Samstag, 15. Juni 2013

Margeritentraum



Am Rande einer viel befahrenen Straße wohnt eine Gruppe von Wiesenblumen. Die meisten stammen aus der Familie der Margeriten, aber auch Mohni Klatschmohn und ihre Freundin Kornelia Kornblum sind dabei.
Margarete, die größte von ihnen plappert vor sich hin:
"Hört ihr die Kirchenglocken? Sicher ist heute wieder eine Hochzeit. Die Braut trägt Margeriten in den Haaren und der Bräutigam, meine Güte, sieht der gut aus!"
Die anderen Blumen kichern leise.
"Die spinnt mal wieder", stellt Maggy fest, die ihrer Schwester zum Verwechseln ähnlich sieht.
"Aber die Glocken läuten ja wirklich, vielleicht kann Margarete hellsehen und weiß, dass es eine Trauung ist", wirft Mohni ein.
"Quatsch mit Soße, heute ist Freitag und nachmittags sind immer Trauungen", erklärt der Spitzwegerich, der immer alles weiß. Jedenfalls behauptet er das.
Margarete überhört die Unterhaltung der anderen, sie träumt weiter.
"Und die Engelchen streuen Rosenblätter, mein Gott, sind die niedlich!"
"Die Rosenblätter?", fragte der Spitzwegerich und lacht hämisch.
"Nein, die Engelchen natürlich. Du bist aber auch kein bisschen romantisch!", schmollt Margarete. "Man wird ja wohl noch träumen dürfen!"
"Vielleicht wird dein Traum irgendwann wahr und du wirst auf dem Kopf einer Braut zum Altar schreiten, meine Liebe", tröstet Greta, die sich bisher zurückgehalten hat. "Ich würde dich gern begleiten, wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben!"

Zur gleichen Zeit sitzt Marie im Friseursalon nahe der Kirche. Dicke Tränen kullern über ihre Wangen. Dabei sieht sie so hübsch aus in ihrem weißen Seidenkleid, das über und über mit Spitze besetzt ist. 
"Das ist doch nicht so schlimm, Marie, gleich ist alles wieder in Ordnung und dann gehst du zur Kirche und heiratest deinen Christian und ihr werdet glücklich werden und diese kleine Panne ganz schnell vergessen!"
"Ja, aber ...", schluchzt Marie, "der Schleier ist hin und eine richtige Braut braucht doch einen Kopfschmuck."
Die Friseurin flüstert dem Lehrmädchen Nadine etwas ins Ohr. Diese verlässt eilig den Salon und kehrt nach ein paar Minuten mit einem Strauß Margeriten zurück. Mit flinken Fingern zaubert sie einen Blütenkranz und dann bekommt die Braut Marie einen wunderschönen Haarschmuck, der noch bezaubernder ist als der Schleier, der zuvor in der Autotür hängen geblieben war und zerriss.
Maries Augen strahlen und die Friseurin und Nadine, das Lehrmädchen, strahlen auch.

Am Rande der viel befahrenen Straße stehen Mohni, Kornelia und der kluge Herr Spitzwegerich. Die Damen sind in Gedanken versunken und Herr Spitzwegerich kämpft mit den Tränen. Er ist eben doch ein wenig romantisch. 
Die Margeriten sind verschwunden, wo sie sind, dass ahnt ihr längst, nicht wahr?
Klar, alle zieren die Kopf der Braut, bis auf Margarete, die sitzt im Knopfloch des Bräutigams und sie ist hin und weg, meine Güte, sieht der gut aus!

 © Regina Meier zu Verl









Kommentare:

  1. Eine wunderbare Geschichte, die zu Herzen geht, liebe Regina.

    Liebe Wochenendgrüße
    Angelika

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    1. Danke schön, Angelika,
      ich wünsche dir eine gute Nacht!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Liebe Regina,

    das hast du ganz toll geschrieben. Das Bild rundet die berührende Geschichte so richtig ab :-) .
    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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    1. Danke, liebe Anna-Lena,
      heute habe ich in deinem Buch gelesen, die Geschichte von der Ordensschwester, die das Kloster verlässt. Es ist immer wieder schön, in deinen Büchern zu lesen!

      Liebe Grüße
      Regina

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  3. Liebe Regina, Deine Geschichte finde ich wunderschön. Mein Tag kann also nur schön werden, weil ich mir nun vorgenommen habe auch weiterhin mit den Blumen zu reden. Mal sehen was sie mir erzählen ...
    Schön, dass mein Name die franz. Kurzform von Margarete ist. :-)
    Danke, und einen wunderschönen Sonntag wünsche ich Dir.

    Liebe Grüße, Margot

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    1. Danke schön, Margot,
      ich wünsche dir einen schönen Abend!

      Liebe Grüße
      Regina

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  4. Mene Güte, liebe Regina, ist das eine allerliebste Geschichte.
    Da staunnt Herr Spitzwegerich, der Neunmalkluge aber!
    Einen sommerlichen Sonntag wünscht dir
    Irmi

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    1. Danke schön, Irmi,

      es war ein schöner Sonntag und nun war ich schon wieder im Garten und habe die Sonne genossen!

      Liebe Grüße zu dir
      Regina

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  5. Meine Güte, liebe Regina, ist das eine bezaubernde Geschichte!
    Und da ist mir doch - ach, du meine Güte, die Irmi mit ihrem Kommentar zuvor gekommen. :-)
    LG Martina

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    1. :) Du meine Güte, jetzt ist dir doch die Irmi zuvor gekommen, nein, nein, nein, das darf doch nicht wahr sein - würde Lukas sagen!

      Einen schönen Abend dir und liebe Grüße
      REgina

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  6. Eine wunderschöne, romatische Geschichte!
    LG Calendula

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    1. Danke schön, Calendula,

      ich freue mich über den Zuspruch hier, das motiviert ungemein!

      Herzliche Grüße
      Regina

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  7. Liebe Regina,
    einfach nur schön :O))))
    Ich wünsch Dir einen guten und schönen Wochenbeginn!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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    1. Danke, allerliebste Claudia,

      hab einen schönen Abend!

      Liebe Grüße
      REgina

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  8. Hallo Regina :)

    sehr schöne Geschichte :) Freut mich für Margarete, nun ist ihr Traum in Erfüllung gegangen ;)
    Ich persönlich habe mich immer gefreut an einer Wiese vorbei zu gehen wo Margeriten standen - dann sah man sie eine zeit lang kaum noch - jetzt wieder mehr :)

    Lieben Gruß
    Björn :)

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    1. Stimmt, lieber Björn,
      man sieht sie wieder mehr, die Margeriten, mohnblumen und Kornblumen, mich freut das sehr!

      Herzliche Grüße
      REgina

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