Angst. "Wenn sie mich packen, dann ist alles aus!"
Doch die Menschen würden keinem Eichhörnchen etwas zuleide tun, es war der Förster mit seinen beiden Söhnen. Sie wollten nach Schäden schauen, die demnächst dann beseitigt werden mussten.
"Wie schade, schaut her, die alte Kiefer ist auch entwurzelt", sagte der Förster. Sie hatten schon einige Schäden gesehen, das würde eine Menge Arbeit geben.
Willi verhielt sich mucksmäuschenstill.  Er hatte Angst, dass man ihn entdeckte und als sein kleiner Magen knurrte, erschrak er, weil er dachte, dass die Menschen es gehört haben könnten. Doch die unterhielten sich weiter und als der kleinere der Söhne eine Brotdose aus dem Rucksack holte und den anderen beiden ein Butterbrot anbot, da lief Willi das Wasser im Mund zusammen. Wenn doch nur dieser blöde Hunger nicht wäre.
Vorsichtig schraubte sich Willi am Stamme des Baumes hinunter, um näher bei dem Butterbrot zu sein, das so verlockend aussah.
"Schau, Papa, ein Eichhörnchen, wie niedlich!"
Die drei entdeckten Willi und der blieb einfach sitzen und schaute die Menschen an. So grässlich sahen die gar nicht aus und sie machten auch keine Anstalten, ihn zu fangen.
"Dürfen wir es füttern?", fragte der kleine Junge. Der Vater hatte nichts dagegen.
"Werft ihm ein paar von euren Erdnüssen hin, die werden ihm schmecken", schlug er vor.
Willy konnte sein Glück kaum fassen. Schnell holte er sich eine Nuss, flitzte wieder zurück auf den Baum und öffnete die Schale blitzschnell. Zwei dicke Nüsse fand er darin und da unten unter dem Baum, da lagen noch viele davon. Die würde er nachher in seinen Kogel bringen, damit er nicht wieder Angst haben musste vor Hunger zu sterben.
Vielleicht kamen die Menschen ja auch noch einmal zurück und brachten ihm wieder etwas mit. Und wenn nicht? Dann würde er sie suchen!


© Regina Meier zu Verl





Kommentare:

  1. Liebe Regina was sagt man, wenn man vorher schon wusste, wie es dann kommt, "siehst du ich habe es dir gleich gesagt".
    Ja, ich habe es schon vorher gewusst, die Geschichte mit "Willi dem Eichhörnchen" wird schön.
    Danke dir für diese schöne Geschichte und ich bin immer froh, wenn kein Mensch oder Tier hungern muss. Möge Willi noch viele Erdnüsse finden und Abenteuer erleben.

    Die besten Wünsche zum Wochenende.
    Ganz liebe Grüße, Margot.

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    1. Danke schön, liebe Margot,
      ich freue mich, dass dir die Geschichte gefällt und du das im Vorfeld schon wusstest. Das zeugt davon, dass du mir etwas zutraust und das ist schön!

      Liebe Grüße
      Regina

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  2. Liebe Regina,
    was für eine schöne und rührende Geschichte! Ich freue mich auch immer, wenn ich ein Eichhörnchen zu Gesicht bekomme! Bei unseren Winterfutterstellen dneken wir auch immer an die felligen Freunde ;O)
    Ich wünsche Dir ein wunderschönes und sonniges Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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    1. Danke dir, liebe Claudia,
      schön, dass ihr auch an die Tiere im Winter denkt. Ich freue mich, dass dir meine kleine Geschichte gefallen hat!

      Ein schönes Wochenende dir und liebe Grüße
      Regina

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  3. Ach was für eine schöne Geschichte liebe Regina und der Name Willi passt doch wunderbar,oder?
    Hier sind die Eichhörnchen ganz vorwitzig, sie klettern sogar ins Vogelhäuschen um an Futter zu kommen.

    Hab ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    Angelika

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    1. Ja, liebe Angelika, ich finde auch, dass der Name wunderbar passt.
      Danke für deinen lieben Kommentar.
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und grüße dich herzlich
      Regina

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  4. Was doch aus so einer Wartezeit Gutes heraus kommt. Willi das Eichhörnchen ist wirklich eine schöne Geschichte. Hoffentlich musst du noch oft irgendwo warten. Grins!
    Wünsche dir ein schönes Wochenende. Herzliche Grüße, Lore

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    1. Danke schön, liebe Lore,
      ab und zu gibt es solche Situationen und ich habe sogar festgestellt, dass ich beim Autofahren immer mal wieder eine ganz gute Idee für eine Geschichte habe.
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und grüße dich herzlich
      Regina

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  5. Regina, du Liebe,
    das Warten hat sich gelohnt. Auch wenn Bleistift und Block gefehlt haben,
    so ist es eine berührende Geschicsht geworden. Herrlich beschrieben, die
    Sorgen und Ängste des kleinen Eichhörnchens.
    Ich freue mich auf weitere kleine Märchen!
    Einen guten Start ins Wochenende wünscht dir
    Irmi

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    1. Danke schön, liebe Irmi,
      ich freue mich, dass dir die Geschichte gefallen hat. Demnächst gibt es weitere Geschichten, ich habe eine Menge nachzuholen, damit mein Ideenbuch abgearbeitet wird.
      Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende dir
      Regina

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  6. Regina saß im Auto und musste warten.
    Da könnte ich doch gleich mit einer Geschichte starten,
    dachte sie und suchte nach ihrem Block.
    Doch dann der Schock!
    Keiner da!
    Fürwahr!
    Doch Gott sei Dank hatte sie noch etwas dabei
    und schrieb eine Geschichte – wie nebenbei –.
    Kurz, sie packte die Gelegenheit beim Schopf
    und schrieb alles schon einmal auf im Kopf.
    Das trainiert so ein Gehirn ganz ausgezeichnet
    und sie hatte schnell alles aufgezeichnet.
    Heute hat sie ihre Leser damit erfreut,
    und deshalb zu dichten – hab ich mich nicht gescheut.

    Hihi! Reim dich, oder ich fresse dich!
    Leider kann ich das nicht so schön wie du.
    Ich wollte damit nur Dankeschön sagen für die wundervolle Geschichte!
    Du wirst verstehen, dass ich lieber anonym bleiben möchte. :-) Hihihi!!!

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    1. :)

      Ich habe dich aber trotzdem erkannt! Glaube ich zumindest und werde das nachher mal prüfen, indem ich dich anrufe, liebe ...

      Herzliche Grüße
      Regina

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    2. Da freut sich ... :-)

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    3. Siehste, ich habs doch gewusst!
      Schönen Sonntag dir und liebe Grüße
      Regina

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  7. Wieder eine schöne Geschichte. Hat die Grete gern gelesen.
    Lg vonner Grete

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    1. Liebe Grete,
      das freu mich doch sehr! Ich lese auch so gern bei dir und beim Lieschen, auch wenn ich mich nicht immer zu Wort melden kann, so bin ich doch täglich da!
      Liebe Grüße
      Regina

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  8. Liebe Regina, ich versuche es mir gerade vorzustellen, wie sich das Magenknurren eines Eichhörnchens anhören mag. Manchmal, wenn ich im Wald spaziere, höre ich leise seltsame Geräusche, die ich nicht zuordnen kann. Das nächste Mal weiß ich nun, was es evtl. sein könnte ... ;-)

    Danke für die zauberhafte Geschichte.

    Liebe Grüße
    von der Waldameise

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  9. Und wieder geht deine Geschichte ans Herz.
    Liebe Grüsse Babs

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