Samstag, 18. August 2012

Wie macht ein Vogel das?

Timo hockte auf der Bettkante wie ein Vogel auf der Stange. Das sah zu komisch aus.
„Willst du dort schlafen, oder kommst du endlich ins Bett?“, frage Mark, sein älterer Bruder, der mit ihm das Zimmer teilte.
„Ich schlafe heute wie ein Vogel!“, erklärte Timo. Mark kicherte.
„Du bist ja auch ein verrückter Vogel.“
„Na siehst du, dann steht dem Versuch ja nichts im Wege.“ Timo grinste und ruderte mit den Armen.
„Willst du das Fliegen lernen?“
„Nein, ich verliere das Gleichgewicht, wenn ich mich nicht konzentriere. Also, sei jetzt still, damit ich in Ruhe schlafen kann!“
Mark machte es sich in seinem Bett gemütlich. Er verschränkte die Arme im Nacken, damit er seinen Bruder besser beobachten konnte. Timo bemühte sich, nicht herunter zu fallen. Die Bettkante war nur ein dünnes Stahlrohr, kaum dicker als ein Besenstiel.
Es dauerte auch gar nicht lange, da nützte kein Rudern mit den Armen mehr, Timo plumpste rückwärts in sein Bett.
„Mist! Wie machen die Vögel das nur, sie schlafen doch die ganze Nacht auf einem dünnen Ast, oder gar auf einer Telegraphenleitung.“
„Hättest du mich vorher gefragt, hätte ich es dir erklären können. Unser Biolehrer hat es uns erklärt. Vögel haben eine Art Schließmechanismus in ihren Füßen. Wenn sie still auf einem Ast sitzen, umklammern die Krallen den Ast und sie lösen sich erst dann wieder, wenn die Vögel ein paar Mal mit den Flügeln schlagen.“
„Ach so, dann hätte ich die Flugversuche wohl besser sein lassen sollen.“
„Mensch, Timo, du bist ein … ich sag es lieber nicht!“
Timo stürzte sich auf seinen Bruder.
„Na warte, dir werde ich es zeigen!“
Ruhe kehrte erst ein, als die Mutter das Zimmer betrat und ihre Söhne zur Ordnung rief.
Timo versuchte nie wieder, auf der Bettkante zu übernachten. Im Bett war es auch viel gemütlicher.

© Regina Meier zu Verl

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