Samstag, 18. August 2012

Von Bauchschmerzen und Schnippelbohnen


Sören ist sauer. Er hat in der Schule Ärger bekommen. Zum zweiten Mal in dieser Woche fehlten die Hausaufgaben. Frau Fink wird die Eltern anrufen. So ein Mist!
Als er nach Hause kommt fühlt er sich schlecht. Der Magen drückt und das schlechte Gewissen auch. Zu allem Überfluss gibt es Schnippelbohneneintopf. Sören hasst Schnippelbohnen.
„Mir geht es nicht gut, ich lege mich hin“, sagt er und will schnell in seinem Zimmer verschwinden.
„Halt! Hier geblieben!“, ruft Mama und legt ihm die Hand auf die Stirn.
„Fieber hast du nicht“, stellt sie fest und schaut ihren Sohn prüfend an. Sören wird immer kleiner. Schrecklich ist das, wenn Mama ihn so ansieht. Sie hat einen Hellseherblick und kriegt alles raus, man muss gar nichts sagen.
„Ist es wegen der Schnippelbohnen?“, fragt sie.
Sören schüttelt den Kopf. Da sie sowieso erfahren wird, was mit ihm los ist, kann er auch gleich erzählen, dass Frau Fink anrufen wird.
„Also“, fängt er an zu reden, „am Montag hatte ich meine Hausaufgaben vergessen und heute schon wieder. Frau Fink hat es gemerkt!“
„Aha“, sagt Mama und wartet. Sören schaut betrübt auf den Boden. ‚Warum schimpft sie denn nicht endlich?’, denkt er.
„Ja und nun?“, fragt Mama streng.
„Ich werde sie heute Nachmittag machen und ihr morgen vorlegen“, schlägt Sören vor.
„Gut“, sagt Mama und schweigt wieder eine Weile. „Denkst du, dass es damit gut ist?“, fragt sie dann. Sören überlegt. Was meint sie denn nur, was soll er noch machen? Will sie ihn bestrafen oder bekommt er Hausarrest?
„Vielleicht kann ich eine Woche lang Lisas Küchendienst übernehmen“, stottert er betroffen.
„Das habe ich nicht gemeint. Wenn ich dich bestrafen möchte, dann denke ich mir schon selbst was aus“, sagt Mama und ihre Stimme klingt schon nicht mehr so streng. Sören überlegt weiter.
„Es wird nicht wieder vorkommen!“, sagt er und dann fällt ihm noch was ein:
„Ich werde mich entschuldigen“, fügt er hinzu.
Mama ist zufrieden und reicht ihm die Hand.
„Versprochen?“, fragt sie.
„Heiliges Indianerehrenwort!“, sagt Sören.
Die Magenschmerzen sind weg und dass Schnippelbohnen so köstlich schmecken können, hat er nicht gewusst.
Am Nachmittag macht er seine Hausaufgaben, die von Montag, die von Mittwoch und die neuen auch noch.

© Regina Meier zu Verl

Wenn meine Mutter Schnippelbohn kochte, hatte ich immer das Gefühl, sie wolle mich für irgendetwas bestrafen. Ich mochte diesen Eintopf einfach nicht essen. Heute hat sich das geändert, ich habe sogar selbst schon Schnippelbohnen gekocht - aber - irgendwie kommt das bei meiner Familie nicht so richtig gut an. :)


Kommentare:

  1. Ein kluger Kerl mit einer noch klügeren Mutter.

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    1. Danke, Martina,

      auch hier noch einmal liebe Wochenendgrüße an dich
      Regina

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  2. Schöne Geschichte, liebe Regina.

    Schnibbelbohnensuppe (ja, bei uns mit zwei b :-) )gab es bei meinen Eltern auch öfter mal. Ich habe sie sehr gerne gegessen, jedenfalls so wie sie die Suppe gemacht haben. :-)

    Liebe Grüße,
    Martina

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