Samstag, 27. Juli 2013

Samstagsgedanken (Vorsicht - Gejammer)

Die Sommerhitze setzte ihr zu. Früher konnte es nicht warm genug für sie sein, heute konnte sie es kaum noch ertragen. Der Kreislauf spielte verrückt, die Füße schwollen zu hässlichen Ballons an und die Hände weigerten sich, irgendeine Arbeit zu verrichten.
Lag es am Alter oder war es einfach nur ein sicheres Zeichen für eine körperliche und seelische Überlastung? Zu viel strömte in den letzten Wochen wieder auf sie ein und die kleinen Freuden konnten nur noch begrenzt die Hoffnungsfunken wieder aufleben lassen, die ihr immer wieder den Weg gewiesen hatten.
Konnte man Hoffnung verbrauchen, so dass irgendwann keine mehr da war? Wie konnte es sein, dass sie als überaus fröhlicher Mensch plötzlich das Lachen verlernte? 
Manchmal zweifelte sie, ob sie jemals wieder fröhliche Geschichten schreiben könnte. Um sie herum war keine Fröhlichkeit mehr, ausser vom Enkelchen, der die Welt noch mit anderen Augen sah und dem jede Freude stundenlanges Glück brachte, wie heute die Freude darüber, dass Opa einen neuen Swimming Pool gekauft hatte, der nun mit lautem Gekreische und Gejuchze eingeweiht werden konnte.
War sie undankbar, oder gar eifersüchtig auf das frische junge Leben? Nein! Alles, was sie tat und dachte stimmte sie darauf ab, dass der Kleine es gut haben sollte und dass die Probleme, die seine Eltern miteinander hatten nicht zu nah an ihn heran kamen. Das war eine schwierige Aufgabe und eigentlich war es nicht ihre Aufgabe. Sie konnte nur immer wieder vermittelnd eingreifen, musste sich trotzdem zurückhalten, denn sonst war Ärger vorprogrammiert. Und Ärger war das, was sie am wenigsten ertragen konnte. Er kroch durch den ganzen Körper, der Ärger, formte dann einen dicken Kloß im Hals und die Stimme versagte, die Luft zum Atmen wurde immer dünner und schließlich fing das Herz an zu schmerzen. Es krampfte sich zusammen und sprach seine eigene Sprache: "ES ist genug! Du kannst das nicht mehr lange aushalten!", sagte es und wenn sie erzählte, wie sich das bei ihr anfühlte, dann erntete sie Unverständnis und Blicke, die sagten: "Du bist nicht normal!"
Gerade wundert sie sich darüber, wie leicht es ihr fällt, diese Worte aufzuschreiben. Sie denkt nicht, nur ihre Finger bewegen sich über die Tastatur und schreiben das hin, was aus ihren Gedanken purzelt. "Es muss einfach mal raus", denkt sie und entscheidet, ihre Gedanken in die Welt zu entlassen, um sie ein wenig von sich wegzustellen und vielleicht einen klareren Blick darauf zu bekommen, wenn sie morgen oder in den nächsten Tagen nochmal nachliest, was da heute los war.
Es fällt ihr leichter, in der dritten Person davon zu erzählen, denn die Ich-Form gelingt nicht, vielleicht deshalb, weil sie mit diesen trüben Gedanken eigentlich nichts zu tun haben will, sie immer wieder verbirgt und lächelt, so als wenn alles in bester Ordnung wäre. Ist es nicht! Leider!

Kommentare:

  1. Liebe Regina, es ist gut so, dass du diese Geschichte erzählst. Es befreit dich von einer Last, auf deiner Seele. Kein Mensch kann immer nur "gute Miene zum bösen Spiel" machen.
    Und immer nur versuchen Frieden zu stiften, ist auch nicht gut, nicht gut für dich. Du hast ein Anrecht auf ein eigenes Leben ... Es freut mich, dass du dir den Kummer, wenigsten einen Teil, von der Seele schreibst. Bitte weiter so, ein bisschen mehr Egoismus schadet nicht ...
    Lass dich nicht runterziehen, sonst verlierst du wirklich deine Lebensfreude und die Freude am Schreiben.
    Es wäre wirklich schade um jede Geschichte, aber besonders um dich, als Mensch.
    Ganz liebe Grüße kommen von Margot.

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    1. Danke, liebe Margot,
      für deine tröstenden und zustimmenden Worte, das Schreiben hilft mir sehr zu verarbeiten, manchmal eben auch öffentlich, aber das soll die Ausnahme bleiben.

      Herzliche Grüße
      REgina

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    2. Liebe Regina, wer breitet schon gerne öffentlich sein Herz aus. Doch denke an den Spruch von
      George Bernard Shaw:
      "Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast."

