Sonntag, 11. August 2013

Vom kleinen roten Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (3)





An einem Morgen im September betritt der Bauer Josef aufgeregt die Scheune.

„Moin, kleiner Trecker!“, ruft er und zieht die Plane herunter, die den Trecker vor Staub schützen soll.

„Wir haben es eilig, am Waldrand ist jemand  mit seinem Auto stecken geblieben, weil es doch die ganze Nacht geregnet hat.“

Er stellt das Scheunentor weit auf, schwingt sich auf den Treckersitz und schon geht es los. Ist das eine Freude für den kleinen Trecker. Da braucht jemand seine Hilfe und dieses ist seine allerliebste Aufgabe.

‚Ich gehöre eben doch noch nicht zum alten Eisen‘, denkt er und lässt den Motor aufheulen, vor lauter Freude hupt er dann noch laut und Josef wundert sich, denn er hat die Hupe gar nicht betätigt. Er weiß allerdings, dass der Trecker manchmal ein Eigenleben führt und in seinem Alter gesteht er ihm das zu. Josef grinst und genießt die Fahrt durch die frische Morgenluft.

Schon nach ein paar Minuten erreichen sie den Waldrand und da steht  es, das Auto, das sich nicht mehr allein befreien kann. Es ist über und über mit Schlamm bespritzt und der Fahrer steht daneben und betrachtet seinen schmutzigen Wagen.

„Gut, dass Sie kommen!“, ruft er Josef zu. „Ich habe einen wichtigen Termin und wollte nur kurz zum Telefonieren hier anhalten. Aus diesem Schlamm komme ich aber nicht mehr heraus!“, schimpft er.

„Schon gut“, brummt Josef, er befestigt ein Stahlseil am Trecker und verbindet dann Trecker und Auto miteinander.

„Dann wollen wir mal!“ Vorsichtig zieht Josef mithilfe des Treckers das Auto aus dem Morast.

„Wunderbar!“, ruft der Autobesitzer begeistert. „So ein Trecker ist Gold wert!“

Josef grinst.

„Stimmt, wir sind ein gutes Team, wir beide, nicht wahr, kleiner Trecker?“

Zur Antwort erklingt ein Hupen, der Fremde wundert sich und Josef klatscht fröhlich in die Hände.

„Was bin ich Ihnen schuldig?“, fragt der BMW-Fahrer, doch Josef lehnt ab.

„Ist schon gut“, sagt er und schwingt sich wieder auf den Sitz.

„Haben wir gern gemacht!“

Der kleine Trecker hupt, dann lässt er den Motor noch einmal kräftig aufheulen, bevor Josef und er wieder nach Hause fahren, dabei machen sie einen kleinen Umweg, wegen der herrlichen Morgenluft.



© Regina Meier zu Verl






Kommentare:

  1. Liebe Regina, wieder eine sehr schöne Geschichte vom kleinen roten Trecker. Und, ich finde Parallelen zum wirklichen Leben. Das hättest du wohl nicht gedacht, gelle? :-))

    Dir einen schönen Tag, aber nicht Bäume ausreißen.
    Ganz liebe Grüße, Margot

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    1. Danke schön, liebe Margot,

      für deinen lieben Kommentar! Doch: ich habe mir gedacht, dass du die Gemeinsamkeiten zum richtigen Leben finden würdest! :)
      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag und werde keine Bäume ausreißen, versprochen!

      Liebe Grüße
      Regina

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    2. Liebe Regina, hoffentlich geht es dir jeden Tag ein bisschen besser. Deine Genesung möchte ich mit einem lieben Gruß unterstützen. Und passe gut auf dich auf. ;-)
      Wünsche einen wunderschönen Tag.

      Ganz liebe Grüße, Margot

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  2. Danke Regina, eine wundervolle kleine Geschichte
    zum Sonntag. Man sollte darüber nachdenken, das man für
    kleine Gefälligkeiten nicht immer etwas nehmen muss.
    Einen schönen Sonntag wünscht Dir
    Irmi

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    1. Danke schön, Irmi,
      ich wünsche dir einen schönen Sonntagabend und grüße dich herzlich
      Regina

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  3. Hallo Regina :)

    ich liebe diese Geschichten mit dem roten kleinen Trecker, ich habe ja auch so einen roten Burschen mit Namen "Ferdinand" vor der Türe stehen, der wartet auch immer sehr sehnsuchtsvoll auf die nächste Ausfahrt ;)

    Lieben Gruß
    Björn :)

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    1. Danke schön, Björn,

      wenn es nach meinem Enkelkind geht, dann kommen noch jede Menge Geschichten vom kleinen Trecker. Deinem Ferdinand wünsche ich noch viele Ausfahrten ...

      Liebe Grüße
      Regina

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  4. Liebe Regina, Du hast gerade Erinnerungen bei mir wach gerufen. Zwar keine an einen roten Trecker, doch an das Steckenbleiben mit dem Auto.
    Als mein Mann und ich vor fast 40 Jahren (ach du meine Güte, sind wir schon alt :-)) an einem Samstagabend zum Hücker Moor fuhren, blieben wir im Morast stecken, weil wir uns verfahren hatten und in einem Feldweg wenden wollten.
    Ein Auto hielt und zwei nette mit dunklen Anzügen bekleidete Herren stiegen aus und waren bereit, unser Auto anzuschieben. Du ahnst, was kommt. Genau: Sie waren über und über mit dem Dreck bespritzt. Wir hatten doppeltes Glück: Wir konnten wieder fahren und die Männer hatten Humor.
    Dir noch einen schönen Abend!
    Martina

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    1. Liebe Martina,
      die Zeit rast nur so dahin. Wir waren früher auch öfter am Hücker Moor, gern erinnere ich mich an die Ausflüge dorthin! Ist ja auch gar nicht so weit von hier.
      Ich wünsche dir auch noch einen schönen Abend und sende herzliche Grüße
      Regina

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  5. Freue mich immer sehr wenn es eine neue Geschichte bei dir gibt :)
    Wunderschön!
    LG Babs

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    1. Danke schön, liebe Babs!

      Liebe Grüße
      Regina

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  6. Hallo Regina, das ist aber wirklich eine hübsche Geschichte. Der Umweg wegen der herrlichen Morgenluft hat mir besonders gut als Schluss gefallen.
    Lg vonner Grete

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    1. Hallo Grete,

      ich freu mich, dass dir meine Geschichte gefällt!

      Schöne Grüße, auch an das Lieschen
      Regina

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  7. Endlich wieder eine Trecker Geschichte, ich freue mich immer darüber, denn den kleinen roten Trecker habe ich ins Herz geschlossen. LGLore

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    1. Danke schön, liebe Lore,
      ich wünsche dir einen schönen Tag!

      Liebe Grüße
      Regina

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