Donnerstag, 13. September 2012

Der einsame Kastanienmann

„Ist das ein Jammer, dass ich hier ganz allein bin!“
Das Kastanienmännchen war traurig und langweilte sich. Gestern noch hatte es viele Kameraden gehabt und heute waren alle verschwunden.
Lenas Geburtstagsgäste hatten im Wald Kastanien gesammelt und dann zusammen gebastelt. Dabei waren viele Figuren entstanden: Männer, Frauen, Hunde, Igel und viele mehr.
Nach dem Fest hatten die Kinder ihre Basteleien mit nach Hause genommen.
„Wenigstens einen Freund hätten sie mir lassen sollen“, jammerte der Kastanienmann und dachte dabei an das Kastanienmädchen mit den schönen Augen, das sein Herz berührt hatte. Wo war sie nur geblieben?
Er ließ den Kopf hängen. Der aber saß nicht ganz fest auf seinem Streichholzhals und - plopp - kullerte er vom Tisch und fiel zu Boden.
„Autsch, das tut weh!“, rief der Kastanienmann. Er zeterte und schimpfte, besonders, weil er keine Arme hatte, um sich den schmerzenden Kopf zu halten. Die nämlich steckten an seinem Körper fest und der lag ja noch auf dem Tisch.
„Ich bin der ärmste Kastanienmann auf der ganzen Welt“, heulte er.
„Du bist der größte Jammerlappen, den ich je kennen gelernt habe!“ Das war die Stimme vom Kater Moritz, der den Kastanienkopf neugierig beäugte, ihn kurz mit der Pfote anstieß, so dass er ein Stückchen weiter rollte.
„Aua, lass das gefälligst!“
„Du bist ein komischer Knilch, keinen Bauch, keine Beine, nicht einmal einen Schwanz hast du, aber eine große Klappe für zwei“, schimpfte Moritz und stieß den Kullerkopf gleich noch einmal an.
Unter dem Schrank landete er und das gefiel ihm gar nicht.
„Hol mich sofort hier weg, es ist dunkel und staubig!“, kreischte er.
Moritz gefiel dieses Spiel. Er holte den Kastanienkopf wieder hervor und stieß ihn immer und immer wieder an. War das ein Spaß!
„Was ist denn hier los?“ Lena hatte das Zimmer betreten. Sie schimpfte mit dem Kater, nahm den Kastanienkopf und setzte ihn liebevoll wieder auf seinen Körper.
„Schau hier“, sagte sie dann. „Ich habe dir eine Gefährtin gebastelt, damit du nicht so allein bist.“
Der Kastanienmann war noch ganz benommen von dem wilden Spiel. Als er aber das wunderhübsche Kastanienmädchen sah, das Lena an seine Seite gestellt hatte, klopfte sein Herz wie wild und der Schmerz war fast vergessen.
Es geht doch nichts über einen Freund oder eine Freundin, die einem zur Seite steht.

© Regina Meier zu Verl


Hier gibt es eine weitere Kastaniengeschichte, Die Kastanien und der Herbstwind

Kastanienmännchen wollen wir sein ... und Kastanienweiblein ... Hört ihr?, Foto © Elke Bräunling




Kommentare:

  1. Bald fallen sie, die glänzend braunen Früchte und Kinder in Kindergärten und Schulen freuen sich auf sie, basteln damit und verleihen dem Herbst damit eine besondere Note.

    Auch ich sammele jedes jahr gern und lege sie auf meine Fensterbänke :-) .

    LG Anna-Lena

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    1. Ich auch, liebe Anna-Lena,
      ich habe dann fast in jeder Hosen oder Jackentasche eine Kastanie und bilde mir ein, dass sie mir Glück bringen.
      Gebastelt haben wir früher auch viel, heute lege ich sie ungebastelt als Deko hin.
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Liebe Regina,
    die Geschichte erinnernt mich an fürher, als wir mit großem Eifer Kastanienfiguren gebastelt haben :O)))
    Du, diese Muster sind gar nicht schwer zu stricken, man muß halt nur aufpassen und immer schön mitzählen ;O)))
    Ich wünsch Dir ein wunderschönes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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    1. Ich hätte direkt Lust, liebe Claudia, auch so eine Mütze zu stricken. Meine Tochter würde sie sicher tragen, ich bin mehr so der Hut-Typ!

      Liebe Grüße
      Regina

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  3. Wie bei einem Film von Rosamunde Pilcher. Am Ende wird alles gut. :-)

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    1. Schau ich mir gern Sonntagsabend an, richtig was fürs Herz, nicht wahr?

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  4. Eine schöne Geschichte, sie MUSS doch auch gut ausgehen.
    Ich freue mich auch schon auf die schönen braunen glänzenden Gesellen.

    LG
    Brigitte

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    1. Liebe Brigitte,
      meine Geschichten gehen meist gut aus, so wie ich mir das im Leben auch wünsche. Leider klappt das in Wirklichkeit ja nicht immer (aber immer öfter). :)
      Liebe Grüße
      Regina

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  5. Heute habe ich in "meinem" Wald die ersten Kastanien am Boden gesehen. Noch in ihre Stachelköpfe verhüllt. Ich glaube, sie wollen noch ein wenig warten ...
    Die Geschichte ist echt süß
    Lieber Gruß
    Sally

    PS: GEht es dir schon ein bisschen besser?

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    1. Liebe Sally,
      ich habe den Nachmittag liegend auf dem Sofa verbracht, ich bin schlapp und erschöpft, aber das wird schon wieder. Einfach mal so rumliegen ist auch schön und ab und zu mal ein paar Notizen machen, das geht auch. Lesen kann ich aber nicht gut im Moment, der Kopf schmerzt doch ziemlich dolle!
      Liebe Grüße und danke schön
      Regina

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  6. kl-platz@t-online.de15. September 2012 um 06:09

    Selbst ein Kastanienmann will nicht allein sein. Jeder braucht einen Freund oder eine Freundin. Schön, dass ich so eine wunderbare Freundin gefunden habe. Eine herrliche Geschichte. Habe mir so richtig vorgestellt, wie Kater Moritz mit der Kastanie spielt.Lore

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    1. Das stimmt, liebe Lore,
      Freunde sind das Beste auf der Welt :)
      Der Kater Moritz ist real, den gibt es wirklich und es ist ein ganz verschmuster Lieber, der einfach gern spielt und sehr neugierig ist. Ich selbst kann leider keine Katzen in der Wohnung haben, weil ich allergisch reagieren - draußen geht es.
      Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende dir
      Gina

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