      Ich wünsche dir nur alles Gute und weiterhin gute Genesung.
      Ganz liebe Grüße, Margot

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  2. Liebe Regina,
    gut, dass du dir diese Geschichte von der Seele schreibst.
    Ich kann dir nachfühlen. Mir geht es auch so. Nur getraue
    ich mich nicht, das hier im Blog kundzutun.
    Man kann nicht nur vermitteln und versuchen, Frieden zu stiften.
    Das geht nicht - und irgendwann ist man leer.
    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    Irmi

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    1. Danke, liebe Irmi,

      es hat mich ein wenig befreit, das aufzuschreiben, auch wenn es wohl eher die Ausnahme bleiben wird.

      Alles Gute dir und liebe Grüße
      Regina

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  3. Liebe Regina, eine weise Frau, die du besser kennst, als jeder andere von uns, hat einmal diese Zeilen verfasst, die ich dir heute gerne in Erinnerung rufen möchte.


    Ich gehe auf meinem Weg
    dem Licht entgegen.
    Ich kann es schon sehen
    und je näher ich komme,
    desto wärmer wird mir.

    Siehst du es dort am Horizont?
    Ganz sanft erhebt es sich,
    ein kleines Flämmchen noch,
    aber voller Kraft und Hoffnung.

    Es nimmt dem Dunkel die Angst
    und führt mich sicher zu ihm,
    dem ich vertraue.

    Es tröstet und trägt mich
    durch Zeiten des Leidens,
    lustig tanzt seine Flamme
    im Glück.

    Siehst du es nicht?
    Gib mir deine Hand,
    ich nehme dich mit.


    Siehst du das Licht?
    Nimm seine Hand und lass dich führen!

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    1. Liebe Martina,

      ja, ich kenne die Autorin, recht gut sogar. Manchmal sollte sie ihre eigenen Gedichte lesen, nicht wahr?
      Ich danke dir!!!

      Herzliche Grüße
      Regina

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  4. Liebe Regina
    Schreiben befreit die Seele.
    Immer nur Frieden bei anderen zu stiften, geht irgendwann an die Substanz.
    Denke mehr an dich, damit du nich deine Lebensfreude verlierts.

    Alles Liebe und ♥ liche Grüße
    Angelika

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    1. Danke, liebe Angelika,

      das werde ich machen! Hab einen schönen Tag und einen guten Wochenstart!

      Liebe Grüße an dich
      Regina

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  5. Liebe regina,
    ich kann mich da nur anschliessen! Eine sehr gute Art, sich die Sorgen von der Seele zu schreiben!
    Fühl Dich ganz lieb gedrückt!
    Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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    1. Danke schön, liebe Claudia,
      ich schreib seit vielen Jahren Tagebuch, aber nicht immer fließen da auch die Dinge ein, die mich ängstigen und krank machen. Dabei tut es so gut, sich seinen Kummer mal von der Seele zu schreiben!

      Liebe Grüße
      Regina

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  6. Wie gut ich dich verstehe! Ich empfinde ähnlich und meine auch, immer mit-leiden zu müssen. Mein Kopf sagt mir ganz klar 'Nur du bist für dich verantwortlich' , der Bauch reagiert anders. Dieses zwischen-den-Fronten-stehen ist zermürbend und wir sollten lernen, es abzuschütteln. Kein leichtes Unterfangen, aber vielleicht gelingt es dir.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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    1. Liebe Anna-Lena,
      dann üben wir beide das mal zusammen, vielleicht klappt es ja!
      Danke dir und liebe Grüße an dich
      Regina

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  7. Was für ein wunderbares Gedicht,das Martina da einstellte.
    Liebe Regina, weißt du noch, als ich einmal klagte und mir wünschte ohne Gefühle zu sein, weil man da zu verletztbar ist?
    Da sagtest du zur mir: "Aber ohne deine Gefühle wärst du nicht das was du bist!"
    Und du liebe Regina bist der wundervollste Mensch, dem ich seit langem begegnet bin und mit dieser Meinung stehe ich nicht allein, wie du siehst.
    Lass dich nicht kaputt machen. Gönne dir eine Ruhepause und lass die Dösköppe in deiner Umgebung einfach allein weiter wurschteln.
    Denke daran eine kleine Brise Egoismus muss sein, damit man nicht untergeht.
    Du machst uns allen soviel Freude mit deinen Geschichten, Gedichten und Plaudereien und dafür lieben wir dich.
    Auch hast du durch deine Freundschaft in mein Leben die Sonne gebracht und dafür danke ich dir.
    Freunde sind füreinander da und egal was geschieht, ich bin immer für dich da.
    Deine Freundin Lore


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