Sonntag, 29. Juli 2012

Nachwuchs im Kuhstall

Das Kälbchen schwankte bedenklich auf seinen dünnen Beinen, die wie Gummi immer wieder einknickten. Es zitterte. Seine Mutter leckte es liebevoll trocken.
„So ein hübsches Kind“, zwitscherte die Schwalbe, die ihre eigenen Kinder für eine Weile allein gelassen hatte, um der Geburt des Kalbes beizuwohnen. Wie mühsam das war, ein Kind auf die Welt zu bringen. Sie, die Schwalbe hatte sechs Eier gelegt, das war auch anstrengend genug gewesen.
„So ein hübsches Kind“, zwitscherte sie erneut, um gleich darauf neugierig zu fragen:
„Was ist es denn, ein Junge oder ein Mädchen?“
Mutter Kuh antwortete nicht, sie war viel zu sehr mit ihrem Kleinen beschäftigt und außerdem war sie erschöpft. Frau Schwalbe ließ aber nicht locker.
„Eines muss man euch Kühen zu lassen. Kaum seid ihr auf der Welt, da könnt ihr schon stehen. Bei meinen Kindern wird es noch dauern, bis sie das Nest erstmalig verlassen können.“
„Dafür könnt ihr dann fliegen, das können wir Kühe nicht. Es ist übrigens ein Mädchen“, antwortete die Kuh jetzt höflich, schließlich musste sie ihrem Kind ein gutes Vorbild sein. Das gefiel der Schwalbe sehr. Diese Kuh war sehr freundlich und das Kälbchen war wirklich wunderhübsch mit seinen riesigen braunen Augen und den Gummistelzenbeinen.
„Und das Kleine hat sogar ein Fell. Wie lange es doch dauert, bis meine Kinder Federn haben“, seufzte sie.
Sanft massierte die Kuh das Fell ihres Kindes mit der Zunge, sie ließ keinen Winkel seines kleinen Körpers aus. Das Kalb drückte sich eng an seine Mutter. Es schnupperte und suchte und stupste seine Mutter. Dann hatte es plötzlich gefunden, wonach es gesucht hatte: das Euter. Gierig begann es zu schmatzen und schmeckte die süße Milch.
„Interessant, interessant“ pfiff Frau Schwalbe und legte aufgeregt das Köpfchen von einer Seite zur anderen, um alles genau betrachten zu können.
Mutter Kuh lachte. Die Schwalbe war schon ein wenig komisch. Was sollte beim Milch trinken denn so lustig sein? Es kitzelte ein wenig, aber es war ein wunderbares Gefühl.
„Musst mich gar nicht auslachen“, flötete die Schwalbe beleidigt. „Ich sehe so was zum ersten Mal!“
„Schon gut, ich habe dich gar nicht ausgelacht. Ich lache vor Glück und Freude“, sagte die Kuh.
Das verstand die Schwalbe gut und nachdem sie noch einmal ihre allerherzlichsten Glückwünsche ausgesprochen hatte, verabschiedete sie sich.
„So, dann will ich mal los, meine Rasselbande wartet schon, ich höre ihr Piepsen bis hierher. Schade, dass ich kein Euter habe, das würde die leidige Futtersuche doch sehr vereinfachen!“
Als die Kuh sich das vorstellte, eine Schwalbe mit Euter, musste sie so heftig lachen, dass das Kälbchen prompt umkippte und vor Schreck auch noch einen Schluckauf bekam.
© Regina Meier zu Verl




Kommentare:

  1. *Lach*, das ist ja goldig!!
    Wir Menschen müssen beides leisten..

    ..grüßt dich Monika

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  2. Danke schön, Monika,

    freut mich, wenn ich dir ein Lächeln bescheren konnte!

    Herzliche Grüße
    Regina

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  3. Was für eine süße Geschichte!
    Lieber Gruß
    Sally

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    1. Danke schön, Sally!
      Ich wünsche dir einen schönen Sonntag!
      Liebe Grüße
      Regina

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  4. Schön, wenn man so viel Fantasie hat, das gefällt mir.

    LG Mathilda :-)

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    1. Das freut mich, liebe Mathilda, vielen Dank!

      Liebe Grüße
      Regina

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  5. Einfach schön und fantasievoll, liebe Regina.
    Wie im richtigen Leben lernen auch die Tiere viel voneinander.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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    1. Danke schön, Anna-Lena,
      die Tiere lernen voneinander und wir von den Tieren und sie wieder von uns, nicht wahr?

      Hab noch einen schönen Lesesonntag
      Regina

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  6. Ich finde das Zwiegespräch zwischen den Tieren auch echt toll.
    Was du immer für Ideen hast. Vor vielen, vielen Jahren durfte
    ich auch einmal einer Kälbchen-Geburt beiwohnen. Es hat mich
    sehr beeindruckt.
    Liebe Grüße - einmal von anderer Stelle!
    Martina

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    1. Liebe Martina,

      wir zwei treffen uns an verschiedenen Stellen, das ist schön! Danke fürs Lesen und deinen lieben Kommentar.

      Ich wünsche dir noch einen schönen Restsonntag
      Regina :)

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  7. eine Schwalbe mit EUTER..grins.aber man kann ja nicht ob es nicht auch Vögel damit gab..mit fällt nur das Schnabeltier ein.
    Danke für diese schöne Geschichte Regina
    einen LG vom katerchen

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    1. Ich freu mich, dass sie dir gefällt!

      Danke, liebes Katerchen,
      herzliche Grüße
      Regina

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