Donnerstag, 30. Mai 2013

Fronleichnam - Erinnerung

Das ist ein Tagebucheintrag aus dem Jahr 2011 - eine Erinnerung, die am Fronleichnamstag immer wieder auflebt. 

Früher wurde das Krankenhaus in unserem Dorf (jetzt sind wir eine Stadt) von Ordensschwestern betrieben. Am Fronleichnamstag legten die Schwestern Teppiche aus Sommerblumen, die Kunstwerke enthielten christliche Motive . 
Wir sind als Kinder immer dorthin gegangen und haben die Teppiche bewundert. Tausende von Kornblumen, Margeriten, Kleeblüten und Gartenblumen wurden kunstvoll in mühevoller Arbeit auf der Straße ausgelegt. Auch die Heiligenhäuschen, von denen es hier recht viele gibt, wurden geschmückt für diesen Tag und an den Wegrändern wurden gelb-weiße Fahnen aufgestellt.
Dann gab es eine große Prozession, vorweg gingen die Messdiener und unter einem Baldachin wurde das Kreuz mitgeführt, ein kleines goldenes. Danach folgten der Priester und dann die Gemeinde. Ich habe das immer nur als Zuschauer wahrgenommen, weil ich evangelisch bin. Als Kind fand ich das ungerecht, ich wollte eigentlich gern dabei sein, denn alle meine Freundinnen waren beteiligt.
Später habe ich in dem Krankenhaus Sonntagsdienst gemacht, frühmorgens bin ich hingegangen und habe den Schwestern in der Küche geholfen, durfte auch mal Essen austragen und immer wieder habe ich bei den Patienten am Bett gesessen und mit ihnen geredet. So verbrachte ich meine Sonntage als Zwölfjährige. Eigentlich seltsam, dass ich nicht Krankenschwester oder Pflegerin geworden bin – daber das Leben nimmt manchmal Umwege und so verlor ich diese Arbeit aus den Augen, als die Schule mich mehr beanspruchte und ich in den Leistungsdruck geriet.

Erst vor ein paar Jahren holte mich das wieder ein und ich arbeitete über ein Jahr lang als Nachtwache in einem Altenheim. Nebenbei betreute ich mehrere alte Menschen zu Hause – ohne eine entsprechende Ausbildung, aber mit viel Herzenswärme und Freude. Manchmal vermisse ich das, auch wenn es anstrengend war. Warum ich das nicht mehr mache?
Die vielen Abschiede haben mir zu schaffen gemacht, immer wieder stand der Tod in der Tür und holte einen Menschen zu sich, dem meine Aufmerksamkeit galt. Ich habe mich daran nicht gewöhnen können und immer sehr gelitten. 



Kommentare:

  1. Liebe Regina, vor einiger Zeit habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich ehrenamtlich in der Hospiz zu engagieren. Ich war auch dort, habe mir die Räumlichkeiten angesehen und mir angehört, was dann auf mich zukommen würde. Als eine Frau erzählte, sie habe einmal eine junge Mutter zu Hause begleitet, die im Sterben lag, und erwähnte, die kleinen Kinder dieser Frau hätten in der Zeit im Nachbarraum vor dem Fernseher gesessen, wusste ich, dass ich das niemals schaffen würde. Ich hätte mich auch nicht an diese Situationen 'gewöhnen' können und die Traurigkeit mit nach Hause genommen. Deshalb hab ich es verworfen. LG Martina

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  2. Liebe Regina, sehr bewegende Erinnerungen hast du hier aufgeschrieben. Aber es geht mir auch so wie dir: einen pflegenden Beruf hätte ich seelisch nie durchgehalten. Ich wäre daran zu Grunde gegangen, weil ich eben auch alles mit nach Hause genommen hätte.
    LG Calendula

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  3. Liebe Regina, ja daran erinnere ich mich auch. Zu unserer Gemeinde gabs ein Krankenhaus, was von Nonnen geleitet wurde, die Kirche, Kindergarten, ein Altenheim und ein Waisenhaus. An Fronleichnam haben wir Kinder immer einen Umzug gemacht und im Krankenhaus und Altenheim gesungen. Ich fand das immer sehr schön. Habe als junges Mädchen viel zeit in den Heimen verbracht und vorgelesen.
    So geht die Zeit gahin, lang ist es her.
    Doch beruflich habe ich einen ganz anderen Weg eingeschlagen, ich bin Raumausstatterin geworden, das erste Mädchen in NRW, das diesen Beruf erlernt hat. Das war ein richtiger Aufstand, als Mädchen so einen Beruf.

    Liebe Nachmittagsgrüße
    Angelika

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  4. Liebe Regina,
    ich habe früher auch immer nur dabei gestanden. Wie gern wäre ich auch ein
    Engelchen in weißem Kleid und mit Kränzchen gewesen. Aber auch ich bin evangelisch.
    Deine Erinnerungen sind beeindruckend. Ich könnte alte Leute auch besuchn, ihnen zur
    Hand gehen - aber ich könnte das Dahinsiechen nicht ertragen. Ich habe meinen Mann über
    zwei Jahre Tag und Nacht gepflegt. Er ist in meinen Armen gestorben. Und damit war meine
    Kraft dann auch erschöpft.
    Liebe Grüße schickt
    Irmi

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  5. Ich war vier Jahre in einer Klosterschule in Holland. Jedes Jahr haben wir die Wege durch den großen Klostergarten geschmückt, danach war die Prozession bis zum Friedhof am Ende des Gartens (wir hatten etwa 300 Schwestern und wir waren im Internat 120), auf dem Friedhof sang dann zum Schluss der Chor. Ich fand das immer sehr bewegend.

    Wenn ich mal in Rente bin - so Gott will in 3 Jahren - stelle ich mir so eine Tätigkeit auch vor. Ich denke sogar an ein Hospiz.

    Nachdenkliche Grüße
    Anna-lena

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  6. Berührende Erinnerungen, liebe Regina!
    Ich wünsch Dir einen guten Start ins erste Juni-Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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