Mittwoch, 15. August 2012

Lena, Luzie und der Vollmond

Hätte Frau Winter nicht so viel Kräutertee zum Abendessen getrunken, wäre die ganze Sache wahrscheinlich nicht ans Licht gekommen.
In dieser Nacht aber musste Mutter Winter zur Toilette und da sie nun schon aufgestanden war, wollte sie auch gleich nach Lena schauen. Leise öffnete sie die Tür zum Zimmer ihrer Tochter. Lena schien zu schlafen. Trotzdem trat die Mutter an das Bett und bekam einen Riesenschreck. Das war nicht Lena, die dort schlief. Es war Paul, der große Kuschelteddy.


„Wo ist sie denn nur?“, rief Frau Winter entsetzt und gleich darauf ließ sie einen Schrei los, der durch das ganze Haus schallte.
„Friedhelm!“
Lenas Vater schreckte hoch, sprang mit einem Satz aus den Federn und rannte zu seiner Frau.
„Was ist denn los, was machst du für ein Geschrei? Hast du eine Maus gesehen?“
Er war verärgert, schließlich musste er am Morgen früh raus und brauchte seinen Schlaf.
„Unser Kind…, sie ist weg!“ stammelte Frau Winter.
„Beruhige dich, das kann nicht sein. Sicher ist sie zu Oma gegangen. Lass uns bei deiner Mutter nachschauen.“
Friedhelm nahm seine Elisabeth an die Hand, dann gingen sie gemeinsam zu Omas Zimmer im Erdgeschoss. Friedhelm klopfte an die Tür.
„Mutter, ist Lena bei dir?“ Nichts, keine Antwort kam aus dem Zimmer.
„Sie hört uns nicht. Nachts legt sie die Hörgeräte ab. Du musst lauter rufen!“
Friedhelm versuchte es noch einmal.
„Mutter“, brüllte er, „wach werden, es gibt ein Problem!“
Mit der Faust trommelte er an die Zimmertür, die gleich darauf geöffnet wurde.
„Was ist denn hier los, brennt es?“ Oma stand in einem langen weißen Nachthemd vor ihnen, ihre Haare, die sie tagsüber zu einem Knoten gedreht trug, hingen fast bis zu den Hüften herunter.
„Ist Lena bei dir?“, schrie Elisabeth.
„Bitte? Was sagst du?“ Oma legte die Hände wie einen Trichter hinter die Ohren.
Elisabeth schob ihre Mutter beiseite und riss die Bettdecke aus dem Bett. Dann schaute sie hinter das Sofa und auch in den Kleiderschrank.
Derweil hatte Oma ihre Hörgeräte in die Ohren gesteckt. Friedhelm erklärte ihr, dass Lena nicht in ihrem Bett war.
Oma grinste über das ganze Gesicht. Elisabeth verstand die Welt nicht mehr. Sollte ihre Mutter auf ihre alten Tage komisch werden. Verstand sie denn den Ernst der Lage nicht?
„Kommt mit“, befahl Oma und grinste noch breiter. Dann setzte sie sich in Bewegung und Elisabeth und Friedhelm folgten ihr im Gänsemarsch.
Sie durchquerten das Wohnzimmer und gelangten in den Wintergarten.
Der Raum wurde vom Licht des Mondes erhellt. In dem großen Sessel lagen zwei aneinander gekuschelte Gestalten, Luzie, die Bobtail-Dame und Lena.
„Das darf ja wohl nicht wahr sein!“ flüsterte Elisabeth. Friedhelm schüttelte den Kopf, ihm fehlten die Worte.
„Wieso?“, triumphierte Oma. „Ihr habt ihr doch verboten, Luzie zu sich ins Bett zu holen und da ist Lena eben in Luzies Bett gekrochen. Luzie kann doch bei Vollmond nicht so gut schlafen und fürchtet sich.“
Leise verließen die Erwachsenen den Wintergarten.
Als Friedhelm und Elisabeth wieder in ihrem Bett lagen und Oma längst wieder eingeschlafen war, sagte Elisabeth:
„Darüber reden wir morgen früh aber noch ein ernstes Wort!“

© Regina Meier zu Verl



Kommentare:

  1. Liebe Regina,
    Deine Geschichten sind immer so schön zu lesen und jedesmal eine kleine Freude für mich :O)
    Danke für Deine so lieben Zeilen wieder! Auf die Gruselsuppe freu ich mich auch schon!:O)
    ....und der Wein gestern abend war ein Genuß ;O)

    Ich wünsch Dir einen schönen Sommertag!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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    1. Danke schön, liebe Claudia,
      ich freue mich, dass dir meine Geschichten gefallen. Das motiviert mich auf jeden Fall weiterzuschreiben. Im Alltag gibt es ja so viele Dinge, über die man/frau erzählen kann und es macht mir einfach Spaß.
      Ich habe tatsächlich gestern zu dir geprostet und vor mich hingelächelt, wie klein doch die Welt dank des Internets geworden ist. Man lernt Menschen kennen und prostet ihnen zu, denen man ansonsten wohl niemals begegnet wäre.
      Ich wünsche dir ebenfalls einen schönen Sommertag, herzliche Grüße
      Regina

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  2. Hatte schon gebangt um Lena. Dachte im ersten Moment, sie wäre mondsüchtig und wandelte vielleicht auf gefährlichen wegen. Bin erleichtert, dass sie nur mit ihrem Hund kuschelt. (Lächeln) Lieben Gruß Lore

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    1. Liebe Lore,

      ich bin früher auch immer herumgewandelt wenn Vollmond war. Es wurde aber auch bei mir nie gefährlich, weil ich meist in der Besucherritze des Elternbettes gelandet bin!


      Einen wunderbaren Tag dir und liebe Grüße
      Regina

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  3. Antworten
    1. Danke schön! :)

      Viele Grüße
      Regina

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  4. Das ist eine süße Geschichte, liebe Regina. :-)
    Schön geschrieben.

    Liebe Grüße,
    Martina

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    1. Danke schön, Martina,

      ich freue mich, dass dir die Geschichte gefällt!

      Herzliche Grüße
      Regina

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Ich freue mich über jeden Kommentar. Nicht immer schaffe ich es, alle Kommentare zu beantworten, ich bitte um Verständnis!